| |  | | Die Richter für die Fahrprüfung |  |  |  |
| |  | | Abschlußgespräch mit dem Prüfling |  |  |  |
| |  | | Der Sieger des Wettbewerbs |  |  |  |
| Bekanntlich sind Shetlandponies die stärksten Pferde, wenn man die Kraftentfaltung pro Körpergröße betrachtet. Auf jeden Fall sind sie ohne weiteres in der Lage, einen Erwachsenen zu ziehen. Sogar bei Distanzwettbewerben auf Landesebene finden sich Shetlandponies ganz vorn.
Die Engländerin » Karen Bassett, die als einzige Frau an der Weltmeisterschaft der Vierspännerfahrer in Kecskemét teilgenommen hat, begann ihre Vierspänner-Karriere 1978 als 15jährige mit Shetlandponies aus dem Besitz ihrer Eltern unter Mithilfe ihrer Geschwister. 1983, mit 20 Jahren, ist sie auf größere Ponies gewechselt; zwischen 1980 und 1990 hat sie alles gewonnen, was man national und international mit Ponies gewinnen kann.
Als 30jährige rüstete sie abermals um; seither fährt sie Trakehner. Sie ist die einzige Frau, die in der internationalen Spitze mitfährt und der einzige Fahrer, der Trakehner einsetzt. 1995 gewann sie als erste Frau überhaupt ein internationales Turnier in Frankreich, im gleichen Jahr gewann sie als erste Frau in der britischen Fahrgeschichte das erste Mal die nationalen Meisterschaften. Unter 52 Teilnehmern erreichte sie dieses Jahr in Ungarn den 13. Platz. Sie finanziert ihren Sport größtenteils selbst durch Training und Ausbildung. Ihre jüngere Schwester war anfänglich Beifahrerin und hat jetzt ein eigenes Team aufgestellt.
Dieser Exkurs zeigt, wie weit man es als Sportler bringen kann, wenn man mit Shetlandponies ernsthaft arbeitet. Diese kleinen Pferde werden vermutlich weitgehend unterschätzt. Friedrich-Wilhelm Schöneberg ärgert sich immer, wenn die Ansager auf Turnieren gar nicht wissen, wie sie sich ausdrücken sollen, wenn Shetlandponies oder Minipferde auftreten: "Als Staubsauger oder Mäuse werden sie bezeichnet - die wissen ja gar nicht, wovon sie reden!"
Im Fahrsport kommt es auf die Größe nicht an. Es kommt prinzipiell überhaupt nicht auf die Rasse an. Der frischgebackene Vierspännerweltmeister Michael Freund setzt Pferde ein, die noch nicht einmal Papiere haben. Im Gegensatz zur Dressur und zum Springen, wo Rassezucht offensichtlich Erfolge erzielen kann, kommt es im Fahrsport auf Eigenschaften an, die möglicherweise zuchttechnisch gar nicht oder nur schlecht beeinflußt werden können.
Im Gegensatz dazu spielt offenbar das Können des Fahrers eine ganz wesentliche Rolle. Deshalb kann man es sich vielleicht auch leisten, die Pferde nach Aussehen zusammenzustellen. Ein Gespann soll immer auch ein ästhetischer Genuß sein. Ein hervorragendes Beispiel zu dieser Forderung konnte ich auch in Bad Harzburg ausgiebig fotografisch würdigen - ein Tandem mit Ponies, die wie eineiige Zwillinge aussehen (siehe nächster Abschnitt).
Seit dem frühen Morgen fanden die Geländewettbewerbe für Zweispänner statt, aber ich konnte nicht überall zugleich sein; deshalb ist meine Fotoausbeute in Bezug auf diesen Wettbewerb äußerst gering.
Am Mittag stieß ich zum Dressurplatz, als gerade eine Holländerin belehrt wurde. Anscheinend hatte sie einen Fehler begangen, was die Richter zum Anlaß nahmen, die Prüfung zu unterbrechen, um ihr Hinweise zu geben, wo Stärken und wo Schwächen festgestellt worden waren. So etwas hatte ich noch nicht erlebt, und die Teilnehmerin anscheinend auch nicht, denn ich gewann den Eindruck, daß sie mit den Tränen zu kämpfen hatte. Dabei meinten es die Prüfer wirklich gut mit ihr. Nach der Belehrung setzte sie ihre Fahrt fort; sie belegte schließlich sogar den dritten Platz und konnte eine Schleife mit nach Hause nehmen, weil zwei von fünf Teilnehmern zurückgezogen hatten.
Aber auch in den beiden anderen Prüfungen ließen es sich die Richter nicht nehmen, ihren Eindruck und Vorschläge für die weitere Entwicklung öffentlich kund zu tun, in direkter Ansprache des Prüflings, dessen Antworten für das Publikum allerdings nicht so leicht zu verstehen waren, weil diese in natürlicher Lautstärke erfolgten. Die Leistung der nächsten Teilnehmerin gefiel den Richtern besser, aber sie hatten trotzdem eine ganze Menge an Vorschlägen, die der Fahrerin für die nächsten Prüfungen weiterhelfen würden. Diese war zwar überrascht, anschließend an die Prüfung einer Gratislektion zu erhalten, aber durchaus dankbar. Sie kam aus dem Rheinland.
Als letzter Teilnehmer stellte ein Mann aus dem Sauerland einen fünfjähriges Pony vor, das zum ersten Mal auf ein Turnier ging. Die Richter sahen sofort, daß dieser Mann einen guten Unterricht genossen hatte, was dieser dann beim abschließenden Gespräch auch bestätigte. Und wiederum hatten die Prüfer viele Anmerkungen. Grundsätzlich hatten ihnen alle drei Vorführungen gefallen, insbesondere die Ponies - aber, so stellten sie klar, hier ging es um die Fahrer und die gezielte Entwicklung von Fertigkeiten, die durch die Geschichte und die internationalen Wettbewerbsregeln beschrieben werden.
Die Richter faßten den Wettbewerb nicht als Sonderveranstaltung für Shetlandponies mit Sonderregeln auf, sondern als regulären Fahrwettbewerb, für den die ganz normalen Anforderungen zugrundegelegt werden müssen. Zwar mochte man im Einzelfall das Niveau nicht allzu hoch ansiedeln, aber diese Erkenntnis hieß lediglich, daß hier noch Entwicklungsarbeit zu leisten wäre. Das Ziel müßten ganz normale Bedingungen sein, wie sie für jeden anderen Fahrwettbewerb auch zu gelten haben. Trotz aller Einwände im einzelnen galt es natürlich, eine Rangfolge festzustellen, die in umgekehrter Reihenfolge des Auftritts erfolgte. Wie schön für den Fünfjährigen - zum ersten Mal gestartet und schon Sieger!
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