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Bericht Zum Thema  Jubiläum · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 340.05 der Pferdezeitung vom 02.10.05
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 Beschwörung: Das Pferd ... 
 Turniersport  1. Deutsche Meisterschaft  Mäzene
 Rom 1960  Kalter Krieg
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Die legendäre Veranstaltung 1963 in Dortmund · Copyright wie angegeben
Die legendäre Veranstaltung 1963 in Dortmund
Ausschnittvergrößerung   · Copyright wie angegeben
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    Beschwörung: Das Pferd muß bleiben   
    Der Turniersport wächst im kalten Krieg   
von Copyright wie angegeben  Werner Popken

Teil 1:  100 Jahre FN
Teil 2:  Verbandsgründung, erste Erfolge
Teil 3:  Krieg und Nachkriegszeit
Teil 4:  Das Jahr 1924
Teil 5:  Kauft nur deutsche Pferde!
Teil 6:  Olympische Spiele Berlin 1936
Teil 7:  Auf in den Krieg!
Teil 8:  Ehrenrettung für Gustav Rau
Teil 9:  Das Ende der Ära Rau
Teil 10:  HGW und Linsenhoff


Zum Thema Jubiläum


Am Ende der letzten Ausgabe hatten wir gesehen, wie dramatisch der Pferdebestand von 1949 bis 1970 zurückgegangen war. Ab 1968 hatte sich die Tendenz abgeschwächt und der Bestand schien sich auf niedrigem Niveau zu stabilisieren.

Das konnte man Anfang der sechziger Jahren aber noch nicht absehen - damals ging es noch linear bergab. Das Pferd schien in der modernen Welt keinen Platz mehr zu haben.

Deshalb die pathetische Veranstaltung "Das Pferd muß bleiben", die vom Hauptverband der Zucht und Prüfung deutscher Pferde gemeinsam mit dem Provinzialverband westfälischer Reit- und Fahrvereine im Zusammenhang mit dem Dortmunder Hallenturnier 1963 veranstaltet wurde. Der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke schickte ein Telegramm:

" Einzig und allein der Mensch entscheidet, ob das Pferd bleiben wird oder nicht. Sollte eines Tages das Pferd verschwinden, so nur durch die Schuld des Menschen."

Die Initiatoren des hippologischen Großereignisses hatten alle Zweige der Landespferdezuchten, des Reit- und Rennsports, der Landwirtschaft und des Gewerbes für die Teilnahme begeistern können. Höhepunkt ist der große Aufmarsch der Pferde aller Zuchtrichtungen. Fachkundig von Fernsehjournalist Hans-Heinrich Isenbart kommentiert, nehmen unter anderem Shetlandponies, Fjordpferde, Haflinger, Dülmener Wildpferde, Warmblüter, Galopp- und Trabrennpferde sowie die "Dicken" Aufstellung in der Arena. Das Schaubild der Trakehner rührt manchen Zuschauer zu Tränen. Vier edle Stuten vor einem knapp 20 Jahre alten Treckwagen wecken die Erinnerung an Flucht, Vertreibung und Verlust der Heimat. Prächtige Karossen, Quadrillen in historischen Kostümen, Dressur- und Springvorführungen, Stuten mit ihren erst wenige Tage alten Fohlen, Fahrsportdemonstrationen und vieles mehr folgen Schlag auf Schlag. Überraschend gut klappt die von Horst Niemack entworfene Dressurquadrille auf höchstem Niveau. Nur einmal hatten die acht Reiter üben können. Nach der Schlußaufstellung werden Lieselott Linsenhoff, Anneliese Schauerte-Küppers, Rosmarie Springer, Hannelore Weygand, Josef Neckermann, Heinz Pollay, Harry Boldt und Reiner Klimke mit nichtendenwollendem Beifall bedacht. Herzlicher Applaus wird auch Fritz Thiedemann und dem inzwischen zwanzigjährigen Meteor, der seit zwei Jahren sein Gnadenbrot in der Reit- und Fahrschule Elmshorn erhält, zuteil. Es ist eines der letzten öffentlichen Auftritte dieses unvergessenen Paares, denn Fritz Thiedemann hatte sich zu Beginn der sechziger Jahre entschieden, aus dem aktiven Turniersport auszuscheiden.

