|  | | Olympiareiter Friedrich-Karl v. Preußen |  |  |  |
| |  | | Olympiareiter Harry von Rochow |  |  |  |
| |  | | Oscar Maria Stensbeck, einer der großen Berliner Dressurausbilder, auf Morgenrot |  |  |  |
| Außerdem richtet der Verband eine eigene Hengsthaltung ein.
| Auf der von Oberlandstallmeister v. Oettingen initiierten ersten großen deutschen Hengstauktion in Ostpreußen kauft v. Funcke Zuchthengste zu Exportzwecken an. Funcke begründet den Ankauf so: "Dieselbe sollen in besetzten ausländischen Gebieten zum Verkauf gelangen und werden hoffentlich darauf hinwirken, der deutschen und speziell der ostpreußischen Hengstaufzucht auch für später ein Absatzgebiet zu sichern." Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 46/47 | | |
Das klingt reichlich naiv. Im Jahre 1918 ging v. Funcke also noch davon aus, daß man besetzte Gebiete auch nach dem Kriege unter Kontrolle haben werde. Die Unterlegenen sollten dann dazu genötigt werden, deutsche Hengste zu erwerben und Gefallen daran zu finden. Statt dessen sah die Situation ganz anders aus. Durch den Versailler Vertrag war Deutschland gezwungen, Pferde in bedeutendem Umfang auszuliefern:
| Pferdeabgaben an die Siegermächte
Wie stark die deutsche Pferdezucht unter den Bedingungen des Versailler Vertrages zu leiden hat, beweist die Aufstellung der allein im Jahr 1919 an die Siegermächte abzugebenden Pferde: 500 Zuchthengste an Frankreich 200 Zuchthengste belgischen Blutes an Belgien 30.000 Stuten und Stutfohlen von 18 Monaten bis sieben Jahren an Frankreich 5.000 Stutfohlen belgischen Blutes an Belgien 5.000 Stuten von drei bis sieben Jahren an Belgien. Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 48 | | |
Trotzdem: Das Leben muß weitergehen. Die Verbindung zwischen Zucht und Sport, die sich in Deutschland aufgrund der schlechten Abschneidens deutscher Reiter im internationalen Vergleich Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Initiative einiger weniger weitblickender Persönlichkeiten ergeben hatte, wird unmittelbar nach dem Krieg wieder aufgegriffen:
| Vor dem Hintergrund der verwirrenden Zustände in der soeben erst geschaffenen Weimarer Republik muß es heute als erstaunlich empfunden werden, daß der Pferdesport überraschend schnell zu einer gewissen Normalität zurückfindet. Schon während des Krieges wurde an die Offiziere der Armee appelliert, den Turniersport in Friedenszeiten schnellstmöglich wieder aufzunehmen. Zum ersten Turnier nach dem Krieg, das der Reichsverband für Deutsches Halbblut bereits während der Landwirtschaftlichen Woche Ende Februar 1919 ausrichtet, treffen sich die Reiter im Berliner Tattersall an der Luisenstraße. Ausgeschrieben wird auch eine Frontpferde-Eignungsprüfung für die aus dem Krieg unversehrt heimgekehrten Pferde. Viele bekannte Reiter gehen an den Start, unter ihnen auch der in der Reitpferdeprüfung siegreiche Oscar Maria Stensbeck, Bruder des langwierigen Leiters des Berliner Tattersalls Luisenstraße, Gustav Stensbeck. Bei der zeitgleich mit dem Turnier veranstalteten inzwischen 4. Reichsverbands Auktion werden 112 Pferde versteigert, darunter 39 Hengste. Die Presse bejubelt Turnier und Auktion als große Leistung Oscar v. Funckes, der auch in schwierigen Zeiten Reiter und Pferdesportfreunde in Berlin zu versammeln versteht. Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 49 | | |
Dieser Triumph war von kurzer Dauer. Etwa zeitgleich fordert das Ministerium für Landwirtschaft und Forsten eine Fusion des Reichsverbands für Deutsches Halbblut mit dem Kartell für Reit- und Fahrsport, initiiert von Oberregierungsrat Thomsen. Bereits im letzten Kriegsjahr hatte man überlegt, beide Verbände zu einem starken Sport- und Zuchtverband zu verschmelzen. Dem stemmt sich unter anderen Oscar von Funcke mit aller Kraft entgegen, weil er die Interessen der Züchter durch die Vormachtstellung des Sportes gefährdet sieht.
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