|  | | Die Pferde werden in größtmöglicher Ruhe in die Viehschleuse gebracht. |  |  |  |
| |  | | Oscar nähert sich dem "Potro" mit dem Rücken zuerst. |  |  |  |
| Die indianische Lösung war eigentlich denkbar einfach - auch wenn sie dem "vermenschlichenden" Empfinden zunächst "gemein" erscheinen mag: Wohltäter ist der, der die elementarsten Bedürfnisse befriedigt!
Das Pferd im Korral bekommt also Nahrung und Wasser ausschließlich aus der Hand seines "menschlichen Wohltäters"! Diese Motivation ist stark genug, die natürliche Barriere zu durchbrechen, ja eine Bindung herzustellen, die den Menschen dem Pferd in einem neuen Licht erscheinen lässt!
Zudem war das Zähmen für den Indianer immer eine ganz persönliche Angelegenheit: Er zähmte nur für sich selbst, nie für Dritte!
Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine Bemerkung Horst Sterns in seinem Reitlehrbuchklassiker "So verdient man sich die Sporen" (18. aktualisierte Aufl. 1997). Er stellt da ernüchternd zur Pferde-Mensch-Beziehung fest:
| Man muß sich schon sehr lange und sehr oft mit einem Pferd abgeben, wenn man Kontakte herstellen will, die über eine dumpfe Duldung des Menschen hinausgehen. Stern, So verdient man sich die Sporen, Seite 30 | | |
Da geht er jedoch noch von der Situation des traditionellen Reitunterrichts aus.
Der Eingang zur "Manga" wird geöffnet. (Diese Viehschleusen werden dazu benutzt, Tiere zu behandeln oder zu impfen. Sie sind so eng, dass ein Rind oder ein Pferd darin nicht wenden kann. Die Seitenwände werden nach obenhin weiter, nach untenzu enger.)
Wir bewegen uns so, dass die Tiere in die Manga geleitet werden. Diese bleibt zunächst hinten offen: Oscar versperrt den Ausweg, er steht ruhig und entspannt, die Hände hinter dem Rücken.
Lediglich wenn die Unruhe unter den Pferden merklich anhebt oder das hinterste Pferd ihn nicht mehr im Auge behält, klatscht er kurz in die Hände und gibt tieftönende, beruhigende Laute von sich. Die Pferde gewöhnen sich erstaunlich schnell an diese neue Situation. Die Manga kann bald geschlossen werden. Die Pferde halten die Köpfe tief am Boden, als sich die Menschen nähern, und drängen sich dicht an den Vordermann. Sie sind auf der Hut, reagieren aber keineswegs panisch.
Oscar nähert sich dem ersten Jungpferd in der Reihe; es ist das jüngste von den Dreien, mit Araberblut. Oscar bemerkt, dass er hier unter etwas unnatürlichen Verhältnissen arbeite; zuhause würde er sich vor einer Erstannäherung mindestens drei Tage nicht waschen: Tier unter Tieren.
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