|  | | Falsche Handschuhe, falsche Zügel |  |  |  |
| | |  | | Manche werden ruhiger, andere nervöser |  |  |  |
| Im weiteren Verlauf der Jagd merkte ich, dass ich einen großen Fehler gemacht hatte. Ich hatte mir extra für diese Jagd neue weiße Handschuhe gekauft und diese nicht vorher ausprobiert.
Es waren ganz einfache Baumwollhandschuhe mit Noppen. Und diese Noppen waren überhaupt nicht rutschsicher, im Gegenteil, sie waren aus recht hartem Plastik und völlig glatt!
Außerdem hatte ich - wie blöd - Lederzügel ohne jeden Steg. Das heißt, nach dem ersten Schwitzen des Pferdes waren sie glitschig. Und Rashim merkte sofort, dass er mir die Zügel sehr leicht aus den Händen reißen konnte.
Jetzt wurde ich erfinderisch: wickelte mir die Zügel um die Hand, lies sie hin- und zurück über den Zeigefinger laufen und ähnliches. Letzteres half zwar ein bisschen, aber meine Zeigefinger begannen nach kurzer Zeit zu kribbeln und wurden taub.
Außerdem mochte ich mir nicht vorstellen, was bei einem Sturz passieren würde, wenn ich die Zügel nicht schnell genug los ließ. Aber es war die einzige Möglichkeit, Rashim daran zu hindern, in immer höherem Tempo das ganze Feld hinter sich zu lassen.
Die teilnehmenden Pferde ließen sich grob in zwei Kategorien einteilen. Solche, die nach mehreren Schleppen ruhiger wurden, weil der erste Dampf raus war, und die anderen, die immer nervöser wurden.
Hier war Rashim einsame Spitze. Obwohl er aus meiner Sicht nicht ängstlich oder gar panisch war, benahm er sich sehr ungehorsam. Es passte ihm einfach nicht, dass er so viele andere Pferde vorlassen sollte.
Sicher machte sich hier auch seine lange Distanzpferdlaufbahn bemerkbar. Ein gewisser Ehrgeiz ist dabei einfach Grundvoraussetzung für gute Leistung. Auch ist er es nicht gewohnt, sein Tempo im Schritt an langsamere Pferde anzupassen. Obwohl wir öfter mit anderen Pferden ausreiten, weigert er sich immer noch, langsamen Schritt zu gehen. Er wird dabei im Verlauf des Ausritts immer wütender, wenn er sich zurückhalten muss.
Mir war das alles klar, aber in der Situation, in der ich inzwischen war, mit gequetschten Fingern und schmerzenden Schultern und Oberarmen, war ich trotzdem recht ärgerlich. Vor allem, wenn ich dann von anderen Reitern, die ihre Pferde bei jedem Galopp treiben mussten, gefragt wurde, wie alt der Kleine denn sei.
Aber trotz der Auseinandersetzungen mit Rashim war es ein tolles Gefühl, in dieser schönen Landschaft in der großen Gruppe zu galoppieren. Wir hatten uns inzwischen in einem weiten Bogen wieder dem Storkower See zugewandt, diesen nahe Wendisch Rietz auf einer Holzbrücke überquert und ritten jetzt auf der anderen Seite des Sees Richtung Bad Saarow.
| |