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Bericht Zum Thema  Jubiläum · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 335.05 der Pferdezeitung vom 28.08.05
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Heinz Pollay / Kronos, Olympiade 1936
 Goldmedaille Einzel- & Mannschaft · Copyright wie angegeben
Heinz Pollay / Kronos, Olympiade 1936
Goldmedaille Einzel- & Mannschaft 

    Olympische Spiele Berlin 1936   
    Gleichschaltung von Sport und Zucht im Dritten Reich   
von Copyright wie angegeben  Werner Popken

Teil 1:  100 Jahre FN
Teil 2:  Verbandsgründung, erste Erfolge
Teil 3:  Krieg und Nachkriegszeit
Teil 4:  Das Jahr 1924
Teil 5:  Kauft nur deutsche Pferde!


Zum Thema Jubiläum


Die letzte Ausgabe habe ich mit den Triumphen deutscher Reiter bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam und der Aussicht, deutsche Pferde im Ausland besser vermarkten zu können, beschlossen ( Pferdezucht).

» Carl-Friedrich Freiherr von Langen hatte sich in den zwanziger Jahren als überragender Reiter entwickelt. Nach Publikation der Ausgabe habe ich noch etwas sorgfältiger recherchiert und einiges herausgefunden. So z. B. einen Beitrag, der sich in Original nicht mehr findet, sondern nur noch im Cache von Google:

In einem der hochklassigsten Dressur-Wettbewerbe der olympischen Geschichte verwies von Langen-Parow mit seinem Pferd "Draufgänger" mit 237,42 Punkten den Franzosen Charles Marion auf "Linon" (231,0 Punkte) und den Schweden Ragnar Olson auf "Günstling" (229,78 Punkte) auf die Ehrenplätze. Die Prüfungszeit betrug damals zum ersten Mal 13 Minuten und das Dressur-Viereck erhielt seine bis heute unveränderten Maße von 20x60 Metern. Aber auch weiterhin - wie bei den olympischen Entscheidungen zuvor - mußte der Galoppteil 2 Meter von der Einfassung entfernt geritten werden, wobei die Ecken der Bahn für den inneren Hufschlag gekennzeichnet waren.

Von Langen-Parow beherrschte die zweitägigen Dressur-Entscheidung (am 10.08.1928 und 11.08.1928) - deutlicher als alle seine Vorgänger seit 1912 ! [...] Seine weiteren dressursportlichen Ambitionen wurden jäh am 15.Juli 1934 gestoppt. Bei einem Military-Wettkampf in Döberitz verunglückte von Langen-Parow schwer. Wenige Tage später - am 3.August 1934 - erlag der herausragende Dressur-Reiter seinen Verletzungen.
» Vor 75 Jahren gab es erstes Olympiagold für das heutige Mecklenburg-Vorpommern !

Nun wissen wir also auch, wie er geendet hat. Dieser Unfall muß als tragisch bezeichnet werden; ein erfahrener Reiter kommt bei der Ausübung seiner Sportart ums Leben. Die näheren Umstände möchte man gern erfahren. Es war wohl kein Zufall, daß sich der Unfall in Döberitz ereignete. Über die Military-Strecke in Döberitz werden wir später noch hören.

Merkwürdig fand ich, daß auch dieser Autor Probleme mit der Quellenlage hatte, denn er behauptet, daß die in der letzten Ausgabe bereits erwähnte Verfilmung "Reitet für Deutschland" der Biographie v. Langens von » Clemens Laar ein Propagandafilm der Nazis gewesen sei und der Held sogar selbst die Hauptrolle gespielt habe.

Das ist anscheinend nicht korrekt, es sei denn, es gäbe zwei Filme mit diesem Titel. Denn es gelang mir, weitere Einzelheiten über den Film herauszufinden. Er ist erst sieben Jahre nach dem Tod v. Langens gedreht worden (26.08.1940 bis Anfang Februar 1941) mit Herzensbrecher Willy Birgel in der Hauptrolle (» ...reitet für Deutschland). Die Nachfrage beim Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern in dieser Sache blieb bisher ohne Antwort.




Jubiläum


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Das Gründungsjahr der FN, mit deren Geschichte wir uns in dieser Reihe beschäftigen, ist 1905. 1930 konnte man also ein silbernes Jubiläum feiern. Der "Reichsverband für Zucht und Prüfung deutschen Warmbluts", wie sich der Verein inzwischen nannte, erklärte dieses Jahr zum "Jahr des Pferdes". Damals wurde die Aufteilung des Reitabzeichen ist in drei Klassen erstmals eingeführt: Bronze, Silber, Gold.

Wie heute noch, werden die ersten beiden Leistungsklassen durch Prüfungen erworben, während das goldene Reitabzeichen verliehen wird. Im Jahre 1930 bestehen knapp 2000 Kandidaten die Prüfung zur Grundklasse, 270 erwerben das silberne Reitabzeichen, 8 mal wird das goldene verliehen (Susanne Hennig: 100 Jahre FN).