Als die 16 noch lebenden Medaillengewinner der Olympischen Spiele von 1936, 1952, 1956 und 1960 aufmarschieren, ergreift Willi Daume, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, das Wort und prophezeit dem Publikum, daß die deutsche Reiterei keinesfalls in ihrer Existenz gefährdet sei, sondern im Gegenteil sehr stark in die Breite wachsen werde. Die 12.000 Menschen in der Westfalenhalle schließen sich nur zu gerne Daumes Einschätzung an. Bei allen hat dieser Tag den Eindruck bestärkt, daß das Pferd nicht nur bleiben muß, sondern auch bleiben wird.
, FN-Verlag 2005, Seite 164





Turniersport


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Fritz Thiedemann 1958 erneut Derby-Sieger · Copyright wie angegeben
Fritz Thiedemann 1958 erneut Derby-Sieger
Zwar nahm der Pferdebestand Anfang der sechziger Jahre immer noch dramatisch ab, andererseits aber nahm der Turniersport kontinuierlich zu, und zwar sowohl in der Breite als auch in der Tiefe. Insofern hatte Willi Daume allen Grund zu seiner Prophezeiung.

Schon nach dem Ersten Weltkrieg hatte Gustav Rau die Bewegung der ländlichen Reiterei gegründet und diese auch nach dem Zweiten Weltkrieg wieder beleben können. Reiner Klimke und Hans Günter Winkler sind zwei prominente Reiter, die über die ländlichen Reiterei zum Sport gekommen waren.

Fritz Thiedemann war in den 50er Jahren extrem populär und ein hervorragendes Beispiel für Spitzensport, der aus der bäuerlichen Basis hervorgegangen ist. Neben den Bauern, die jahrhundertelang selbstverständlich Pferde gehalten hatten und sich diese Pferde leisten konnten (Thiedemann war Landwirt und arbeitete auf dem Feld mit seinen Pferden), waren es die Reichen und Adeligen, die sich für den Pferdesport interessierten.

In der Autobiographie  ...und ritt nur zu meinem Vergnügen, kann man nachlesen, wie schwierig es noch Anfang der siebziger Jahre für einen leitenden Angestellten war, sich ein Pferd zu leisten. Mittlerweile ist die Reiterei zu einem Volkssport geworden, eine Entwicklung, die einer ganze Reihe von einst elitären Sportarten zuteil geworden ist: Tennis, Golf, diverse Motorsportarten, Segeln, Segelfliegen usw.

Diese Entwicklung war gegen Ende der 50er Jahre schon erkennbar:

Alfons Schulze Diekhoff, Geschäftsführer der HDP-Abteilung Leistungsprüfungen, bilanzierte 1959 auf der Jahrestagung des Verbandes schlagwortartig eine Vielzahl kritischer Entwicklungen und dringend nötige Veränderungen im Turniergeschehen. "Zu viel Großturniere, mehr mittlere und kleine Turniere, stärkere Heranziehung der Jugend und mehr Jugendprüfungen, kein Vernachlässigen der Prüfungen für junge Pferde, vernünftiger und zweckmäßiger Einsatz der Pferde in den Prüfungen verschiedener Klassen, besserer Aufteilung der Geldpreise für Sieger und Plazierte, ungesundes Punktejagen um die Championate, Mißverhältnis zwischen genannten und gestarteten Pferden auf den Turnieren, übertriebene Großzügigkeit in der Vergebung wertvoller Sonderehrenpreise, ungesundes Umwerben und zu starke Inanspruchnahme der Spitzenreiter, zu wenig qualifizierter Reitlehrer."
a.a.O., Seite 165

Die Klagen klingen merkwürdig modern und frisch. Die FN ist bekanntlich zur Zeit mitten in einer neuen Offensive zur Verbesserung des Unterrichts. Die Klage bezüglich der Championate fiel auf fruchtbaren Boden, denn noch im selben Jahr wurde beschlossen, die Deutschen Meisterschaften analog den internationalen Championaten auszuschreiben.



