
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Führpositionen Von › Werner Popken
Das Buch dieser Woche heißt Der Traum vom Pferd. Die Autorin Pia Rennollet hat in der Pferdezeitung mit ihren Gedanken eine ungewöhnliche Resonanz gehabt. Dabei leugnet sie nicht, daß sie, wie nicht anders zu erwarten, viel von anderen Fachleuten gelernt hat.
So ist nicht alles wirklich neu, was sie in ihrem Buch verarbeitet hat. Viele Sachverhalte, die man für selbstverständlich hält, werden jedoch in einer Weise dargestellt, die unmißverständlich und unmittelbar nachvollziehbar ist.
Da ich immer wieder das Führverhalten angesprochen habe, ging mir bei ihrer Beschreibung des Führverhaltens auf, daß sie auch diesen Sachverhalt vorbildlich erläutert hat. Deshalb würde ich am liebsten die gesamte Passage hier zitieren, was aber aufgrund des Umfangs nicht möglich ist. Ich muß mich also auf die Beschreibung beschränken.
| Die Positionen am Pferd
Grob gesagt gibt es drei Positionen, die du am Pferd einnehmen kannst. Es sind dies die Positionen der Leitstute als führende Position, die des Fohlens als dem Schutzbefohlenen und die des Hengstes als treibende Position. Die Leitstute geht vor dem rangniedrigeren Pferd, das Fohlen bewegt sich neben der Mutter und der Hengst treibt von hinten.
All diese unterschiedlichen Positionen, auf die das Pferd von Natur aus konditioniert ist, kannst du dir in der Arbeit mit dem Pferd zunutze machen. Das heißt: Du kannst das Pferd vom Ausgangsort zum Zielort führen, also dich vor ihm befinden und Richtung und Geschwindigkeit selbst angeben. Du kannst dich vom Pferd vom Ausgangsort zum Zielort mitziehen lassen, indem du dich wie das schutzbedürftige Fohlen neben dem Pferd befindest und das Pferd Richtung und Geschwindigkeit angibt. Und du kannst das Pferd vom Ausgangsort zum Zielort treiben, indem du hinter dem Pferd die treibende Position einnimmst und Richtung und Geschwindigkeit selbst angibst.
Es ist schon ein Kuriosum, daß die landläufige Art des Pferdeführens in der Position des schutzbedürftigen Fohlens gelehrt wird. Er spricht für die Sanftmut unserer Pferde, wenn es den Menschen immer wieder derart gelingt, das Pferd von A nach B zu bringen. Hierzu muß jedoch gesagt werden: Die Methoden, den Pferden das Geführtwerden beizubringen, sind wenig einfühlsam, wenn nicht gar brutal. Ein kräftiger Ruck am Halfter, der Trense oder sogar das Anbringen einer Führkette über dem Nasenrücken sind gängige Methoden, um das Pferd "im Zaum zu halten". Ich finde, es sollte endlich Schluß sein mit der gedankenlosen Gewalt. Kläre den Rang zwischen dir und deinem Pferd und führe es hinfort in der Position der Leitstute. Du ersparst dem Pferd und dir selbst jede Menge Streß und Unbill.
Anfänglich ist es nicht unbedingt leicht, diese Position einzuhalten. Das Pferd will vielleicht an dir vorbeistürmen oder stemmt alle Viere in den Boden und bewegt sich nicht weiter vorwärts. Hier ist die Rangordnung nicht geklärt. Dann ist es angebracht, die Position des Hengstes einzunehmen und das Pferd erst einmal zu treiben. Aber bitte, immer schön ruhig bleiben dabei. Stille Wasser sind tief. (Seite 133, 134) | | |
Mein Tip in dieser Woche: Beobachten Sie doch einmal Ihr Führverhalten! Wie führen Sie? Und wenn Sie lernen wollen, wie Sie Ihr Pferd so führen können, daß die ganze Angelegenheit für Sie und für Ihr Pferd angenehm und erfreulich ist, kaufen Sie sich doch das Buch von Pia Rennollet. Die nächsten Abschnitte heißen
- Das Führen im Sinne des Pferdes
- Einige Tips für die Führarbeit
- Die Idee des Raum-Nehmens und -Gebens
- Vom Treiben und Führen
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Auf zwölf Seiten, durch Abbildungen illustriert, diskutiert Pia Rennollet alle Aspekte dieser wichtigen Aufgabe. Ich bin sicher, daß Sie nach der Lektüre nicht nur Ihr Führverhalten positiv verändert haben, Sie werden vielleicht Ihr gesamtes Verhältnis zum Pferd in einem neuen Licht sehen. Und dann vielleicht sogar das ganze Buch lesen. Aber Vorsicht: das könnte Ihr Leben verändern.
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