Im "Jahr des Pferdes" soll sich, so wünscht sich der Reichsverband, Reiten zum Volkssport entwickeln. Erreichen will man dies mit preiswerten Reitkursen für alle Schichten der Bevölkerung an den Tattersalls der Städte, mit der Gründung neuer Reitervereine in den Zentren wie auf dem Lande sowie mit Reitunterricht an den höheren Schulen. Den Absatz der deutschen Pferde sollen Verkaufsmärkte in den Zuchtgebieten, teils am Rande der Turniere veranstaltet, die große Verkaufschau in Aachen mit rund 500 deutschen Pferden sowie umfangreiches Werbematerial in Form von Prospekten und Broschüren fördern.
a. a. O., Seite 74

Auch das mutet merkwürdig modern an. Genau da sind wir wieder angekommen. Die FN hat im Jahr des hundertjährigen Jubiläums den Breitensport entdeckt und gerade ein riesiges Turnier veranstaltet ( 100 Jahre FN / Breitensport). Nur die Tattersalls sind verschwunden, dafür haben wir jetzt jede Menge Pferdeflüsterer. Selbst die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gleichen sich, aber Gott sei Dank gibt es gewaltige Unterschiede in den politischen Verhältnissen.

Trotz der schlechten ökonomischen Situation gestaltet sich das Jubiläumsturnier in der Berliner Messehalle am Kaiserdamm zu einem "gigantischen Erfolg". Damals wie heute arbeitet man mit "wertvollen Preisen" sowie "staatlichen Preisgeldern", die die besten deutschen Reiter sowie zahlreiche ausländische Equipen nach Berlin "locken".

Die Italiener hatten mit der neuen Reitmethode des Rittmeisters » Federico Caprilli über Jahrzehnte hinweg die Springplätze dominiert. Freiherr v. Langen war es gelungen, in Rom die Italiener zu schlagen. Im Jubiläumsjahr traten sie zum Nationenpreis "Coppa d'Oro Mussolini" allerdings gar nicht erst an.

Teilnehmer Graf Görtz schreibt in seinem Bericht über das 9tägige Turnier: "Die Hindernisse sind die schwersten, die ich in zwanzigjähriger Praxis bislang erlebt habe. Dabei sind 90 Prozent fest und nur bei schweren Fehlern der Pferde fallend. (...) Bei manchen Hindernissen hielten wie es nicht für möglich, daß ein Pferd überhaupt drüber kommen könnte. So bei den Grabenkombinationen, wenn der Graben 4,75 Meter breit und die Tripplebare darüber 1,50 Meter hoch und 2,25 Meter breit war. Und das Erstaunlichste von allem war, daß eigentlich die meisten Pferde gut herüberkamen. (...) Eine Unmenge Stürze, an einzelnen Tagen bis zu 24, sind bei so schweren Hindernissen kein Wunder, aber sie verliefen alle harmlos."

Die Tage in Rom werden zu einem weiteren Triumph der italienischen Reiter, die fast alle Hauptspringen mit Weile gewinnen. Die drei Deutschen Hanns Koerfer, Graf Wilhelm Hohenau und Graf Rudolf Görtz gehen leer aus. In keinem einzigen Springen sehen sie Chancen, die forsch reitenden italienischen Offiziere auf ihren springgewaltigen, schnellen Vollblütern zu schlagen. In der sicheren Erkenntnis, daß sie auch in der allerschwierigste Prüfung, dem Nationenpreis "Coppa d'Oro Mussolini" scheitern, verzichten sie auf einen Start.
a. a. O., Seite 74




Aachen


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Italiens Regierungschef Mussolini überreicht dem deutschen Equipechef Freiherr v. Waldenfels den "Coppa d
Italiens Regierungschef Mussolini überreicht dem deutschen Equipechef Freiherr v. Waldenfels den "Coppa d'Oro Mussolini"
In dieser Woche fand das CHIO in Aachen statt, das der ehemalige Vorsitzende der FN und jetzige BDI-Präsident Jürgen Thumann als » Plattform für Politik und Wirtschaft bezeichnet hat, weil die Spitzen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sich am Rande des Turniers treffen und vermutlich jede Menge Weichen stellen. In diesem Jahr hat Thumann die wichtigsten Spitzenmanager mit der Kanzlerkandidatin der CDU zusammengebracht.

Die deutschen Reiter haben heuer in Aachen keine gute Figur gemacht (» CHIO Aachen 2005: Der Freitag, » Wanderpreis der Bundesrepublik Deutschland, » The Grand Prix of Aachen). Macht nichts, mal gewinnen wir, mal verlieren wir.

Beim großen Turnier in Aachen 1930 dominierten die Italiener ebenfalls; sowohl der Nationenpreis als auch der Große Preis gingen an Italien. Dafür entwickelte sich dieses Turnier zur bis dahin bedeutendsten Veranstaltung in Deutschland. Über 20.000 Menschen nahmen teil; die Kassenhäuschen mußten zeitweilig wegen zu großen Andrangs geschlossen werden.

Die Stimmung wurde durch die Freude über das Ende der Besetzung des Rheinlands noch angeheizt (» Ruhrbesetzung). Erstmals durften Offiziere der Reichswehr an den Start gehen, Reiter aus 14 Nationen nahmen teil, eine internationale Beteiligung, die bis dahin nur bei den Olympischen Spielen in Amsterdam 1928 verzeichnet wurde.