1. Deutsche Meisterschaft


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Die Ersten Deutschen Meisterschaften fanden in Berlin statt, in der Reiterarena neben dem Olympiastadion. Bei den Springreitern wurde ein Juniortitel vergeben, Deutscher Meister wird Hans Günter Winkler mit Halla vor Fritz Thiedemann mit Meteor, bei den Damen gewann Helga Köhler.

Die erste Deutsche Meisterschaft in der Dressur mußte auf Josef Neckermann verzichten, der beruflich verhindert war. Damit blieben fünf Bewerber übrig, mehr nicht.

Madeleine Winter und Coca-Cola, erste Deutsche Meisterin 1959 · Copyright wie angegeben
Madeleine Winter und Coca-Cola, erste Deutsche Meisterin 1959
Schon während der Premiere geraten Ausstrahlungsmodus und Anforderungen in die Diskussion. Die erste Qualifikation enthält weder Piaffe noch Passage, die zweite Prüfung wird als ebenso ungeeignet angesehen, da sie schwer zu richten sei. So kritisiert der Berichterstatter im Sankt Georg: "Die Passagetour müßte verlängert werden, damit die Richter die passagierenden Pferde nicht nur von hinten, sondern auch von der Seite beobachten können." Noch unbefriedigender schneidet das Finale in der Kritik ab. Die Kurzaufgabe mit Pferdewechsel - jeder der vier Finalisten reitet das Pferd seiner Konkurrenten - verzichtet auf alle schwierigen Lektionen. Letztlich setzt sich auch hier der große Routinier durch: Willi Schultheis mit Doublette rangiert klar an der Spitze vor seinen Mitstreitern Herbert Kuckluck, Harry Boldt, Karl Balschukat und Reiner Klimke.

Mit der Siegerin auf den Dressurviereck indes hatte niemand gerechnet. Sieht es nach den beiden Qualifikationen nach einem Zweikampf zwischen Lieselott Linsenhoff und Rosmarie Springer aus, wendet sich das Blatt beim Pferdewechsel des Finales. Die erst 18jährige Berlinerin Madeleine Winter kommt mit den fremden Pferden am besten zurecht und verweist die großen Damen des Dressursport auf die Plätze. Der Vorstoß ins Finale der vier Besten fällt übrigens keiner Reiterin schwer. Bei den ersten Deutschen Meisterschaften treten nur vier Damen an.
a.a.O., Seite 166

Madeleine Winter ist seit vielen Jahren eine bestimmende Person im deutschen Pferdesport. Bestimmend unter anderem durch ihre finanziellen Möglichkeiten. Ein Schlaglicht auf die Größenordnungen, in denen hier gedacht und gehandelt wird, wirft der folgende Beitrag:

Der jetzt zehnjährige braune Wallach Weinrausch wird in Zukunft von Victoria Max-Theurer (Österreich), der dreimaligen Dritten der letzten Europameisterschaften für Junioren, geritten. Gekauft hat ihn Victorias Mutter Sissi Max-Theurer, Europameisterin 1979 und ein Jahr danach bei den Boykott-Spielen in Moskau Olympiasiegerin. Sie erwarb den Hannoveraner vom deutschen Besitzer für angeblich 1,5 Millionen Euro. Auf der PSI-Auktion 1996 hatte Weinrausch - von Walt Disney - 900.000 Mark gebracht, er war zunächst von Jean Bemelmans weiter ausgebildet worden, ging danach zu Klaus-Martin Rath und von dort zurück zu PSI-Auktionator Ulli Kasselmann nach Hagen a.T.W., wo ihn Berufsreiterin Insa Hansen gut in den Sport brachte. Danach wurde er von Dieter Laugks vorgestellt, der bei der letzten deutschen Meisterschaft mit ihm Vizemeister wurde. Auf Weinrausch war auch Madeleine Winter-Schulze gestoßen, die im Herbst vor einem Jahr für die viermalige Olympiasiegerin und Weltmeisterin Isabell Werth einen passenden Beritt für die Weltreiterspiele in Jerez de la Frontera suchte. Doch der Besitzer forderte vier Millionen Mark, daraufhin lehnte Madeleine Winter-Schulze ab, "obwohl Weinrausch gut zu Isabell gepasst hätte." Vor einigen Wochen erhielt sie nochmals Post, dass der Preis jetzt erheblich zurückgefahren worden wäre, doch die Isabell-Werth-Mäzenin hatte längst das Interesse an dem Wallach verloren.
» equinet-News: Weinrausch für angeblich 1,5 Millionen nach Austri

