
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Durchgänger Von › Werner Popken
Das Buch, das ich in dieser Woche rezensiert habe (Du und dein Pferd), enthält viele sinnvolle Hinweise und Handlungsanweisungen. Auf S. 36/37 wird das Thema "Was tun, wenn das Pferd durchgeht?" diskutiert.
Die Methode, das Pferd in einer Spirale zu reiten, wird aus Platzmangel als unrealistisch abgetan, falls man nicht gerade zufällig auf einem Stoppelfeld unterwegs ist. Das Pferd einfach rennen zu lassen, bis es die Lust verliert, ist aus zwei Gründen nicht empfehlenswert: Einmal leben wir in dichtbesiedelten Gebieten, allzu leicht könnte uns eine Straße mit Verkehr in die Quere kommen. Zum anderen lernt das Pferd nichts, das Verhalten wird also dadurch nicht geändert, schlimmstenfalls verstärkt.
Von einem schärferen Gebiß wird dringend abgeraten, weil das Pferd natürlicherweise vor dem Schmerz davonrennt, das unerwünschte Verhalten also ebenfalls unterstützt wird. Im Gegenteil: es wird zu einem weicheren Gebiß geraten. Wie aber bekommt man das Pferd unter Kontrolle?
Hier muß wieder ein Praxistipp herhalten:
| SO STOPPST DU JEDEN DURCHGÄNGER!
Es gibt eine einfache Methode, sowohl das Tempo im Galopp zu regulieren als auch einen Durchgänger zu stoppen. Es ist dieselbe Methode, die auch Jockeys verwenden. Und wenn sie es schaffen, damit ihre hochgezüchteten Rennpferde zu stoppen, müßte das doch auch bei deinem Pferd klappen!
Als Erstes muß du herausfinden, in welche Richtung sich dein Pferd leichter biegen läßt. Alle Pferde haben eine Lieblingsseite, zu der sie den Hals gern biegen, und eine, auf der es ihnen schwerer fällt. Bei den meisten Pferden ist links die "gute" Seite und rechts die "schlechte". Um dein Pferd im Galopp zu bremsen, bleibst du im leichten Sitz und nimmst die Zügel sehr kurz, vor allem aber den auf der steifen, schwer biegsamen Seite. Auf dieser Seite stemmst du jetzt die Zügelfaust fest gegen den Hals. Der Zügel muß so kurz sein, daß dein Pferd den Kopf zur ungeliebten Seite biegen muß. Achte darauf, daß auch der andere Zügel stramm ansteht. Du darfst nicht am Zügel ziehen! Laß die Zügelfäuste fest am Hals anliegen und nimm den auf der steifen Seite richtig kurz! Mit dieser Notbremse kannst du selbst einen Durchgänger innerhalb von zwei bis drei Galoppsprüngen zum Stehen bringen. Wenn es dir nur darum geht, das Tempo ein wenig zu verringern, wirkt der Trick auch. Biege den Pferdekopf mit fest am Hals anliegenden Fäusten ein wenig zur schlechten Seite und dein Pferd wird langsamer. | | |
Daneben das Foto eines Jockeys, der sein Pferd gerade mit dieser Methode durchpariert. Bildtitel: "So bremsen Jockeys ihre Rennpferde."
Da man die Methode nicht nur in Notsituationen benutzen kann, kann man sie ausreichend üben, damit sie im Notfall auch zur Verfügung steht.
Als ich das Foto sah, dachte ich, daß die Methode darin bestünde, das Pferd gegen ein Hindernis zu reiten, denn parallel zur Laufrichtung des Pferdes befindet sich auf dem Foto eine Absperrung, und es sieht so aus, als wolle der Jockey das Pferd in diese Richtung lenken.
Falls die oben geschilderte Methode nicht wirken sollte, eine feste Absperrung aber vorhanden ist, wirkt der Ritt gegen die "feste Wand" mit Sicherheit. Die Westernreiter nennen das "Fencing". Ein Pferd wird nicht gegen etwas anrennen, was undurchdringlich erscheint. Man wundert sich, wie schnell ein Pferd anhalten kann.
Ich bin einmal anläßlich einer Kutschfahrt der Todesgefahr entronnen, weil die Kutscherin das Gefährt gegen einen Zaun gelenkt hat, hinter dem eine Reihe von Tannen stand. Die Fahrt endete einigermaßen abrupt, es ging auch einiges zu Bruch, aber der Schaden an Sachen und Personen hielt sich in Grenzen. Nicht auszudenken, wenn es einen Verkehrsunfall gegeben hätte.
Mein Tipp: Trainieren Sie das schnelle Anhalten!
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