Anschließend gingen die deutschen Reiter auf Tournee nach Nordamerika und feierten in New York, Borsten und Toronto Triumphe. Freilich ohne Konkurrenz durch die Italiener, die sich die Reise über den Atlantik nicht leisteten.

Im Jahr 1931 wendete sich das Blatt. Sieben Deutsche reisten nach Italien. Gleich das erste Springen des Tages gewann der Deutsche Hasse gegen 140 Konkurrenten, zwei seiner Kollegen blieben ebenfalls fehlerlos.

Dieser deutsche Erfolg, der beim italienischen Publikum und den Konkurrenten im Parcours zugleich Überraschung und Bestürzung auslöst, ist erst der Anfang einer Reihe kaum erhoffter und für möglich gehaltener Triumphe.

Barnekow siegt mit General in einem weiteren Springen, in fast allen anderen Prüfungen finden sich die deutschen Reiter auf vorderen Plätzen wieder. Höhepunkt der Rom-Reise ist der Gewinn des Nationenpreises "Coppa d'Oro Mussolini". [Equipechef v.] Waldenfels setzt mit Wotan unter Richard Sahla und Derby unter Ernst Hasse die beiden routiniertesten und besten Pferde ein. Mut beweist der Equipechef, die junge und noch recht unerfahrene Stute Tora mit ihrem Reiter Momm als drittes Pferd ins deutsche Team aufzunehmen. Tora zeichnet sich zwar durch enormes Springvermögen aus, ist jedoch noch nicht so regulierbar, wie es in einem solchen Springen erforderlich ist. Die Stute bestätigt das in Sie gesetzte Vertrauen und leistet sich in den beiden Umläufen jeweils nur vier Fehler und einen Dreiviertel-Zeitfehler. Da Wotan und Derby zwei Nullrunden gelingen, rangiert die deutsche Mannschaft mit 8,25 Fehlerpunkten souverän an der Spitze. Die Erfolgs gewohnten Italiener müssen sich bei 15 Fehlern mit dem zweiten Platz beschreiben. An dritter Stelle folgen die Belgier (26 Fehler), alle weiteren Teams scheiden aus.
a. a. O., Seite

Dieser "Goldpokal Mussolinis" ist ein Wanderpreis. Die Nation, die ihn drei Mal in Folge gewinnt oder viermal insgesamt, darf ihn behalten. 1926 war Italien Sieger, 1927 und 1928 Frankreich. 1929 und 1930 siegten wieder die Italiener. Hätten die Italiener gewonnen, wäre der Pokal für immer in Italien geblieben. So wird das Entsetzen der Italiener noch verständlicher. In Aachen zeigen die Italiener den Deutschen aber wieder einmal, wer besser springen kann.

Gustav Rau ließ sich durch den überraschenden Erfolg der deutschen Mannschaft zu Schwärmereien über Mussolini hinreißen, die uns Heutigen seltsam naiv vorkommen müssen. Ähnlich unsensibel und unkritisch sollte er sich später Hitler gegenüber verhalten.

1932 galten die Deutschen in Italien wegen des Vorjahressieges natürlich als Favoriten. Sie siegten erneut. Die Italiener hatten zwar den Parcours verschärft, aber der Schuß ging nach hinten los. Das deutsche Team handelte sich 14,5 Fehlerpunkte ein, Frankreich 20, Italien 24. Pech aber auch.

Die Olympischen Spiele 1932 fanden in Los Angeles statt. Wegen der Weltwirtschaftskrise konnten die meisten Nationen die Kosten des Transport über den Atlantik und quer durch den amerikanischen Kontinent nicht tragen. Außer den Amerikanern nahmen nur noch Mexiko, Frankreich, Holland, Schweden und Japan teil.



Gleichschaltung


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Am 30. Januar, während des großen, internationalen Winterturniers des Reichsverbandes für Zucht und Prüfung deutschen Warmbluts vom 27. Januar bis 5. Februar 1933 in den Berliner Messehallen, ernannte Reichspräsident Generalfeldmarschall Paul v. Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.

Bekanntlich ging es danach Schlag auf Schlag. In kürzester Zeit konnten die Nationalsozialisten die Gesellschaft umkrempeln. Auch die sportlichen Organisationen wurden zerschlagen und von eigenen Strukturen absorbiert.

Beim Pferdesport gestaltete sich die Übernahme etwas schwieriger, weil der Sport unlösbar mit der Zucht verbunden war. Außerdem hatte der Pferdesport eine besondere Aktivität zum Militär. Deshalb löste der neue Innenminister Herrmann Göring den Pferdesport aus dem Landwirtschaftsministerium heraus und verleibte ihn seinem Ministerium ein. Nach einem halben Jahr wurde das allerdings schon wieder rückgängig gemacht.