Die Familie » Max-Theurer gehört sicherlich ebenfalls nicht zu den armen Leuten. Victoria schreibt auf ihrer Homepage:

Die Pferde sollen für mich Hobby bleiben. Beruflich habe ich andere Pläne: Nach meinem Abschluss an der Handelsakademie möchte ich im Bahnbau-Maschinenbetrieb meines Großvaters Dr. Josef Theurer gerne eine verantwortungsvolle Position übernehmen.
» Victoria Max-Theurer

Natürlich: der Wohlstand kommt nicht von ungefähr, sondern muß oder mußte einstmals erarbeitet werden. Das gilt auch für eine Madeleine Winter.



Mäzene


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Beim Weltfest das Pferdesports in Aachen Ende August diesen Jahres taucht ihr Name als Besitzer der Pferde auf, die von Ludger Beerbaum geritten werden (» CHIO Aachen 2005 - Mercedes-Benz-Prize, Nations´ Cup).

Ludger Beerbaum - German Friendships 2005 · Copyright wie angegeben
Ludger Beerbaum - German Friendships 2005
Ohne Mäzene geht im Reitsport nichts

Neue Serien, Sponsoren-Teams und Millionen-Preisgelder - der Reitsport wird immer professioneller und kommerzieller. Doch obwohl rund ums Pferd jährlich mehr als zehn Milliarden Mark umgesetzt werden, sind weiterhin fast alle Topreiter auf die Unterstützung von Mäzenen und stillen Förderern angewiesen.

"Selbst unter den Top Ten könnten vermutlich einige nicht davon leben", sagt Springreiter Ludger Beerbaum, Titelsammler und Spitzenverdiener der Branche. Drei Millionen Mark (rund 1,53 Millionen Euro) hat Beerbaum in diesem Jahr an Preisgeldern kassiert und befindet sich damit auf den ersten Blick in einer Gehaltsklasse mit Bundesliga-Fußballern. Tatsächlich landet aber nur die Hälfte des Geldes in seiner Kasse. Die andere Hälfte geht an Madeleine Winter-Schulze (Mellendorf), der Beerbaums Spitzenpferde gehören.

Winter-Schulze ist dabei eine großzügige Förderin, denn sie müsste nichts abgeben. "Anspruchsberechtigt ist nicht der Reiter, sondern der Besitzer des Pferdes", erklärt Thomas Hartwig von den Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Der viermalige Olympiasieger Beerbaum muss trotz Winter-Schulzes freundlicher Unterstützung genau kalkulieren. Von seinem halbierten Preisgeld sind monatliche Kosten von rund 100 000 Mark zu decken.

Das große Geld wird beim Reiten nicht im Sport, sondern mit dem Pferdehandel gemacht. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gab es auf Turnieren in Deutschland insgesamt 55 Millionen Mark Preisgeld zu gewinnen, doch allein bei der Auktion in Ankum ersteigerten die Bieter an einem Nachmittag Nachwuchspferde für 20 Millionen Mark.

