Die Ersten Deutschen Meisterschaften fanden in Berlin statt, in der Reiterarena neben dem Olympiastadion. Bei den Springreitern wurde ein Juniortitel vergeben, Deutscher Meister wird Hans Günter Winkler mit Halla vor Fritz Thiedemann mit Meteor, bei den Damen gewann Helga Köhler.
Die erste Deutsche Meisterschaft in der Dressur mußte auf Josef Neckermann verzichten, der beruflich verhindert war. Damit blieben fünf Bewerber übrig, mehr nicht.
| |  | | Madeleine Winter und Coca-Cola, erste Deutsche Meisterin 1959 |  |  |  |
| Schon während der Premiere geraten Ausstrahlungsmodus und Anforderungen in die Diskussion. Die erste Qualifikation enthält weder Piaffe noch Passage, die zweite Prüfung wird als ebenso ungeeignet angesehen, da sie schwer zu richten sei. So kritisiert der Berichterstatter im Sankt Georg: "Die Passagetour müßte verlängert werden, damit die Richter die passagierenden Pferde nicht nur von hinten, sondern auch von der Seite beobachten können." Noch unbefriedigender schneidet das Finale in der Kritik ab. Die Kurzaufgabe mit Pferdewechsel - jeder der vier Finalisten reitet das Pferd seiner Konkurrenten - verzichtet auf alle schwierigen Lektionen. Letztlich setzt sich auch hier der große Routinier durch: Willi Schultheis mit Doublette rangiert klar an der Spitze vor seinen Mitstreitern Herbert Kuckluck, Harry Boldt, Karl Balschukat und Reiner Klimke.
Mit der Siegerin auf den Dressurviereck indes hatte niemand gerechnet. Sieht es nach den beiden Qualifikationen nach einem Zweikampf zwischen Lieselott Linsenhoff und Rosmarie Springer aus, wendet sich das Blatt beim Pferdewechsel des Finales. Die erst 18jährige Berlinerin Madeleine Winter kommt mit den fremden Pferden am besten zurecht und verweist die großen Damen des Dressursport auf die Plätze. Der Vorstoß ins Finale der vier Besten fällt übrigens keiner Reiterin schwer. Bei den ersten Deutschen Meisterschaften treten nur vier Damen an. a.a.O., Seite 166 | | |
Madeleine Winter ist seit vielen Jahren eine bestimmende Person im deutschen Pferdesport. Bestimmend unter anderem durch ihre finanziellen Möglichkeiten. Ein Schlaglicht auf die Größenordnungen, in denen hier gedacht und gehandelt wird, wirft der folgende Beitrag:
| Der jetzt zehnjährige braune Wallach Weinrausch wird in Zukunft von Victoria Max-Theurer (Österreich), der dreimaligen Dritten der letzten Europameisterschaften für Junioren, geritten. Gekauft hat ihn Victorias Mutter Sissi Max-Theurer, Europameisterin 1979 und ein Jahr danach bei den Boykott-Spielen in Moskau Olympiasiegerin. Sie erwarb den Hannoveraner vom deutschen Besitzer für angeblich 1,5 Millionen Euro. Auf der PSI-Auktion 1996 hatte Weinrausch - von Walt Disney - 900.000 Mark gebracht, er war zunächst von Jean Bemelmans weiter ausgebildet worden, ging danach zu Klaus-Martin Rath und von dort zurück zu PSI-Auktionator Ulli Kasselmann nach Hagen a.T.W., wo ihn Berufsreiterin Insa Hansen gut in den Sport brachte. Danach wurde er von Dieter Laugks vorgestellt, der bei der letzten deutschen Meisterschaft mit ihm Vizemeister wurde. Auf Weinrausch war auch Madeleine Winter-Schulze gestoßen, die im Herbst vor einem Jahr für die viermalige Olympiasiegerin und Weltmeisterin Isabell Werth einen passenden Beritt für die Weltreiterspiele in Jerez de la Frontera suchte. Doch der Besitzer forderte vier Millionen Mark, daraufhin lehnte Madeleine Winter-Schulze ab, "obwohl Weinrausch gut zu Isabell gepasst hätte." Vor einigen Wochen erhielt sie nochmals Post, dass der Preis jetzt erheblich zurückgefahren worden wäre, doch die Isabell-Werth-Mäzenin hatte längst das Interesse an dem Wallach verloren. » equinet-News: Weinrausch für angeblich 1,5 Millionen nach Austri | | |
Die Familie » Max-Theurer gehört sicherlich ebenfalls nicht zu den armen Leuten. Victoria schreibt auf ihrer Homepage:
| Die Pferde sollen für mich Hobby bleiben. Beruflich habe ich andere Pläne: Nach meinem Abschluss an der Handelsakademie möchte ich im Bahnbau-Maschinenbetrieb meines Großvaters Dr. Josef Theurer gerne eine verantwortungsvolle Position übernehmen. » Victoria Max-Theurer | | |
Natürlich: der Wohlstand kommt nicht von ungefähr, sondern muß oder mußte einstmals erarbeitet werden. Das gilt auch für eine Madeleine Winter.
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