Die Einzelheiten sind interessant und zeigen, wie die Übernahme unbeirrt und gezielt, aber leicht verschleiert durchgeführt wurde. Außerdem wird deutlich, daß die Herrschaftsmethode die der Schaffung eines Chaos war, wo sich jeder gegen jeden absichern und zur Wehr setzen mußte. Allerdings: Wer sich täuschen lassen wollte, konnte so tun, als sei alles in bester Ordnung. Diese Haltung scheint die übliche gewesen zu sein.

Besonders auffällig ist der von Anfang an ausgeprägte Personenkult. Der ganze Vorgang wäre natürlich völlig undenkbar, wenn "das Volk" nicht mitgespielt hätte. Unter anderem die Zermürbung durch die vielen Krisen hatten aber den Boden dafür bereitet. Die Sehnsucht nach einem Erlöser war übermäßig groß.

Selbstverständlich äußerte sich diese Stimmung auch unter Reitern und Züchtern:

  • Der Tilsiter Rennverein bittet zur Eröffnung der ostpreußischen Rennsaison Anfang März - also sogar noch vor dem Ermächtigungsgesetz, das zur Diktatur der NSDAP führt - um einen Ehrenpreis für den Sieger im "Adolf-Hitler-Jagdrennen". Die sonst so sparsame Reichskanzlei bewilligt ausnahmsweise 500 RM.
  • Die Reiter aus dem westfälischen Halver hoffen auf einen Erinnerungspreis Hitlers und versichern Anfang April, daß sie "nicht eher ruhen, bis auch der letzte Bauer treu zu seinem Pferde, seiner Scholle und zu unserem geliebten Vaterland steht".
  • Der Hannoversche Rennverein plant ebenfalls Anfang April ein Rennen um den "Preis des Reichskanzlers" und verbindet seinen Antrag mit dem Bekenntnis zu der "gewaltigen nationalen Bewegung".
  • Zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1933 schenken Reiter aus dem Kreis Verden-Aller dem Reichskanzler den vierjährigen Hannoveraner Wallach Armin v. Armring-Honorat. Es wird im St. Georg berichtet, daß Hitler das Pferd "eingehend besichtigt" habe unter "den Reitern, die es aus Verden brachten, seine Freude und seinen Dank ausgesprochen" habe.
a. a. O., Seite 80

Die Reitervereine werden ausgehöhlt. Die ambitionierten Reiter treten in die Sa-Reiterstürme ein, die Vereine haben lediglich die Aufgabe, diese materiell und ideell zu unterstützen.



Coppa d'Oro Mussolini


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1933 holten die deutschen Reiter zum dritten Mal in Folge den Goldpokal Mussolinis als Sieg für den schwierigsten Nationenpreis der Welt, woraufhin dieser nun endgültig nach Deutschland ging. Neun Offiziere reisten mit 20 Pferden nach Rom, begleitet von Irmgard v. Opel und Baronin v. Oppenheim. 180 der besten Pferde Europas traten im Park der Villa Borghese an. Baronin v. Oppenheim gewann mit der Trakehnerstute Provinz das Amazonenspringen.

Im Nationenpreis "Coppa d'Oro Mussolini" sieht es zunächst keineswegs nach einem deutschen Sieger aus. Oberleutnant Momm als erster deutscher Starter im ersten Umlauf überwindet mit Baccarat die schweren Hindernisse bis zum dritten letzten Sprung geradezu vorbildlich. Doch dann gelangen Reiter und Pferd so unglücklich an die Kombination, daß Baccarat verweigert und beinahe zu Boden geht. Momm wird aus dem Sattel geschleudert, Rest im Fall den zweiten Teil des Hindernisses um und bleibt einen Augenblick bewußtlos liegen. Baccarat rennt davon und überwindet ohne Reiter im Sattel die letzten Hindernisse. Dem damaligen internationalen Reglement entsprechend scheidet Momm allerdings nicht aus. Er bekommt die größte Fehlerzahl, die im ersten Umlauf erzielt wird, und zuzüglich 20 Strafpunkte.

Rau schreibt in seinem Turnierbericht: "Momm, der durch den Sturz halb bewußtlos war, brach drei Rippen und mußte sich eine Stunde hin legen, da er eine schwere Stange des Hindernisses mit aller Wucht auf den Leib bekommen hatte." Die Verletzung hindert Momm jedoch nicht daran, auch im zweiten Umlauf zu starten. Auf Baccarat, der den Zwischenfall offenbar auch gut verkraftet hat, gelingt ihm ein hervorragende Ritt mit nur vier Fehlern.

Auch das erneute Bemühen der Italiener, es den deutschen Gästen unmöglich zu machen, ging Goldpokal endgültig zu gewinnen, ist nicht von Erfolg gekrönt. Wiederum über Nacht bauen sie einige zusätzliche Klippen in den Parcours ein, wie fast unsichtbare braune Ricks vor den Sprüngen oder Oxer, bei denen die beiden oberen Stangen genau auf derselben Höhe liegen, so daß die Pferde nur eine Stange sehen können und zu Fehlern verleitet werden. Alle Schikanen führen zwar tatsächlich zu zahlreichen Fehlern im gesamten Teilnehmerfeld, kaum aber bei den deutschen Reitern. Wotan unter Oberleutnant Sahla überwindet die Hindernisse in beiden Umläufen sogar fehlerfrei und gewinnt überlegen die Einzelwertung. Leutnant Brandt auf Tora und Oberleutnant v. Nagel auf Olaf plazieren sich mit jeweils nur vier Fehlern an zweiter und dritter Stelle der Einzelwertung, so daß der Ritt Momms als Streichergebnis aus der Wertung fällt. [...] In der Summe also mit nur acht Fehlern belastet, gewinnt das deutsche Team weit überlegen die "Coppa d'Oro Mussolini". An zweiter Stelle rangieren die italienischen Gastgeber mit 35 Fehlern vor Spanien (40), Polen (40,5), Belgien (48), Portugal (51) und Irland (68,5). Die Franzosen scheiden aus. [...]

