
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Lehrer Von › Werner Popken
In dieser Woche habe ich mich mit dem Video/DVD Die Schule des Pferdes Teil 4 beschäftigt. Rudolf Zeilinger wurde als Lehrer gezeigt, Lehrer und von Pferden und von Menschen. Dabei mußte ich an die Ausbildung eines Tänzers denken, der jahrelang trainiert, um sich anschließend ebenso kontrolliert, elegant und ausdrucksstark bewegen zu können wie die Pferde Zeilingers.
Es ist schon lange her, aber ich habe tatsächlich einmal Unterricht bei einem Tanzlehrer genommen, einem Balletttänzer, der seine aktive Karriere beendet hatte und nun sein Wissen weitergeben wollte. In diesem Falle handelte es sich um Flamenco. Er bemühte sich, mir die Schrittfolge und die Haltung beizubringen, aber es wurde nichts daraus. Ich fühlte mich miserabel, und so sah es auch aus.
Mein Lehrer war ganz verzweifelt. Es war klar, daß wir ein Problem hatten. Er hatte keine Ahnung, wie er mir helfen konnte. Eines Tages platzte der Knoten. Ich kam von alleine auf die Lösung. Flamencotänzer sind sehr selbstbewußt und stolz. Wenn man sich vorstellt, wie sich eine solche Person bewegt, dann kann man es auch. Plötzlich war Spannung und Ausdruck in meinem Körper, die Bewegungen fühlten sich richtig an und sahen auch richtig aus.
Damals stellte ich mir die Frage, wie man so etwas wie Körpergefühl von einer Person zur anderen übermitteln kann. Es ist rätselhaft. Als ich heranwuchs, mäkelte mein Vater an mir herum, weil ich mich so gebeugt hielt. Er versuchte mir zu erläutern, wie er seinen Körper aufgerichtet hatte. Es nützte mir nichts. Nun sehe ich, wie meine Töchter sich gebeugt halten und beobachte halb amüsiert, wie ich versuche, ihnen deutlich zu machen, um wieviel besser man sich fühlt, wenn man sich gut hält.
Man wird wohl seine Erfahrungen machen müssen. Auch eine gute Haltung muß man sich erarbeiten. Ich habe noch sehr deutlich einen berühmten spanischen Flamenco Tänzer vor Augen, den ich vor 30 Jahren als Lehrer und Tänzer erlebt habe. Der Mann war sehr überzeugend und beeindruckend. Aber wenn er nicht auf der Bühne stand, schlurfte er spannungslos durch die Gegend - ganz und gar nicht beeindruckend.
Einen guten Lehrer zu finden, kann sich als Problem herausstellen. Umgekehrt ist es für den Lehrer ein Segen, wenn er einen guten Schüler findet. Ich habe in meinem Leben zum Glück einige Lehrer gehabt, die mich sehr gefördert haben. Davon habe ich eine Reihe persönlich gekannt; aber die wichtigsten kenne ich nur aus Büchern und aus ihren Werken.
Bis heute freue ich mich, wenn ich wieder einmal einem Lehrer begegne, der mich weiterbringt. Manchmal sind das reale Personen, manchmal begegne ich Ihnen in ihren Werken, und manchmal sind sie sogar schon lange gestorben. Das tut ihrer Wirkung keinen Abbruch. Die Erfindung der Schrift, die es ermöglichte, Wissen festzuhalten, ist eine Segnung, der ich mir ständig bewußt bin. In unseren Zeiten kommen die Filme und Tonaufzeichnungen hinzu, die uns etwas zeigen können, was man durch Schrift nicht vermitteln kann.
Mein Tip für diese Woche: Machen Sie reichlichen Gebrauch von allen diesen Hilfen! Wo wären wir, wenn wir alles selbst erfinden müßten? Gesegnet der, der einen guten Lehrer gefunden hat; allen anderen empfehle ich, sich unter den guten Lehrern umzuschauen, die ihr Können und ihr Wissen den technischen Medien anvertraut und der Nachwelt hinterlassen haben.
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