Eine halbe Milliarde Mark wird jedes Jahr im Pferdehandel umgesetzt - mindestens. "Genaue Zahlen gibt es nicht", sagt FN- Sprecher Hartwig. Statistisch erfassen lässt sich lediglich, dass es zuletzt jährlich mehr als 30 000 Neuzulassungen bei den Turnierpferden sowie 17 000 Besitzerwechsel gab.

"Sport ist der Kraftstoff, der den Markt antreibt", sagt Hartwig. Auch Beerbaum verkauft nebenbei Pferde, macht mit seinem gesamten Betrieb in Riesenbeck insgesamt einen Umsatz von rund zehn Millionen Mark. Neben den Pferden sind bei den Hengsten die Samen Handelsware. So muss etwa Mannschafts-Olympiasieger Otto Becker (Mühlen) seine beiden Top-Pferde Lando und Cento immer wieder zum Deckeinsatz abstellen. Andererseits wird das Sperma mit jedem sportlichen Erfolg wertvoller.

"Als Reiter ist man auch Unternehmer", sagt Beerbaum, der selber ein Dutzend Angestellte hat. Nur wenige Reiter wie Mannschafts- Olympiasieger Lars Nieberg (Homberg/Ohm), der Schwede Rolf-Göran Bengtsson oder der Belgier Jos Lansink sind angestellt.

Zu einer neuen Einnahmequelle für die Topreiter haben sich in letzter Zeit die Sponsorenteams entwickelt. Unternehmen wie Aegon (Versicherungen) und Ericsson (Kommunikaton) haben den Werbewert des Pferdesports für sich entdeckt und zahlen dafür sechsstellige Fixsummen an die Vertragsreiter. Die Sponsorenteams zeigen zugleich, wie wenig professionell der Reitsport noch ist.
» Infos zu Reitsport Grosshandel Pferde finden Sie auf Kutsch-Fahrten.de.

Der Vater Eduard Winter hat ähnlich wie  Adolf Schindling, der Vater Lieselott Linsenhoffs und Großvater Ann Kathrin Linsenhoffs, sein Geschäft zweimal aufgebaut, nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg, in diesem Fall als Autohändler in Berlin (» Jahrbuch Steglitz 2000). Was das mit unserem Thema zu tun hat? Der damals noch amtierende FN-Präsident, der heutige BDI-Präsident, in seiner Festrede:

Thumanns Dank galt insbesondere auch Madeleine Winter-Schulze (Berlin), die der FN das Audi-Zentrum in Berlin-Charlottenburg als würdigen Rahmen für die 100-Jahr-Feier zur Verfügung gestellt hatte.
» 100 Jahre FN - Festakt in Berlin

So eng hängt also alles zusammen. Wenn die Pferde so teuer sind, muß man entweder selber ausreichend Vermögen besitzen oder aber Sponsoren finden (» Die Frau an seiner Stelle). In diesem Fall scheint es so zu sein, daß die Sponsorin ihre Schützlinge findet. So stelle ich mir das jedenfalls vor. Geld allein macht ja nicht glücklich, und die besten Pferde nützen nichts, wenn man nicht den passenden Reiter dazu hat. Pferde kann man kaufen, Menschen nicht (na ja, so nicht ganz richtig). Vielleicht war es doch eine bewußte Entscheidung von Klimke, selbst für seinen Unterhalt und seine Pferde zu sorgen, statt sich einem Mäzen anzuvertrauen.



Rom 1960


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Rosemarie Springer, Doublette (Schultheis) · Copyright wie angegeben
Rosemarie Springer, Doublette (Schultheis)
Die Deutschen Meisterschaften kurz vor den Olympischen Spielen in Rom dienten sicherlich auch der Sichtung. Trotz ihres großen Erfolges wurde Madeleine Winter für die Olympischen Spiele nicht nominiert.