Wie sehr sich die deutschen Reiter um die Gunst des Regimes bemühen, wird an folgende Geste deutlich: Oberleutnant Hermann Freiherr v. Nagel will sein von ihm ausgebildet es und von Richard Sahla in der "Coppa d'Oro" geritten das Pferd Wotan dem Reichskanzler Adolf Hitler schenken!

Am 26. Mai 1933 schreibt v. Nagel folgenden Brief:

"Nachdem mein Pferd Wotan durch seine Erfolge in sieben verschiedenen Ländern das Ansehen und den Ruf der deutschen Pferdezucht verbreitet hat und nach seinem dreimaligen Siege in der Coppy d'Oro Mussolini in Rom von der öffentlichen Meinung zum Pferd der Nation erklärt wurde, kann Wotan nur einem gehören: Ihnen Herr Reichskanzler! Nehmen Sie das Pferd entgegen als einen Beweis der Verehrung und der Treue von Deutschlands Pferdezüchtern und Reitern. Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung habe ich die Ehre zu sein,

Euer Hochwohlgeboren ergebenster
Hermann Freiherr von Nagel"


Bereits einen Tag später antwortet Hitler telegraphisch. Beim Reichsverbandsturnier in Berlin anläßlich der DLG-Ausstellung verließ Gustav Rau vor mehreren 1000 Zuschauern das Schreiben des "Führers".

"Ihren Brief mit der Mitteilung über das mir zugedachte kostbare Geschenk habe ich erhalten. So innerlich glücklich mich Ihr großherziger Entschluß macht, so schwer betrübt mich aber doch die Erkenntnis des Wertes dieses einzigartige Pferdes und seiner nationalen deutschen Aufgabe. Aus diesem inneren Gewissenskonflikt heraus bitte ich daher herzlichst, von dieser Zuwendung doch absehen zu wollen, denn es ist selbstverständlich, daß ich über die Zukunft des Wotan keine eigene Entscheidung treffen könnte und würde, sondern immer um Ihre Meinung bitten müßte. Ich bin glücklich, aus Ihrem großherziger Schreiben den Beweis seiner Sympathie ersehen zu können, ziemlich tief bewegt. Dafür möchte ich Ihnen nochmals von ganzem Herzen danken.

Im übrigen bin ich ja ohnehin Mitbesitzer dieses Pferdes, denn es ist ja ganz gleich, wem es gehört, ein herrliches Eigentum und damit ein Stolz der deutschen Nation.

Adolf Hitler"

a. a. O., Seite 83/84



Gefährlicher Sport


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Freiherr v. Langen (in SA-Uniform) auf Irene in der Querfeldeinstrecke von Döberitz. Wenige Minuten später stürzt er. Nach zwei Wochen erliegt er seinen schweren Verletzungen. · Copyright wie angegeben
Freiherr v. Langen (in SA-Uniform) auf Irene in der Querfeldeinstrecke von Döberitz. Wenige Minuten später stürzt er. Nach zwei Wochen erliegt er seinen schweren Verletzungen.
Der Triumph in Italien 1933 war der Anfang. Der Triumph bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936 war der Gipfel. In allen drei reiterlichen Disziplinen holte die deutsche Mannschaft Gold in der Einzel- und Mannschaftswertung. So etwas hat die Welt seither nie wieder gesehen.

Üblich ist hingegen, daß morgen gewinnen kann, wer heute verliert, und umgekehrt. Auch am heutigen Sonntag fanden sich Favoriten und Spitzensportler weit abgeschlagen, zum Beispiel Doppel-Europameister Marco Kutscher (Platz 24 von 36) oder Alois Pollmann-Schweckhorst (32) und Marcus Ehning (33) (» The Grand Prix of Aachen).

Die Bedingungen haben sich aber inzwischen geändert. Denn die Tendenz, die Anfang der dreißiger Jahre bei den Turnieren der Italiener sichtbar wurde, setzte sich fort und forderte schließlich ihre Opfer.

Denn in Italien ging es ja noch relativ glimpflich ab. Zwar wurden die Hindernisse immer höher und gemeiner, daß den Reitern angst und bange wurde, aber noch war niemand zu Tode gekommen. Die Verschärfung der Wettbewerbsbedingungen forderte schließlich 1934 mit dem Helden der Olympischen Spiele von Amsterdam 1928 sein erstes Todesopfer.

