Mittlerweile hat auch der Stallbetreiber die Veränderungen mitbekommen und probierte die Methoden des Hufheilpraktikers bei ein paar eigenen Pferden aus. Sie kamen ins Gespräch und der HHP erzählte ihm von regelrechten Pferdespielplätzen, mit verschiedenen Böden, Wälzplatz, einer Hufbadewanne und Hindernissen, wo Pferde gerne drüberklettern und sich dabei selber trainieren.
Der Stallbetreiber versprach, das bei der nächsten Einstellerversammlung anzusprechen, weil die Neuen das ja auch schon kannten und ihn deswegen schon gefragt hatten. Auf der Versammlung diskutierten alle über den Sinn der Aktion, aber die Neuen konnten von guten Erfahrungen mit dem Spielplatz und vor allem mit den befestigten Flächen berichten, wodurch die Hufe ihrer Pferde so viel besser geworden waren.
Im Endeffekt haben also alle was davon: Der Stallbetreiber tut sich bei den befestigten Böden leichter mit dem Sauberhalten und die Einsteller mußten nicht mehr so oft duch den Matsch, um ihre Pferde zu holen. Den Ausschlag gab dann der Vorschlag, daß alle zusammenhelfen, die Einsteller mit ihrer Arbeitskraft und der Stallbesitzer mit Material und Maschinen. Bei der Gelegenheit bauten sie gleich einen schönen Trailparcours mit und das Ganze wurde mit einem super Stallfest abgeschlossen.
Die Monate gingen ins Land und immer weniger im Stall wollten ihre Pferde beschlagen lassen. Der Schmied hatte sich in die Bücher des HHP eingelesen und setzte auch Einiges um. Seine wachsende Zahl an Barfußpferden lief daraufhin nicht mehr so leicht klamm.
Er mußte jetzt zwar für das Ausschneiden mehr verlangen, weil es größerer Aufwand war, aber viele seiner Kunden waren froh, trotzdem weniger zahlen zu müssen als für einen Rundum-Beschlag. Kürzlich hat er erfahren, daß diese HHP-Schule für Schmiede eine Art Aufbaukurs anbietet und das zu einem Sonderpreis für Umsteiger. Auch mit dem Tierarzt hat er schon gesprochen und der hat bestätigt, daß die aktuelle Forschung sich mehr durchsetzt.
Aber, so hat er auch geklagt, viele seiner Kunden erwarten von ihm, daß das Pferd gesund oder zumindest schmerzfrei ist, wenn er vom Hof fährt. Nur wenige haben die Geduld von Wochen oder gar Monaten, wenn die Hufe sich komplett umbauen müssen.
Trotzdem geht es ihm vor allem um seine Patienten und der Anteil der Einsichtigen wird immer größer. Alle drei, Hufheilpraktiker, (Noch)Schmied und Tierarzt versprechen, eng miteinander zusammenzuarbeiten und sich so zu ergänzen.
Den Stallbetreiber freut die neue Stimmung im Stall. Die wenigen Unverbesserlichen vom alten Schlag sind gegangen und Neue sind gekommen, die zur Gemeinschaft passen. Zudem ist er ein diplomatischer Mensch. Er hat deshalb auch einen guten Draht zum Jäger und Förster. An einem Sommerabend, bei einer halben Bier im Hof, kamen sie auch auf die vielen Veränderungen zu sprechen. Dabei erzählte der Förster, daß die Wege jetzt nicht mehr so ramponiert sind, seit die Pferde ohne Eisen drübergehen. Auch mit einigen Bauern habe er darüber schon geplaudert.
So verstärkte sich bei allen der Eindruck, daß die anderen rücksichtsvoller mit ihnen umgehen, und mit ihren Pferden, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
| Epilog
Die Erde ist eine Scheibe Der Mensch ist die Krone der Schöpfung Pferde können ohne Eisen nicht vernünftig laufen | | |
Quellen
" Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dienstag, 27. Dezember 2005, Nr. 301 / Seite 11 " Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dienstag, 27. Dezember 2005, Nr. 301 / Seite 13 » SPIEGEL ONLINE: Kampf den Huf-Quacksalbern " Muster Protestbrief Hufeisen - Glücksbringer ++auf Pferdehufen, Prolog - Odyssee eines engagierten Pferdebesitzers
Ausgabe 354 · Teil 1 Krieg der Weltanschauungen, Hufseminar - 3 Tage geballte Information
Ausgabe 355 · Teil 2 Im Zeichen der Ganzheitlichkeit, Pferde sind Lebe-Wesen
Ausgabe 357 · Teil 3 Fast alle unnötig getötet, Wie kann man's besser machen?
Ausgabe 358 · Teil 4
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Foto
© Stefan Hölzl
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