Zwischen den Spielen von Helsinki und Rom hatte der Weltverband FEI, zum Teil auf Druck des IOC, manche Reglement-Änderung beschlossen - insbesondere zu Lasten der Dressur. So dürfen in Rom nur noch zwei Reiter pro Nation an den Start gehen, die Mannschaftswertung entfällt. Dafür sind in der Vielseitigkeit, erstmals seit 1924, wieder vier Reiter je Team zugelassen. Das Springen wird, wie schon in den Anfangsjahren der olympischen Reiterspiele, erneut in zwei getrennten Wettbewerben um die Einzel- und Mannschaftsmedaillen entschieden.
a.a.O., Seite 166

Die Quittung kam sofort. Sechs europäische Nationen verzichteten auf die Teilnahme. Damit halbierte sich die Nationen- und Teilnehmerzahl gegenüber den vorigen Olympischen Spielen. Aber nicht nur das ging gründlich schief. Wegen der skandalösen Bewertung 1956 in Helsinki wurden statt fünf nur noch drei Richter eingesetzt, deren Heimatländer gar nicht teilnahmen. Damit versuchte man, eine parteiische Wertung auszuschließen.

Außerdem blieben die Noten aus der ersten Prüfung zunächst geheim. Die zweite Prüfung wurde gefilmt und den Richtern zur Verfügung gestellt. Erst zwei Tage nach der Dressurentscheidung wurden die Noten bekanntgegeben. Allerdings ohne Begründung, und offenbar auch nicht nachvollziehbar, denn die Teilnehmer selbst rätselten. Durch einen Zufall lüftete ein Journalist das Geheimnis.

Josef Neckermann, Asbach, Bronze · Copyright wie angegeben
Josef Neckermann, Asbach, Bronze
Über den Sieger wird viel debattiert. Sergej Filatow aus der UdSSR stellt mit dem bildschönen Rappen Absent einen russischen Vollbluttyp vor, wie man ihn im europäischen Turniersport bislang nicht kannte. Absent aus der Achal-Tekkiner-Zucht zeigt zwar schöne Piaffen und Passagen, läßt jedoch Versammlungsbereitschaft und die korrekte Anlehnung vermissen. Es reicht dennoch zur Goldmedaille.

Silber erzielt der Schweizer Gustav Fischer, Josef Neckermann auf dem auf der Verdener Auktionen erstandenen Wallach Asbach v. Anilin reitet zu Bronze. Viele Beobachter hatten ihm ihn den Silbermedaillengewinner gesehen.

Die Presse lobt Neckermann: "Der elegant sitzende und fein einwirkende Reiter bot mit Asbach, ein ungemein imposantes Bild abgebend, eine olympische Reifevorstellung." Die zweite deutsche Teilnehmerin, Rosemarie Springer mit Doublette, plaziert sich an siebenter Stelle.
a.a.O., Seite 167


Über die skandalösen Verhältnisse bei der Vielseitigkeit hatte ich in der letzten Woche schon berichtet ( Stockholm 1956).

Bester deutscher Teilnehmer ist Gerhard Schulz aus Halle, der mit der Stute Wanderlilli den 14. Platz in der Einzelwertung belegt. Er vertritt als einziger Reiter dieser Spiele die DDR. Da das IOC zu diesem Zeitpunkt noch keine zwei deutschen Mannschaften akzeptiert, starrten die Athleten aus West und Ost gemeinsam. Erst ab 1968 nimmt die DDR mit einer eigenen Mannschaft an olympischen Spielen teil.

Reiner Klimke, der nicht nur zu den besten deutschen Dressurreitern zählt, sondern zugleich seine Liebe zur Military mit Passion pflegt, beendet die Prüfung am 18. Stelle. Seine beiden Mannschaftskameraden erreichen das Ziel nicht.
a.a.O., Seite 167, 168

Dafür triumphieren die Springreiter. Zwar können sie keine Einzelmedaille gewinnen, aber Hans Günter Winkler (Halla), Fritz Thiedemann (Meteor) und Alwin Schockemöhle (Ferdl) bringen das gleichmäßigste Ergebnis und gewinnen die Goldmedaille in der Mannschaft. Auch hier ist der Parcours übermäßig schwer. Kein einziger Teilnehmer absolviert ihn ohne Fehler.