Denn Freiherr v. Langen stürzte nicht von ungefähr. Die Hindernisbauer hatten offenbar den Ehrgeiz, die Latte immer höher zu legen, und begriffen nicht, daß sie sich auf einem Irrweg befanden; sie gingen auf menschen- und pferdeverachtende Weise buchstäblich über Leichen.

Freiherr v. Langen tödlich verunglückt

Wenige Stunden nach dem Tod des Reichspräsident v. Hindenburg verliert der Pferdesport seinen prominentesten Vertreter: Freiherr v. Langen stürzte am 15. Juli 1934 mit seinem Pferd Irene bei der internationalen vorolympischen Vielseitigkeitsprüfung in Döberitz. Die Prüfung verläuft insgesamt katastrophal: Von den 23 durchaus routinierten und erfolgreichen Reitern aus dem In-und Ausland bleiben auf der Geländestrecken nur zwei in der Wertung. Die allermeisten stürzen, scheiden aus oder geben nach zu vielen Fehlern auf.

Auch Freiherr v. Langens Stute Irene schafft es nicht, ein mächtiges Doppelrick zu überwinden, v. Langen fällt zu Boden, die Stute auf ihn. Der große Reiter, Deutschlands erster Olympiasieger, zieht sich einen Beckenbruch und mehrere lebensgefährliche innere Verletzungen zu. Eine Operation und intensivste medizinische Betreuung können sein Leben noch gut zwei Wochen verlängern. In der Nacht auf den 3. August stirbt v. Langen jedoch an heftigen inneren Blutungen. Der Gutsbesitzer aus Parow, wie viele Reiter und Züchter von eigentlich unpolitischer Gesinnung, hatte sich mit den Nationalsozialisten arrangiert. Die Eingliederung der ländlichen Reitervereine in die SA unterstützte er energisch, bekleidete den Rang eines SA-Obersturmbannführers und wurde Chefreiterführer in der Obersten Behörde für Leistungsprüfungen.
a. a. O., Seite 90

Wenige Monate später wird der nächste Reiter zu Grabe getragen:

Im Januar 1935, während des großen Berliner Winterturniers, endet die große Karriere des Axel Holst: Der aus Schweden stammende Leiter des zivilen Springstalls Georgen von Vicky Glahn stirbt infolge eines Sturzes beim Jagdspringen. Sein erst wenige Wochen zuvor erworbenes Springpferd Troll prallt vor eine Mauer, fällt und begräbt Holst unter sich. Die Ärzte stellen im Krankenhaus als Todesursache Genick- und doppelten Schädelbruch fest.
a. a. O., Seite 91




Sechsmal Gold


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Die Olympischen Spiele wurden bekanntlich von den Nationalsozialisten als großes Propagandaspektakel zelebriert. Wegen der judenfeindlichen Politik war die Durchführung immer wieder einmal gefährdet. Selbstverständlich wollte man bei diesen olympischen Spielen auftrumpfen. Der Druck auf die Sportler muß sehr groß gewesen sein. Aber noch größer waren die Anforderungen. Man hatte aus den Vorbereitungen nichts gelernt.

Die Dressur ist relativ unproblematisch. Heinz Pollay siegt mit 15 Punkten Vorsprung; in der Mannschaftswertung führt Deutschland 228 Punkte vor Frankreich. Problematisch wird es bei der Military. Das ist kein Krimi, das ist eine Horror-Story.

Hauptmann Stubbendorff auf Nurmi über dem "Faschinengraben" in Döberitz (im Vordergrund der ausgeschiedene Italiener Feruzzi) · Copyright wie angegeben
Hauptmann Stubbendorff auf Nurmi über dem "Faschinengraben" in Döberitz (im Vordergrund der ausgeschiedene Italiener Feruzzi)
Konrad v. Wangenheim und Kurfürst stürzen beim Einsprung in den großen Teich. Das Pferd läßt sich minutenlang nicht wieder einfangen. · Copyright wie angegeben
Konrad v. Wangenheim und Kurfürst stürzen beim Einsprung in den großen Teich. Das Pferd läßt sich minutenlang nicht wieder einfangen.
2 Goldmedaillen (Springen): Kurt Hasse & Tora · Copyright wie angegeben
2 Goldmedaillen (Springen): Kurt Hasse & Tora
Die stattliche Anzahl von 19 teilnehmenden Nationen mit insgesamt 50 Reitern weist die Vielseitigkeit auf. 14 Länder schicken sogar komplette Mannschaften nach Berlin. Nach der Geländeprüfung auf der Militarystrecke von Döberitz ist das Feld auf 30 Pferde geschrumpft. Nur vier Mannschaften bleiben in der Wertung: Deutschland, Polen, Großbritannien und Tschechoslowakei. Die Ungarn und Dänen haben besonderes Pech: Mit je zwei Pferden rangieren sie nach dem Gelände unter den besten zehn Reitern, und bei beiden Nationen machen ein Beinbruch beziehungsweise dreimaliges Verweigern und Ausschluß des dritten Mannschaftspferdes die Teamwertung zunichte. Andere Nationen finden gar nicht zu ihrer Leistung. Die Italiener beispielsweise bringen keines ihrer Paare ins Ziel.

