
| | | Heidi Keppel | | | | | Tipps zum Umgang mit trächtigen Stuten Von › Heidi Keppel
Als Freizeitreiter und Besitzer einer Stute stellt sich einem früher oder später oft die Frage, ob man dieser auch einmal Mutterfreuden vergönnen sollte. Vor allem für Tiere, die immer wieder unter hormonellen Problemen leiden, ist zumindest eine Trächtigkeit im Alter von 5-10 Jahren sehr empfehlenswert, weil sich dadurch der Hormonhaushalt meist über einige Jahre stabilisiert und die Stuten infolgedessen um einiges umgänglicher und ausgeglichener werden.
Dass ihre biologische Uhr tickt, merkt man spätestens, wenn die Stute immer ausgeprägtere Rossesymptome zu entwickeln beginnt, doch selbstverständlich sollte man als Stutenhalter deshalb auch nicht gleich unüberlegt zum ‚Züchter' werden. Es gibt so viele Freizeitpferde und darunter natürlich auch Fohlen, die ein schlimmes Dasein fristen müssen oder letztendlich beim Schlachter landen, nur weil sich keiner um sie kümmern will oder kann.
Man sollte sich als Besitzer einer Stute dieser Verantwortung bewusst sein und nur dann ein Fohlen in die Welt setzen, wenn man die dafür geeigneten Haltungs- und Aufzuchtmöglichkeiten besitzt (dieses Thema möchte ich zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführlicher behandeln) und grundsätzlich auch finanziell in der Lage ist, sich ein zweites Pferd leisten zu können. Idealerweise sollte das Vorhaben dahingehen, dass man dieses Fohlen auch nach der Säugezeit von 6-8 Monaten weiterhin behalten möchte, denn damit macht man - vor allem wenn es sich um ein Stutfohlen handelt - Mutter und Kind sicherlich die größte Freude.
Doch nicht nur über die Zeit nach der Geburt bzw. nach dem Absetzen des Fohlens sollte man sich Gedanken machen, denn auch die Trächtigkeit an sich stellt zwar eine natürliche, aber doch gewaltige Veränderung für die Stute dar, welche nicht nur eine diesen Umständen angepasste Haltung und Fütterung, sondern auch vermehrte Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen vom Besitzer bzw. Reiter erfordert.
Leider wird dies vielerorts vor allem von laienhaften ‚Hobbyzüchtern' wenig berücksichtigt, teils weil das nötige Wissen dafür fehlt, teils weil es auch an echter Tierliebe bzw. Verständnisbereitschaft mangelt. Immer noch werden viele Pferde nicht als Lebewesen und Reitpartner, sondern eher als Sportgerät betrachtet und dementsprechend gedanken- und gefühllos behandelt. Da wird dann meist auch kein großer Unterschied bei trächtigen Stuten gemacht.
Unregelmäßige Belastungen mit teilweise zu starker Beanspruchung des Pferdes, wie es viele so genannte Wochenendreiter praktizieren, sind natürlich für kein Pferd gesund, können aber gerade bei Stuten in der Anfangs- und Endphase der Trächtigkeit zu mehr oder weniger starken Schäden am Muttertier oder auch am ungeborenen Fohlen führen. Komplikationen während der Trächtigkeit und auch bei der Geburt können genauso die Folge sein wie z.B. Verhaltensstörungen beim Fohlen, denn auch bei trächtigen Stuten wirken sich starke Anstrengungen bzw. Aufregungen direkt auf das ungeborene Leben in ihrem Bauch aus und äußern sich später häufig in übersteigerter Ängstlichkeit und Nervosität des Fohlens.
Dies sollte jeder, der mit einer trächtigen Stute arbeitet, unbedingt bedenken und diese möglichst in keinster Weise überfordern, weder körperlich noch seelisch-geistig. Ein freundlicher, sanfter Umgangston sollte eine Selbstverständlichkeit sein und auch körperliche Züchtigungen sind natürlich zu vermeiden, wobei aber auch ein ständig hart klopfender Reiterschenkel nicht das Optimalste für den empfindlichen Bauch einer werdenden Mutter sein kann.
Was nun die Toleranzgrenze bei den reiterlichen Anforderungen anbelangt, so kommt es dabei natürlich auf das individuelle Leistungsvermögen und die bereits vorhandene Kondition der Stute an. Wurde eine Stute schon vor der Trächtigkeit täglich ausgiebig geritten bzw. trainiert, dann wird sie diese Art von Belastung im Normalfall auch während der Trächtigkeit aushalten, ein zuvor völlig untrainiertes Tier kann allerdings auch schon durch einen eher kurzen Ausritt überfordert sein, wenn dieser z.B. vorwiegend in schneller Gangart oder in anstrengendem, hügeligem Gelände erfolgt.
Normalerweise ist eine Überanstrengung sehr leicht durch Herzklopfen und verschärfte Atmung zu erkennen und spätestens dann braucht das werdende Muttertier eine ausreichende Pause zur Erholung. Auf keinen Fall sollte eine trächtige Stute, die das Erbringen einer bestimmten Leistung verweigert bzw. zu verweigern versucht, brutal vorangetrieben werden, denn dabei können Mutter und Kind wirklich ernsthafte Schäden erleiden. Trächtige Stuten wissen nämlich meist instinktiv, was ihnen und ihrem ungeborenen Fohlen schaden könnte, und darauf sollte ein verantwortungsbewusster Reiter unbedingt hören, zumal es ja auch in seinem eigenen Interesse sein sollte, dass Stute und Fohlen gesund bleiben und eine komplikationslose Geburt stattfindet.
Aus ebendiesen Gründen sollte das Reiten in den letzten beiden Monaten der Trächtigkeit stark eingeschränkt oder besser noch ganz unterlassen werden, damit sich die Stute ausreichend erholen und für die Geburt Kräfte sammeln kann, wobei beliebige freie Bewegung in Form von täglichem Koppel- oder Weideaufenthalt in dieser Zeit besonders wichtig ist, da es umgekehrt durch faules Herumstehen in einer engen Box oder in einem kleinen Paddock eher zu einer Schwächung der Stute kommt, was sich dann ebenfalls schlecht auf den Geburtsverlauf auswirken kann.
Mehr darüber aber in meinen nächsten Tipps, in denen ich mich noch eingehender mit dem Thema ‚Zucht' beschäftigen werde.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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