|  | | Martín Ochodeco, Schüler Oscars, zeigt, wie sehr er seinem Pferd vertraut. |  |  |  |
| | |  | | Mensch und Pferd, was braucht es mehr? |  |  |  |
| Man muss ihn einfach erwähnen: Martín Hardoy. Ihm kommt sicherlich das Verdienst zu, solche Veranstaltungen überhaupt ermöglicht zu haben. Er hat als erster einen Markt erschlossen, den es vor ihm in Argentinien schlicht nicht gab!
Kein argentinischer Pferdezähmer käme von sich auf den Gedanken, seine Methoden preiszugeben und sich in die Karten schauen zu lassen. Insofern hat Martín auch ein Tabu gebrochen, als er mit seiner sogenannten rational-zweckmäßigen und gewaltfreien Pferdezähmung ("Doma Racional - y sin violencia") an die Öffentlichkeit ging.
Seine Methode ist ein Konglomerat aus Techniken verschiedenen Ursprungs: europäisch-klassischen sowie aus der Western- und der Gauchotradition. Er leistet Überzeugungsarbeit an der Basis und will allgemein übliche, aber unnötige Brutalitäten und Härten im Zähmungsgeschäft durch effektivere Techniken ersetzen helfen.
Aus dieser vermittelnden Position erklärt sich auch die Zwitterstellung von Hardoy und die Bemerkung des Berichterstatters im "GEOspecial Argentinien" vom Juni 1994, wo Martín erstmals in Deutschland als "Der Hexer" ("el brujo") vorgestellt wurde: "Sein 'gewaltloses Zureiten' begann gewaltsam".
Dazu das Foto eines Pferdes am Anbindepfosten ("palenque"), das es in sich hat! Traditionell ist dies lediglich der Auftakt einer ganzen Reihe weiterer, ziemlich unschöner Dinge: "domar" heißt für den Gaucho "Grenzen setzen" und der Gaucho setzt sie hart! Er vermittelt von Anfang an die Botschaft: Du kannst kämpfen, wie du willst, eine Chance hast du nicht!
Martín bevorzugt jedoch inzwischen auch, wo immer vorhanden, die viel praktischere Viehschleuse ("manga") für den Erstkontakt! (Siehe seine Präsentation unter www.martinhardoy.com.ar und das Kurzporträt auf den Seiten von » www.justacriollo.com)
Selbst unter gebildeten Argentiniern melden sich Stimmen zu Wort, die dem Verlust der riskanteren, traditionellen Zähmung eine Abschiedsträne nachzuweinen scheinen - kann sich doch ein Gaucho vor allem hier als wahrer Gaucho beweisen.
Mariano Grondona, Hochschullehrer und politischer Journalist mit enormer Medienpräsenz in Argentinien, fügt sich mit seinem nostalgischen Rückblick auf die traditionelle Gauchokultur - eine Erinnerung, wie er als Junge einem Landmann ("paisano") namens Zunino bei einer traditionellen Zähmung auf offenem Land zusah - ins historisch Unvermeidliche: "Bevor die 'doma racional' die traditionelle (doma) gänzlich ersetzt, sehen wir sie uns nochmal an." ("Antes que la doma racional reemplace completamente a la tradicional mirémosla una vez más.")
Statt ausgefeilter Methodologien ("procesos elaborados") seien dabei Geschicklichkeit ("destreza") und Mut ("coraje") angesagt! Da muss einer also schlicht seinen ganzen Mann stehen. (Erschienen unter der Überschrift: Recuerdos al lomo de un bagual in der Rubrik "Rincón gaucho" der LA NACIÓN; sábado 6 de enero 2001, sección 5, página 6.)
Die Frage musste also kommen: Auf der Präsentation im Juli hält ein Journalist Oscar sein Mikrofon hin: Wie er sein Verhältnis zu Martíns Vorgehensweise denn sehe.
Seine Antwort zeigt Selbstbewusstsein: Beide Methoden versuchten die Gewalt der "doma tradicional" zu vermeiden, doch sei die "doma india" eben kein Methodensammelsurium ("compilación de métodos") verschiedenster Herkunft, sondern die einzige, wahrhaft argentinische Methode ("el único método autenticamente argentino")!
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