Die deutschen Farben vertreten Ludwig Stubbendorff mit dem elfjährigen Ostpreußen Nurmi v. Merkur, Konrad Freiherr v. Wangenheim mit dem achtjährigen Vollblüter Kurfürst xx v. St. Eloi und Rudolf Lippert mit dem 14jährigen Ostpreußen Fasan von Burkhardt. Stubbendorff und Nurmi gewinnen die Dressurprüfung, Lippert plaziert sich an zehnter Stelle. Da es kein Streichergebnis gibt, rutscht das deutsche Team durch die schlechte Leistung v. Wangenheims in der Zwischenwertung weit nach hinten. Der Oberleutnant, als 26jähriger der Jüngste der Military-Prüfung, erwischt einen schwarzen Tag, sein Pferd Kurfürst ist unkonzentriert, widersetzlich und zeigt keinen Schritt: Platz 46. Aber es soll noch schlimmer kommen.

Der von August Andreae gestaltete Geländekurs mit 35 Hindernissen fordert den Aktiven alles ab. Der inzwischen 69jährige Andreae, einst Begründer des Kartells für Reit- und Fahrsport, hatte die schlimmsten Klippen gleich zu Beginn der Strecke eingebaut, um schnell die schwächeren Pferde und Reiter auszusortieren. Sein Plan geht auf, wenngleich sicher nicht im Interesse der Reiter. Am 4. Hindernis - einem Teich mit vorangestellten Koppelrick - sind extrem viele Opfer zu beklagen. 29 Pferde stürzen bei der Landung ins Wasser, überschlagen sich zum Teil und verlieren ihren Reiter. Dieses Schicksal ereilt auch v. Wangenheim, dessen Kurfürst sich, heftig im Wasser strampelt, 5 Minuten lang nicht wieder einfangen lassen will. Dieser Zwischenfall kostet den Reiter viele Zeitstrafpunkte. Kurfürst hatte sich schon zuvor auf der Rennbahn arg ungestüm gebärdet und war auf den ersten Metern der Geländestrecke kaum zu bändigen. Nach dem Sturz setzt der Vollblüter die Prüfung in unbeirrt hoher Geschwindigkeit fort. Ein Hindernis 18, zur Halbzeit der Geländeprüfung, kann v. Wangenheim nicht verhindern, das Kurfürst einen kapitalen Baumstamm streift, wobei sich der geplagte Reiter auch noch eine erhebliche, schmerzhafte Schulterverletzung zuzieht. Wider Erwarten erreicht das Paar das Ziel. [...]

Derartige Unfälle und Mißgeschicke können v. Wangenheims Mannschaftskameraden Lippert und Stubbendorff vermeiden. Stubbendorff und Nurmi passieren die Geländestrecke in 15 Minuten und 11 Sekunden als Schnellste.

Die Pechsträhne v. Wangenheims reißt auch im anschließenden Parcoursspringen nicht ab. Die Ärzte hatten einen Schlüsselbeinbruch an der linken Schulter und mehrere Zerrungen diagnostiziert und den linken Arm am Körper fixiert. Um den ungestümen Kurfürst überhaupt halten zu können, reitet v. Wangenheim ihn mit scharfer Zäumung. Der Ritt vor rund 100.000 Zuschauern im Olympiastadion beginnt verheißungsvoll, zumindest bis zum Aussprung der zweifachen Kombination. Hier kann der Reiter das Pferd nicht mehr regulieren, so daß, wie es in Gustav Raus Turnierbericht heißt, "sich Herr von Wangenheim nur noch durch einen heftigen Insterburger, verbunden mit einem gewaltsamen Herumsreißen des Pferdes nach links, helfen konnte. Kurfürst gehorchte, bäumte sich aber hoch auf, schlug gegen den Fang, brach in der Hinterhand zusammen und fiel hin. Der Wallach blieb, wohl betäubt, zunächst eine Zeitlang liegen, die allen Zuschauern eine Ewigkeit dünkte. Dann brachte ihn der Reiter wieder hoch und bestieg ihn aufs neue. Das Nehmen der letzten Hindernisse war dann wirklich ein Triumphritt, wie ihn nur selten ein Reiter getan hat."

Natürlich weiß v. Wangenheim, das von der Fortsetzung der Springprüfung, die nur vier Teilnehmer ohne Abruf absolvieren, die Existenz der deutschen Mannschaft abhängt so quält er sich mit große Schmerzen ins Ziel und reitet die dank der glänzenden Dressur- und Geländeergebnisse Stubbendorffs und des guten Abschneidens Lipperts zum Greifen nahe Goldmedaille. Stubbendorff und Nurmi verlassen den Parcours mit nur einem Abruf und sichern sich zudem Gold in der Einzelwertung.

