|  |  | |  | | Erster Trab über ein Stoppelfeld |  |  |  |
| Nach zwei Wochen war das Pferd gefunden. Ein Pferd, das man eigentlich so nicht unbedingt hätte kaufen sollen. Vollkommen roh und dreijährig, ohne erkennbare Eigenschaften und direkt von der Koppel.
Ein Pferd, das bisher nur seinen eigenen Herdenverband kannte. Als erstes wurde Rübe - wie wir ihn spontan umtauften - zur Eingewöhnung in die neue Umgebung mit Jule zusammengestellt.
Der große Rübe erklärte die kleine Jule sofort zu seiner neuen Mama. Die mehrfache Mutterstute Jule war allerdings über die ungewollte Nachkommenschaft empört, witterte bei meiner Frau sofort einen möglichen Liebesentzug sowie drohenden Futtermangel und traktierte das Riesenbaby nach Leibeskräften. Rübe ließ sich alles gefallen. Und so musste er sich sogar mit den kargen Rändern der Grasnabe zufriedengeben.
Kapitän-Master Schiller schaute das neu erworbene Tier nach dem Eintreffen im Stall mitleidig an und stellte mit Bedauern fest, dass ich mit diesem Pferd wohl meine, noch nicht begonnene, Jagdreiter-Karriere bereits beendet hätte. Die Kapitäns-Inspektion endete mit den tröstenden Worten "na ja, Gelenkprobleme wird der wohl nicht bekommen".
Danach schnaufte der Master tief, räusperte sich kurz und verließ die Stätte des Grauens. Seine Frau fand eine etwas moderatere Formulierung, indem sie sagte: "... für Dich ist das Pferd vielleicht ganz gut".
Einige Monate später - im März 2003 - hatte meine Frau das nun vierjährige Riesenbaby Rübe bereits so gut an- und eingeritten, dass auch ich endlich mit ihm in's Gelände konnte.
Dabei stellte sich heraus, dass Rübe problemlos mit Warmblutpferden mithalten konnte, gern galoppierte und zur Verwunderung aller sogar freiwillig über Gräben und feste Hindernisse sprang. Der Ausbildung durch seine Mama, der vollkommen anarchistischen Leitstute Jule folgend, tat er dies allerdings nur bei guter Laune und schönem Wetter.
Also nahmen wir eine Woche Urlaub und fuhren mit den Mastern Schiller und Seismann sowie mit einer ganzen Reihe anderer Jagdreiter und mit unseren Pferden in die Lüneburger Heide.
Am Ende der Woche sollten zwei Jagden der Jagdgemeinschaft Gut Pollen am Freitag und am Sonntag stattfinden (» Die Jagdgemeinschaft Gut Pollen in NRW). Die erste Jagd am Freitag wollte meine Frau mit Rübe reiten, um festzustellen, wie er sich auf einer Jagd verhält. Die zweite Jagd am Sonntag sollte ich dann mit Rübe bestreiten.
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