Auffällig ist, dass die Stärke der äußeren Reize scheinbar nicht linear in Empfindungen umgesetzt werden. Einerseits spürt EDDY jede Fliege auf seinem Fell, andererseits kratzt er sich am Ohr mit dem Huf in einer Intensität oder schlägt mit dem hinteren Huf nach Fliegen am Geschlechtsteil, wo wir Menschen schon lange vor Schmerz schreien würden. Druckempfindlichkeit bei Pferden scheint dem menschlichen Hören ähnlich zu sein: 10fache Lautstärke wird nur als doppelt so laut empfunden. Die Vermutung, dass die Druckempfindlichkeit bei Pferden nicht linear wahrgenommen wird, lässt sich auch aus dem Sozialverhalten der gegenseitigen Hautpflege ableiten: Wenn sich zwei putzwillige Pferde gefunden und auf gemeinsames Fellkraulen geeinigt haben, beginnt eine intensive Körperpflege. Emsig wird der Mähnenkamm und dann der Bereich um Widerrist und Hals beknabbert. Hautfalten werden - aus menschlicher Sicht schon fast brutal - immer und immer wieder durch die Zähne gezogen, um lose Haare auszurupfen und um das Untergewebe zu massieren. Deutlich ist dabei das dumpfe, von den Haaren leicht gedämpfte Geräusch der zusammenklappenden Zähne zu hören. Noch brutaler erscheinen die hingebungsvollen Kampfspiele. Da wird gerempelt, aufeinander herum gestiegen und getreten, dass es im wahrsten Sinne des Wortes nur so kracht. Und trotzdem scheinen dadurch keine ernsten Verletzungen zu entstehen, ein kurzes Schütteln, und weiter geht das Spiel. Aus dieser scheinbaren Dickfelligkeit im Brust und Rückenbereich darf man jedoch nicht auf mangelnde Feinfühligkeit, insbesondere in der Sattellage schließen. Ich möchte nicht behaupten, dass EDDY aufgegangen wäre wie ein Hefekuchen, aber im Lauf von 3 Jahren war aus einem abgemagerten Tinkerpony ein mächtiges Schlachtroß geworden, so dass mal wieder der Kauf eines neuen Sattels notwendig schien. Dieses Mal sollte es aber ein Westernsattel sein, schließlich war mein Ziel Freizeitreiterei, nicht Dressur. Bei den aus der näheren Umgebung heran geschafften preiswerten Sätteln hat EDDY bereits beim Auflegen heftig den Kopf geschüttelt - und eine fachkundige Helferin durch Abtasten von Zwischenräumen mit der Hand jeweils bestätigt, dass der Sattel nicht passt. Also habe ich Kontakt zu einem Spezialisten aufgenommen und ihm EDDYs Proportionen geschildert. Schließlich ist der Händler auch gekommen, mit einem ganzen LKW voller Westernsättel.
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