Die 5. und 6. Goldmedaille der olympischen Reiterspiele von Berlin gewinnen die deutschen Springreiter. Sie stehen unter enormem Druck. Das Olympiastadion ist nicht nur ausverkauft, sondern restlos überfüllt. Über 120.000 Menschen wollen erleben, ob es den Springreitern gelingt, auch noch die beiden letzten möglichen Goldmedaillen zu erreichen. Hitler und die gesamte Polit-Prominenz nehmen auf der Ehrentribüne Platz. Der Parcours, an Schwierigkeiten kaum zu übertreffen, fordert 20 Sprünge, darunter zwei zweifache und zwei dreifache Kombinationen. Optimisten mutmaßten im Vorfeld, daß es zehn Reitern gelingen könnte, den Kurs fehlerfrei zu überwinden. Sie sollten sich täuschen. Es schafft niemand. Nur mit einem spring Fehler verlassen lediglich zwei Pferden die Bahn, eines davon die unerschrocken Stute Tora unter Kurt Hasse. Die Hälfte der Reiter handelt sich zwischen 20 und 28 Strafpunkte ein. Der schlechteste Reiter verläßt den Parcours sogar mit über 51 Strafpunkten. 13 der 54 gestattet den Reiter aus 18 Nationen kommen gar nicht erst bis zur Ziel Linie. Alle Reiter der Mannschaften aus Rumänien, Schweden und England scheiden aus. Vielleicht trägt die Atmosphäre ihren Teil zu den ungewöhnlich vielen Fehlern bei. Keines der Pferde hatte jemals ein solches Stadion mit derart hoher Geräuschkulisse und unzähligen Fahnen erlebt.

Vergleichsweise souverän meistern die übrigen deutschen Reiter die Herausforderung: Heinz Brandt mit dem erst 7jährigen Hannoveraner Alchimist v. Amalfi sowie Marten v. Barnekow mit der 9jährigen Holsteiner Stute Nordland v. Nutznießer sammeln jeweils "nur" 20 Fehler und rangieren beide auf dem 16. Platz. Ohne die Leistung von Kurt Hasse und Tora wäre die Goldmedaille eintragen geblieben. Die zwölfjährige Ausnahmestute Tora, die von dem Hackney-Hengst Capenor Mormal Forester abstammt, und ihr Reiter Kurt Hasse lassen sich von der Kulisse nicht beeindrucken und beenden die Prüfung mit nur einem Abwurf. Mit insgesamt 44 Fehlern sichert sich das deutsche Team Mannschafts-Gold vor Holland (Silber/51,5), Portugal (Bronze/56), Amerika (72,5), Schweiz (74,5), Japan (75) und Frankreich (75,25).

Ein Stechen bringt die Entscheidung um die Einzelmedaillen: Hasse und Tora treten gegen den rumänischen Oberleutnant Rang und den rumänischen Wallach Delfis an. Zwar machen beide Pferde wieder einen Fehler, aber Hasse ist der Schnellere. Für den Stechparcours über fünf Sprünge benötigt Tora sagenhafte 13,5 Sekunden weniger als Delfis. Die Stimmung im Stadion über die 6. Goldmedaille für die deutschen Reiter läßt sich heute allenfalls erahnen. Gustav Rau beschreibt im St. Georg: "Als der Sieg Toras nach dem Stechen feststand, erzitterte minutenlang das Reichssportfeld unter dem Beifall. Wer noch nicht wußte, was Enthusiasmus ist, der konnte das in jenen Minuten erleben."

Nie wieder konnte seitdem eine Nation den Erfolg der drei deutschen Mannschaften wiederholen. Von sechs möglichen olympischen Goldmedaillen alle sechs zu gewinnen, wird wohl in der internationalen Reitsportgeschichte einmalig bleiben.
a. a. O., Seite 96-99




Quellen / Verweise


  1.  Pferdezucht,  Ausgabe  324.04
  2. » Carl-Friedrich Freiherr von Langen
  3. » Vor 75 Jahren gab es erstes Olympiagold für das heutige Mecklenburg-Vorpommern !
  4. » Clemens Laar
  5. » ...reitet für Deutschland
  6. Susanne Hennig: 100 Jahre FN, FN-Verlag 2005
  7.  100 Jahre FN / Breitensport
  8. » Federico Caprilli
  9. » Plattform für Politik und Wirtschaft
  10. » CHIO Aachen 2005: Der Freitag
  11. » Wanderpreis der Bundesrepublik Deutschland
  12. » The Grand Prix of Aachen
  13. » Ruhrbesetzung
  14.  100 Jahre FN, Jubiläum der Deutschen Reiterlichen Vereinigung
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deeutsche reiter...


Hallo Herr Popken!

ich fürchte, der grund für die deutschen erfolge im reitsport sind nicht/nicht nur die erfolgreiche pferdezucht:

da gibt es noch die "heeresdienstvorschrift von 1912", von der sicher jeder reiter schon mal gehört hat. diese vorschrift war die grundlage für die regeln im heutigen turniersport. natürlich war sie an deutsche verhältnisse, deutsche reiter und deutsche pferde angepaßt: in england zb wird auf den verschiedensten pferden und ponys viel im freien geritten. die hdv12 orientiert sich aber am deutschen einheitswarmblut im begrenzten raum des reitplatzes. in südlichen ländern wird in der dressur leichtigkeit und prachtvoller ausdruck geschätzt. der deutsche reitet lieber punktgenaue figuren. in weniger dicht besiedelten ländern wie ungarn reitet man hochblütige pfer