|  | | Italiens Regierungschef Mussolini überreicht dem deutschen Equipechef Freiherr v. Waldenfels den "Coppa d'Oro Mussolini" |  |  |  |
| In dieser Woche fand das CHIO in Aachen statt, das der ehemalige Vorsitzende der FN und jetzige BDI-Präsident Jürgen Thumann als » Plattform für Politik und Wirtschaft bezeichnet hat, weil die Spitzen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sich am Rande des Turniers treffen und vermutlich jede Menge Weichen stellen. In diesem Jahr hat Thumann die wichtigsten Spitzenmanager mit der Kanzlerkandidatin der CDU zusammengebracht. Die deutschen Reiter haben heuer in Aachen keine gute Figur gemacht (» CHIO Aachen 2005: Der Freitag, » Wanderpreis der Bundesrepublik Deutschland, » The Grand Prix of Aachen). Macht nichts, mal gewinnen wir, mal verlieren wir. Beim großen Turnier in Aachen 1930 dominierten die Italiener ebenfalls; sowohl der Nationenpreis als auch der Große Preis gingen an Italien. Dafür entwickelte sich dieses Turnier zur bis dahin bedeutendsten Veranstaltung in Deutschland. Über 20.000 Menschen nahmen teil; die Kassenhäuschen mußten zeitweilig wegen zu großen Andrangs geschlossen werden. Die Stimmung wurde durch die Freude über das Ende der Besetzung des Rheinlands noch angeheizt (» Ruhrbesetzung). Erstmals durften Offiziere der Reichswehr an den Start gehen, Reiter aus 14 Nationen nahmen teil, eine internationale Beteiligung, die bis dahin nur bei den Olympischen Spielen in Amsterdam 1928 verzeichnet wurde. Anschließend gingen die deutschen Reiter auf Tournee nach Nordamerika und feierten in New York, Borsten und Toronto Triumphe. Freilich ohne Konkurrenz durch die Italiener, die sich die Reise über den Atlantik nicht leisteten. Im Jahr 1931 wendete sich das Blatt. Sieben Deutsche reisten nach Italien. Gleich das erste Springen des Tages gewann der Deutsche Hasse gegen 140 Konkurrenten, zwei seiner Kollegen blieben ebenfalls fehlerlos. | Dieser deutsche Erfolg, der beim italienischen Publikum und den Konkurrenten im Parcours zugleich Überraschung und Bestürzung auslöst, ist erst der Anfang einer Reihe kaum erhoffter und für möglich gehaltener Triumphe. Barnekow siegt mit General in einem weiteren Springen, in fast allen anderen Prüfungen finden sich die deutschen Reiter auf vorderen Plätzen wieder. Höhepunkt der Rom-Reise ist der Gewinn des Nationenpreises "Coppa d'Oro Mussolini". [Equipechef v.] Waldenfels setzt mit Wotan unter Richard Sahla und Derby unter Ernst Hasse die beiden routiniertesten und besten Pferde ein. Mut beweist der Equipechef, die junge und noch recht unerfahrene Stute Tora mit ihrem Reiter Momm als drittes Pferd ins deutsche Team aufzunehmen. Tora zeichnet sich zwar durch enormes Springvermögen aus, ist jedoch noch nicht so regulierbar, wie es in einem solchen Springen erforderlich ist. Die Stute bestätigt das in Sie gesetzte Vertrauen und leistet sich in den beiden Umläufen jeweils nur vier Fehler und einen Dreiviertel-Zeitfehler. Da Wotan und Derby zwei Nullrunden gelingen, rangiert die deutsche Mannschaft mit 8,25 Fehlerpunkten souverän an der Spitze. Die Erfolgs gewohnten Italiener müssen sich bei 15 Fehlern mit dem zweiten Platz beschreiben. An dritter Stelle folgen die Belgier (26 Fehler), alle weiteren Teams scheiden aus. a. a. O., Seite | | | Dieser "Goldpokal Mussolinis" ist ein Wanderpreis. Die Nation, die ihn drei Mal in Folge gewinnt oder viermal insgesamt, darf ihn behalten. 1926 war Italien Sieger, 1927 und 1928 Frankreich. 1929 und 1930 siegten wieder die Italiener. Hätten die Italiener gewonnen, wäre der Pokal für immer in Italien geblieben. So wird das Entsetzen der Italiener noch verständlicher. In Aachen zeigen die Italiener den Deutschen aber wieder einmal, wer besser springen kann. Gustav Rau ließ sich durch den überraschenden Erfolg der deutschen Mannschaft zu Schwärmereien über Mussolini hinreißen, die uns Heutigen seltsam naiv vorkommen müssen. Ähnlich unsensibel und unkritisch sollte er sich später Hitler gegenüber verhalten. 1932 galten die Deutschen in Italien wegen des Vorjahressieges natürlich als Favoriten. Sie siegten erneut. Die Italiener hatten zwar den Parcours verschärft, aber der Schuß ging nach hinten los. Das deutsche Team handelte sich 14,5 Fehlerpunkte ein, Frankreich 20, Italien 24. Pech aber auch. Die Olympischen Spiele 1932 fanden in Los Angeles statt. Wegen der Weltwirtschaftskrise konnten die meisten Nationen die Kosten des Transport über den Atlantik und quer durch den amerikanischen Kontinent nicht tragen. Außer den Amerikanern nahmen nur noch Mexiko, Frankreich, Holland, Schweden und Japan teil.
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