Kalter Krieg


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Die Nachkriegszeit war bekanntlich von den zunehmenden Spannungen zwischen den verbündeten Partnern geprägt, was dann ja auch zur Ausbildung zweier deutscher Staaten geführt hatte. In unserer kleinen Geschichte der FN hatte die DDR bisher keine Rolle gespielt. Es war eine Geschichte des Westens. Der Osten existierte für den Westen kaum. Doch der Zwang, für die Olympischen Spiele eine gemeinsame Mannschaft bilden zu müssen, führte zu allerhand Verwicklungen. Die Sportler aus dem Osten hatten eigentlich keine Chance.

Ob es trotz der politische Spannungen doch immer wieder einmal zu gemeinsamen Veranstaltungen gekommen ist, läßt sich aus der Chronik von Susanne Hennig nicht herauslesen. Immerhin berichtet sie in einem Kasten auf Seite 170 von einem Vorkommnis, das die Atmosphäre dieser Tage gut veranschaulicht und dessen Auslöser ein Besuch östlicher Sportler auf westlichem Territorium war:

Graf Rothkirch und Domino · Copyright wie angegeben
Graf Rothkirch und Domino
Der Schlagbaum der DDR öffnet sich für Domino und Heinz Fuhrmann · Copyright wie angegeben
Der Schlagbaum der DDR öffnet sich für Domino und Heinz Fuhrmann
Wenige Tage vor der Errichtung von Mauer und Stacheldrahtzäunen besuchen Reiter aus der DDR auf Einladung von Leopold Graf Rothkirch, Vorsitzender des Kreisreiterbundes Fritzlar-Homberg, ein ländliches Turnier im Nordhessischen. Elf Pferde starrten in Dressur- und Springprüfungen, zehn kehren in die DDR zurück.

Der Fuchswallach Domino, der der 15jährigen Erfurter Reiterin Gabi Geyer gehört, muß in Hessen bleiben. Das Pferd hatte sich im Parcours eine Fesselbeinfraktur zugezogen. Graf Rothkirch läßt den Wallach in die Veterinärmedizinische Uniklinik Gießen transportieren. Acht Wochen muß die Verletzung dort unter einem Gipsverband ausheilen, ehe Rothkirch das Pferd abholen kann. Wochenlang erholt sich Domino auf den Weiden seines Anwesens Gut Römerhof.

Nach dem Mauerbau verschlechtern sich die Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten erheblich. Graf Rothkirch setzt alles daran, Domino und seine Reiterin Gabi wieder zusammenzuführen. Doch alle Versuche scheitern zunächst.

Gabi und ihre Eltern erhalten keine Erlaubnis, das Pferd im Westen abzuholen. Auch der Transport des Tieres nach Erfurt wird nicht gestattet. Das junge Mädchen ist verzweifelt. Schließlich stimmen die Offiziellen der Sowjetzone der Übergabe des Pferdes am Grenzübergang Herleshausen/Wartha zu.

Graf Rothkirch und sein Freund Heinz Fuhrmann sind mit Domino zum vereinbarten Zeitpunkt an der Zonengrenze. Es ist der 14. Dezember 1961, 12 Uhr mittags. Die Westdeutschen warten mit dem Pferd im Schnee vergebens. Die Vereinbarung wird nicht eingehalten.

Als es allen zu kalt wird, beschließt Heinz Fuhrmann entgegen aller Warnungen westlicher Grenzbeamter, das Pferd in die DDR zu bringen. Mit Domino am Führstrick betritt er das Niemandsland zwischen den Schlagbäumen und nähert sich bis auf Rufweite den Grenzposten der "Sowjetzone".

Weiter kommt er nicht. Der Grenzposten telefoniert, berät sich mit seinen Kollegen und Vorgesetzten. Fuhrmann und Domino harren bei bitterer Kälte aus. Nach knapp zwei Stunden endlich fällt die Entscheidung. Der Schlagbaum öffnet sich, Heinz Fuhrmann darf das Pferd in die DDR führen. Ein paar 100 Meter weiter hatte Gabi mit ihren Eltern warten müssen. Als das Mädchen weinend vor Domino steht, stammelt es immer wieder "Danke, danke".

