
| | | Heidi Keppel | | | | | Zucht mit Freizeitpferden Teil 8 Von › Heidi Keppel
Letzte Woche haben wir vor allem die Weidehaltung bezüglich ihrer Eignung als Haltungsform für trächtige Stuten näher betrachtet, nun wollen wir auch andere Unterbringungsarten genauer unter die Lupe nehmen und dabei mit der Offenstallhaltung beginnen, da diese ja ebenfalls als besonders pferdefreundlich und natürlich gilt und der Weidehaltung am ähnlichsten ist.
Deshalb treffen auch auf sie einige Punkte bzw. Gefahren zu, die wir bereits bei der Weidehaltung ausführlich besprochen haben, denn auch hier leben die Pferde im engen Herdenverband miteinander, womit sowohl eine starke Ansteckungsgefahr als auch soziale Probleme automatisch gegeben sind. Handelt es sich aber nicht um einen Pensionsstall, bei dem die Insassen immer wieder mal ausgewechselt werden, sondern um einen Privatstall, bei dem immer die gleichen sich untereinander gut verstehenden Pferde zusammenleben, so ist diese Haltung in den meisten Fällen tatsächlich ideal für die trächtige Stute.
Ständig frische Luft und freie Bewegungsmöglichkeit in Kombination mit guten sozialen Kontakten zu Artgenossen sind optimale Voraussetzungen für Mutterstuten und später natürlich auch für deren Fohlen. Besteht die ganze Herde bzw. Gruppe aus trächtigen Stuten, ist dies besonders günstig, da die Tiere erstens gegenseitig aufeinander Rücksicht nehmen und auch kein sehr unterschiedliches Lauf- und Fressbedürfnis haben, und da zweitens die Fohlen dann auch mit gleichaltrigen Artgenossen spielen und toben können.
Andernfalls ist zumindest in der Endphase der Trächtigkeit darauf zu achten, dass die betreffende Stute ihre etwas größere Kraftfutterration auch wirklich alleine und in Ruhe fressen kann, und sie muss auch die Möglichkeit haben, sich in einem geschützten Raum auf weichem, trockenem Untergrund ganz nach Belieben niederlegen zu können. Gerade in den letzten Wochen vor der Geburt machen viele Stuten gerne von diesem Angebot Gebrauch.
Befinden sich nicht trächtige Stuten oder Wallache in der Herde, so kann es in diesem Zeitraum durchaus zu Schwierigkeiten kommen, weil trächtige Stuten, die nun in diesem Endstadium eine oft gewaltige Körperfülle entwickeln und dadurch zunehmend schwerfälliger werden, von den anderen Pferden bisweilen auch dann vertrieben oder einfach nur durch die Gegend gescheucht werden, wenn sie zuvor friedlich nebeneinander gelebt haben.
Ganz schlimm ist es, wenn ein Hengst oder auch ein Wallach mit Hengstambitionen in der Herde gehalten wird, denn im letzten Monat der Trächtigkeit ändert sich der hormonelle Zustand der Stute so, dass sie einen Duft ähnlich dem einer rossigen Stute verströmt, was in den männlichen Tieren natürlich sofort den Trieb erweckt, diese begatten zu wollen. Sie lassen sich dabei vom Bauchumfang der Stute und ihren Abwehrmaßnahmen nur selten eines Besseren belehren, sondern verfolgen das arme Tier dann mehr oder weniger aufdringlich den ganzen Tag. Dies kann durchaus zu vorzeitigen Wehen und Geburtsschwierigkeiten führen, weshalb hochträchtige Stuten vor solchen Attacken unbedingt geschützt werden sollten.
Bei einer bunt zusammengewürfelten Herde ist es deshalb meist besser, die Stute im letzten Monat ihrer Trächtigkeit von den anderen Tieren ein wenig zu isolieren, indem man sie nachts in eine separate Box bringt (meist gibt es ja wenigstens eine für kranke Pferde bestimmte, etwas abseits gelegene Box, die man dafür verwenden kann) - Sichtkontakt zu den anderen Pferden sollte aber natürlich schon bestehen bleiben, um die Stute durch die Trennung nicht womöglich noch mehr aufzuregen - und ihr unter Umständen auch tagsüber einen eigenen Bereich der Koppel extra abzäunt. Dies ist besonders dann wichtig, wenn sich der Stall nicht immer unter wachsamer menschlicher Kontrolle befindet.
Ist der Offenstall und die dazugehörige Anlage jedoch jederzeit vom Besitzer bzw. Pflegepersonal gut einsehbar und zeigen sich innerhalb der Herde keinerlei derartige Schwierigkeiten, dann kann die Stute natürlich auch bis und während der Geburt bei den anderen Pferden belassen werden. Oft findet dann das große Ereignis ganz idyllisch umrahmt und beschützt von den anderen Herdenmitgliedern statt, womit auch gleich die Eingliederung des Fohlens in die Herde auf völlig natürliche Weise erfolgt, doch darüber zu einem späteren Zeitpunkt mehr.
Im Tipp der nächsten Woche schauen wir uns dann die Vor- und Nachteile der kombinierten Stall- und Koppelhaltung an.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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