
| | | Heidi Keppel | | | | | Tipps zur Erkennung und Behandlung von Erkrankungen des weiblichen Geschlechtsapparates III Von › Heidi Keppel
Letzte Woche habe ich hier bereits einige homöopathische Mittel vorgestellt, die bei der Behandlung von Erkrankungen des weiblichen Geschlechtsapparates eine Rolle spielen können, diese Woche möchte ich nun noch einige andere typische ‚Stutenmittel' näher beschreiben, die bei verschiedenen Krankheiten der Eierstöcke und Gebärmutter, aber z.B. auch bei der Deck- und Geburtsvorbereitung zum Einsatz kommen.
Eines der wichtigsten Mittel zur Behandlung der weiblichen Geschlechtsorgane ist Pulsatilla D4 (oder D6). Ein schleimig-eitriges, mildes, gelbes oder gelblich-grünliches Sekret spricht für diese Arznei, die nicht nur bei Gebärmutterentzündungen, sondern auch bei diversen Fruchtbarkeitsstörungen und bei der Geburtsvorbereitung wertvolle Hilfe leisten kann und deshalb vor allem für die Stallapotheke von Zuchtställen sehr zu empfehlen ist.
Pulsatilla eignet sich vor allem für jüngere Stuten, deren Rossezyklus unregelmäßig oder verlängert ist und deren Rosse meist unbemerkt bleibt, weil die typischen Brunsterscheinungen (Blitzen, Quietschen, etc.) fehlen oder wenig ausgeprägt in Erscheinung treten. Meist handelt es sich um gutmütige und anhängliche Tiere, die dieses Mittel brauchen. Es löst durch verstärkte Durchblutung der Beckenorgane die Rosse, aber nicht den Eisprung aus, weshalb es auch am besten mit Aristolochia D12 (diese Arznei habe ich bereits in meinem vorigen Tipp beschrieben) kombiniert gegeben werden sollte (2mal täglich je 10-15 Tropfen).
Aber auch rund um die Geburt hat Pulsatilla eine wichtige Bedeutung, denn es hilft bei der Geburtseinleitung, indem es die Schleimhautdurchblutung verbessert und die weichen Geburtswege erweitert, wodurch der Geburtsvorgang erleichtert wird. Ebenso wird die Anbildung des Euters angeregt, weshalb vor allem erstgebärende Stuten von einer vorbeugenden Gabe dieses Homöopathikums sehr profitieren. Man kann es bereits 2-4 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin 1mal täglich (10-15 Tropfen) verabreichen.
Im Gegensatz zu Pulsatilla ist Sepia D6 (oder D8 bzw. D12) besonders für ältere, schon etwas eckigere, magere Stuten geeignet, deren ganzer Körper bereits deutlich an Spannkraft verloren hat. Dieses Mittel hilft bei allgemeiner Bindegewebsschwäche, regt den Brunstzyklus erneut an und ist speziell bei Gebärmuttersenkung, sowie bei Scheiden- bzw. Gebärmuttervorfall sehr zu empfehlen. Meist ist dafür eine Behandlung über 3-4 Wochen (2mal täglich 10-15 Tropfen) nötig, wobei aber auch eine Konstitutionsbehandlung mit einer Hochpotenz durchgeführt werden kann, welche allerdings immer dem Fachmann vorbehalten sein sollte. (Dies gilt eigentlich für jede homöopathische Behandlung, doch insbesondere für den Einsatz von tiefgreifenden Hochpotenzen!)
Während die bis jetzt genannten Homöopathika vor allem bei einer generellen Unterfunktion der Eierstöcke eingesetzt werden, sind bei Fruchtbarkeitsstörungen, die auf einer zystischen Entartung bzw. Degeneration der Ovarien beruhen, wieder andere Mittel vonnöten. Vorrangig werden dafür Apis D4 (bei Zysten am rechten Eierstock) und Lachesis D8 (bei Zysten am linken Eierstock) verwendet, wobei meist eine mehrtägige Behandlung in derselben Dosierung wie Sepia ausreichend ist, um die Zysten zu eröffnen und den Geschlechtszyklus in Gang zu bringen.
Bei linksseitigen Ovarialzysten und Eierstocksdegenerationen ist auch Aurum D8 (oder als Typmittel die D30) zur Therapie geeignet, wenn die Stute ein sehr temperamentvolles, dominantes und mitunter auch sehr aggressives Verhalten an den Tag legt. Im Gegensatz zu den vorher genannten Mitteln äußern sich hier die Fruchtbarkeitsstörungen aber nicht in Form von verminderten Brunsterscheinungen, sondern durch gesteigerte sexuelle Erregbarkeit. Aurum D8 wird dabei ebenfalls 2mal täglich (jeweils 10-15 Tropfen) verabreicht, bis sich das Verhalten und der Brunstzyklus normalisiert haben.
Passt Aurum vom Typ her nicht, so gibt es auch noch andere Mittel, mit denen man diese nymphomanischen Störungen beseitigen oder zumindest abschwächen kann. Da wäre einmal Platinum D30 zu nennen, mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe, als meine Lieblingsstute in jungen Jahren zur Dauerrossigkeit mit ständigem Quietschen und Berührungsempfindlichkeit beim Reiten neigte. 1mal täglich 10 Tropfen dieser Hochpotenz über 4 Tage verabreicht, brachte ihr Gefühlsleben wieder in Ordnung. Diese Arznei ist vor allem für überreizte und sensible Vollblutstuten geeignet, während Aurum mehr bei schwereren Pferderassen angewandt wird.
Für leichtere Rassen eignet sich auch Bufo D10, welches allerdings im Normalfall über 10 Tage 2mal täglich (je 10-15 Tropfen) verabreicht werden muss, um Erfolge zu zeigen. Es beseitigt die nymphomanischen Erscheinungen, kann aber die zystische Entartung der Eierstöcke nicht beheben und auch keinen neuen Zyklus in Gang bringen.
Zeigt die Stute ein extrem ängstliches und aggressives, also richtiggehend hysterisches Verhalten, so kann Hyoscyamus D30 helfen, welches am besten wie Platinum dosiert wird. Eine Eigenheit, die besonders für dieses Mittel spricht, ist die große Angst vor Wasser in jeder Form (Pfützen, Wassergraben, etc.).
Sind die übertriebenen Rosseerscheinungen mit kolikartigen Bauchschmerzen vergesellschaftet, so gibt man am besten Colocynthis D6, ist hingegen hauptsächlich ein extrem verstärkter Harnabsatz zu bemerken, so ist Cantharis D6 das Mittel der Wahl. Beide Arzneien werden 3mal täglich (je 10-15 Tropfen) oder notfalls auch in kürzeren Zeitabständen gegeben, bis eine deutliche Besserung zu bemerken ist.
Auch wenn die Liste damit noch nicht vollständig ist, so haben Sie doch einen Überblick über die wichtigsten homöopathischen Arzneien bekommen, die für die Behandlung von Erkrankungen des weiblichen Geschlechtsapparates in Frage kommen. Nächste Woche möchte ich dann ein wenig näher auf die Psyche der Stuten eingehen und ergänzend dazu einige Tipps zum richtigen Umgang mit Stuten geben.
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