Die Ausscheidungsturniere für die Olympischen Spiele in Tokio 1964 fanden jeweils in Ost- und West-Berlin statt. Je vier Dressurreiter pro Nation mit acht Pferden wurden von drei unabhängigen ausländischen Richtern gewertet, die dann die nationale Zusammensetzung des Teams bestimmen sollten. Im einzelnen durften die beiden Verbände festlegen, welche Reiter starten sollten. Das klingt alles sehr fair, hatte aber mit der Realität wenig zu tun. Die Reiter aus der DDR konnten sich mit den Westdeutschen, die zu den weltbesten gehörten, nicht messen. Ähnlich sah es im Springen aus. Bei der Vielseitigkeit wurde auf eine Ausscheidung verzichtet, jede Seite sollte zwei Reiter benennen.

Ein paar Tage vor den Turnier sagten die Ostdeutschen die Dressur-Prüfung aus "veterinärhygienischen Gründen" ab. Beim Springen kassierte der beste ostdeutsche Reiter Manfred Nietschmann für beide Prüfungen 53 Fehlerpunkte, Otto Rensch bekam fast 80, die beiden anderen schieden aus. Daher wurden die Dressur- und Springequipe rein westdeutsch besetzt. Die Reiterei war nicht die Sportart, in der die DDR glänzen konnte. Wie auch? Das nötige Kapital war sicher nicht vorhanden.



Quellen / Verweise


  1. Susanne Hennig: 100 Jahre FN, FN-Verlag 2005
  2.  ...und ritt nur zu meinem Vergnügen,Hübener, Eberhard, Mit einem Geleitwort von Dr. Reiner Klimke
  3. » equinet-News: Weinrausch für angeblich 1,5 Millionen nach Austri
  4. » Max-Theurer
  5. » Victoria Max-Theurer
  6. » CHIO Aachen 2005 - Mercedes-Benz-Prize, Nations´ Cup
  7. » Infos zu Reitsport Grosshandel Pferde finden Sie auf Kutsch-Fahrten.de.
  8.  Adolf Schindling
  9. » Jahrbuch Steglitz 2000
  10. » 100 Jahre FN - Festakt in Berlin
  11. » Die Frau an seiner Stelle
  12.  Stockholm 1956
  13.  100 Jahre FN, Jubiläum der Deutschen Reiterlichen Vereinigung
      Ausgabe 315 · Teil 1
  14.  Verbandsgründung, erste Erfolge, Männer der ersten Stunde legen den Grundstein für die Gegenwart
      Ausgabe 316 · Teil 2
  15.  Krieg und Nachkriegszeit, Gewaltige Veränderungen in jeder Hinsicht
      Ausgabe 317 · Teil 3
  16.  Das Jahr 1924, Auferstanden aus der Asche
      Ausgabe 332 · Teil 4
  17.  Kauft nur deutsche Pferde!, Pferdezucht und Pferdesport - die Erfolgskombination
      Ausgabe 334 · Teil 5
  18.  Olympische Spiele Berlin 1936, Gleichschaltung von Sport und Zucht im Dritten Reich
      Ausgabe 335 · Teil 6
  19.  Auf in den Krieg!, Wo blieben die Reiter und Züchter?
      Ausgabe 336 · Teil 7
  20.  Ehrenrettung für Gustav Rau, Über üble Nachrede und fundamentale Verunsicherung
      Ausgabe 337 · Teil 8
  21.  Das Ende der Ära Rau, Mühsamer Neuanfang und erste Triumphe
      Ausgabe 338 · Teil 9
  22.  HGW und Linsenhoff, Die 50er Jahre: größte Triumphe gefolgt von der größten Krise
      Ausgabe 339 · Teil 10



Fotos

© Copyright wie angegeben  Quelle: FN, Privatarchiv H. Munzendorf, Susanne Hennig: 100 Jahre FN, FN-Verlag 2005




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