| |  | | Oldtimer vor dem Schloßhotel |  |  |  |
| |  | | Bläser des Rallye Trompes de la Buyére |  |  |  |
| | Es herrschte ein unglaublicher Betrieb! Ganze Busladungen von Zuschauern strömten die schmale Dorfstraße entlang. Überall standen Autos mit und ohne Hänger herum und ich wurde von einem Soldaten im Tarnanzug in eine Seitenstraße gewinkt. Dort, ganz am Ende der Straße, fand ich dann einen Parkplatz für meinen Hänger.
Nun erst mal zu Fuß zurück zum Eingang des Schlosses, denn dort musste man sich unter Vorlage seines Ausweises anmelden. Jeder Gast bekam je nach seinem Rang ein Schleifchen zum Anstecken. Ich bekam das einfache rot-weiße Schleifchen. VIP-Gäste erhielten ein komplett rotes und noch wichtigere Gäste ein goldenes Schleifchen.
Aber mein Fähnchen verschaffte mir Zutritt zum Schlosshof, wo ich zunächst einmal zwei Oldtimer bewundern konnte. Hinter dem Hotel ging es einen gewundenen Weg zum Park hinunter. Unten waren schon Zelte und ein kleiner Altar für die Hubertusmesse aufgebaut.
Es wimmelte nur so von prominenten und neureichen Menschen und entsprechend vielen Fotografen. So hatte ich mir eine Jagd eigentlich nicht vorgestellt. Irgendwann wurde dann auch noch ein Glittersternchen in enger Jeans und eilends gebrachten Reitstiefeln auf ein braves Pferd gehoben, damit die Reporter zünftige Fotos machen konnten. Dass die Frau nicht verkehrt herum gesetzt wurde, war ja schon ein Erfolg.
Zwischen all dem Pomp und den Peinlichkeiten standen aber auch kleine Grüppchen rotgewandeter Jagdreiter mit zum Teil schon recht verblichenen Kappen. Die wirklichen Teilnehmer der Jagd fielen durch ihr zurückhaltendes Understatement auf.
Auch die Bläser des Rallye Trompes de la Buyére versammelten sich bereits. Das heißt, einer der Bläser stand oben auf dem Schlossturm und gab ein Signal vor, worauf hin die anderen unten bei den Zuschauern stehenden Bläser antworteten. Man spielte sich offensichtlich ein. Später bei der Jagd erfuhr ich, dass für jede Situation der Jagd, z. B. wenn es durchs Wasser geht, ein bestimmtes Signal existiert. Jagdexperten können die verschiedenen Signale sicher auseinanderhalten. Das gelang mir als Neuling natürlich nicht.
Es folgte das Jagdfrühstück im beheizten Zelt. Hier war reichlich aufgetischt. Wir quetschten uns an einen der Biertische, und plauderten mit einigen Zuschauern, die die Jagd vom Kremser aus begleiten wollten. Für viele war es die erste Schleppjagd, die sie sahen, und wir mussten ihnen erst einmal erklären, dass hier wirklich keine Tiere gejagt werden, sondern die Hunde einer künstlich gelegten Duftspur (Schleppe) folgen.
Nach dem Frühstück hatte sich der Nebel verzogen und das Wetter zeigte sich besser als erhofft. Laut Wetterbericht sollte es bedeckt bleiben und ab und zu Schauer geben. Nicht gerade sehr einladend. Aber jetzt zeigte sich die Sonne und es war richtig schön.
Der Hubertusgottesdienst unter Leitung eines katholischen Militärgeistlichen begann. Ich hörte noch ein Weilchen zu, und machte mich dann auf den Weg zu meinem Hänger. Ich hatte einen Fußweg von etwa 15 Minuten zurückzulegen und wollte Rashim in aller Ruhe fertig machen.
Am Hänger angekommen, holte ich einen recht aufgeregten Rashim aus seinem Gefängnis. Er war es nicht gewohnt, längere Zeit im Hänger zu bleiben, wenn dieser stand.
Ich sattelte und legte die Kandare an. Für diesen Ritt hatte ich mich vorsichtshalber für eine Springkandare entschieden, da ich davon ausging, dass Rashim in einer großen Gruppe von Pferden heftiger sein würde.
Neben mir machte gerade ein anderer Reiter seine Schimmelstute fertig. Wir kamen ins Gespräch und machten uns dann gemeinsam auf den Weg. Rashim war sehr aufmerksam, den Kopf hochgereckt stolzierten wir zwischen den vielen Hängern die schmale Straße entlang. Die Anwohner nahmen das Spektakel gelassen und grüßten uns freundlich.
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