|  | | Prinz Friedrich Sigismund auf Heiliger Speer, einer d. herausragenden Reiter d. 20er Jahre, verunglückt 1927 bei e. Trainingsritt tödlich. |  |  |  |
| |  | | Graf Görtz, hier beim Turnier in Bad Harzburg 1922 mit dem Vollblüter Lenz, gehörte zu den großen Befürwortern des von Federico Caprilli entwickelten modernen Springstils. |  |  |  |
| Aber andere Länder haben ebenfalls ehrgeizige Reiter und ambitionierte Züchter. Die Schweden und speziell die Italiener waren lange Zeit von deutschen Reitern kaum zu schlagen.
Der Grund dafür lag, zumindest beim Springen, auf der Hand: Die neue Methode des Springens, die der italienische Offizier Caprilli entwickelt hatte, wurde in Deutschland wegen der militärischen Reitvorschrift lange Zeit vehement abgelehnt, obwohl sie offensichtlich überlegen war.
| Die enormen Erfolge der Italiener bieten zum wiederholten Mal Anlaß, den deutschen Springstil kritisch zu hinterfragen. Bereits vor dem Krieg hatten sich Gustav Rau als Gegner der italienische Methode und Oscar Caminneci, der als einer der ersten dem Stil Caprillis nacheiferte, heftig und über Monate in der Öffentlichkeit über Pro und Contra gestritten.
Bald sieht auch Rau ein, daß die militärischen Reitvorschrift überholt ist. Dennoch ist sie nach wie vor bindend für die Militärs. Die deutsche Reitvorschrift verlangt vom Offizier und Soldaten den Sitz im Sattel, da man der Meinung ist, daß der Reiter nur sitzend den militärischen Anforderungen entsprechend reiten und nur so von seinen Waffen Gebrauch machen könne.
Trotz der immer stärkeren Verbreitung des von Caprilli entwickelten "natürlichen" Stils wird es noch bis Ende der 20er Jahre dauern, ehe am Springstall der Kavallerieschule Hannover - übrigens auf Initiative Gustav Raus - die Ausbildung von Reitern und Pferden nach dem "sistema Caprilli" praktiziert wird. a. a. O., Seite 58 | | |
Um so erstaunlicher ist es, daß es einzelnen Sportlern gelingt, in kürzester Zeit international aufzutrumpfen - ein Vergleich mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg liegt nahe, wo die ganze Nation mit Hans Günter Winkler und Halla Triumphe feierte, die bis heute unvergessen sind (» Der Tag von Stockholm).
Sport hat eben auch viel mit dem erweiterten Selbstbewußtsein zu tun, weil jeder Sportler zugleich seinen Verein, seine Provinz, sein Land vertritt. Freiherr v. Langen war anscheinend der Hans Günter Winkler der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Sein Andenken lebt aber wohl nicht mehr in dem Maße fort, wie es vielleicht angebracht wäre.
| Als herausragende Reiter der beginnenden zwanziger Jahre erlangen Freiherr Carl Friedrich v. Langen und Prinz Friedrich Siegismund v. Preußen große Bekanntheit und hohen Medienpräsenz.
Der im Juli 1887 geborene pommersche Gutsbesitzer v. Langen aus Parow bei Stralsund gewinnt allein im Jahr 1921 26 Springprüfungen, wird 20 Mal Zweiter und reitet zu 44 Plazierungen, siegt zudem in etlichen Dressur- und Vielseitigkeitsprüfungen. Drei Jahre später führt er mit 27 Siegen in schweren Springprüfungen die Statistik an - unvorstellbar in einer Zeit, in der jeder Turnierort für Reiter und Pferd nur mit langen, manchmal schlecht organisierten Eisenbahnfahrten zu erreichen ist.
Überhaupt ist dieser vielseitige Reiter eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit. Im Krieg schwer verwundet, kurzzeitig aufgrund erheblicher Lähmungen sogar an den Rollstuhl gefesselt, bringt er seinem Körper mit mentaler Stärke und Selbstdisziplin aller Reserven ab. 1920 beginnt seine herausragende sportliche Karriere, die acht Jahre später mit zwei olympischen Goldmedaillen - die ersten für Deutschlands Reiter überhaupt - gekrönt wird.
Der 1891 geborene Friedrich Sigismund v. Preußen, ältester Sohn des Prinzen Leopold v. Preußen, leistet besonders im Spring- und Vielseitigkeitssport Außerordentliches. Zunächst in Deutschland, später auch auf internationalen Turnieren, siegt er in zahlreichen bedeutenden Prüfungen. Als unerschrockener Kämpfer geht sein erfolgreichstes Pferd Heiliger Speer in die Geschichte des Reitsports ein. Der Trakehner Heiliger Speer, zwischenzeitlich an Eduard Pulvermann veräußert und knapp zwei Jahre später zurückgekauft, wäre sicherlich im deutschen Aufgebot der olympischen Spiele von Amsterdam 1928 gewesen, hätte sein Reiter dieses Ereignis noch erlebt. a. a. O., Seite 58 | | |
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