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Hatz oder Hetze

 
 
 
Unbekannt, Deutschland
Plakatwerbung, Ausschnitt
Offsetdruck, ca. 2x3 m
An der Lübbecker Straße in Löhne-Mennighüffen, Foto 2.8.03

Ich habe in den sechziger Jahren Abitur gemacht und bin Ende der siebziger Jahre Lehrer geworden. Zu meiner Schulzeit wurden im Kunstunterricht außer der praktischen Arbeit ausschließlich Kunstbetrachtungen angestellt. Zehn Jahre später war es damit vorbei.

Die Schulreform hatte sich darauf besonnen, daß das Sehen im täglichen Leben eine sehr große Rolle spielt. Der Kunstunterricht sollte nun das Sehen analysieren, interpretieren und vermitteln. Man nannte das konsequenterweise nicht mehr Kunstunterricht, sondern "Visuelle Kommunikation". Werbung wurde damit für den Unterricht salonfähig.

Diese Reihe beschäftigt sich in erster Linie mit Pferden in der Kunst. Da Pferde gewissermaßen allgegenwärtig sind, kann ich am Thema "Pferde in der Werbung" nicht vorbeigehen.

Dieses Plakat habe ich vor vier Wochen aufgenommen und seither nirgendwo wiedergesehen. Es hängt immer noch gegenüber meiner Tankstelle, zusammen mit einer Werbung für Blutspenden.

Ob es wohl wirksam ist? Es ist zweifellos ein Blickfang. Die Werbebotschaft erschließt sich aber nur dem, der anhält und das Plakat in aller Ruhe studiert. Wer, außer mir, hat das wohl getan?




Kommentar
Von   Werner Stürenburg

Die beiden Plakate · © 2008
 
Die beiden Plakate
Gesamtansicht · © 2008
 
Gesamtansicht
Es ist nun schon eine Weile her, daß ich das Plakat aufgenommen habe. Plakatwerbung springt uns an jeder Ecke ins Gesicht. Die natürliche Reaktion ist, sich gegen derartige aggressive Angriffe abzuschotten.

Die ebenso natürliche Reaktion der Werbewirtschaft auf die zunehmende Unempfindlichkeit der Zielgruppen ist eine weitere Eskalation. Wo immer der Blick des Mitmenschen verweilen mag: diese Stelle wird früher oder später als Werbefläche entdeckt werden. Über Werbung auf Zapfpistolen wundert man sich schon gar nicht mehr.

Plakatwände sind demgegenüber ein alter Hut. Sie sind groß, sie sind billig, sie sind nicht geächtet. Hier kann man noch frei für Zigaretten werben. Wenn sie noch dazu an günstiger Stelle plaziert sind, dürften sie auch enorm wirksam sein.

Wer an einer Ampel warten muß und sich langweilt, wird nicht umhinkommen, die Botschaft der Plakatwand gegenüber zur Kenntnis zu nehmen. Die Plakatwand in der Lübbecker Straße ist ungünstig für diese Art Wahrnehmung. Die Leute fahren daran vorbei. Wer aus der Tankstelle herauskommt, beobachtet den fließenden Verkehr und wird auch nicht gerade auf die Plakatwand schauen.

Dabei ist das Plakat links durchaus plakativ - damit will ich sagen: man erfaßt die Botschaft auf den ersten Blick. Dieses Plakat habe ich denn auch im Vorbeifahren zur Kenntnis nehmen können und verstanden. Das dicke rote Kreuz, die kurze, prägnante Aussage, die Frau als Blickfang: so wird Plakatwerbung normalerweise gebaut. Das Plakat rechts daneben ist völlig anders.

Es ist malerisch, Ton in Ton, der Text ist selbst bei längerer Betrachtung kaum zu entziffern, und die Bildaussage erschließt sich erst, wenn man das Bild wirklich komplett mit den Augen abtastet. Einzig der Reiter springt ins Auge und löste bei mir natürlich einen Reflex aus. Damit war das Bild per se interessant. Ich habe sogar irgendwie wahrgenommen, daß es sich um einen Polospieler handelt. Das war aber alles. Ich hatte keine Vorstellung, worum es bei der Sache gehen sollte. Sollte es sich etwa um eine neue Art Zigarettenwerbung handeln? Was sollte hier verkauft werden?


Polo

Ich konnte mir nicht vorstellen, daß Polo als Sportart propagiert werden sollte. Wird hierzulande überhaupt Polo gespielt?

Und wenn - es dürfte sich um eine sehr kostspielige Sportart handeln, eine Massenwerbung auf der Lübbecker Straße wäre nun wirklich sinnlos. Es wird ja noch nicht einmal für die modernen Volkssportarten Tennis oder Golf geworben, vom Reiten ganz zu schweigen.

Selbst als ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand, den Fotoapparat in der Hand, war ich keinen Schritt weiter. Am unteren Bildrand eine weiße Beschriftung, die auf die Entfernung gar nicht zu lesen war, rechts unten ein Logo, das mir nichts sagte, links unten in der Ecke das Logo vom Tierhilfswerk. Ich kann mich nicht genau erinnern, ob ich das entziffern konnte, aber ich denke schon, denn ich habe nicht die Straßenseite gewechselt.

Dann habe ich wohl die jungen Füchse entdeckt und mir ging auf, daß es sich hier nicht um eine Sportreklame handelt, daß auch kein Produkt verkauft werden soll, daß die Botschaft vermutlich hintergründiger ist. Die Kombination des Polospielers, der gerade zum Schlag ausholt, mit jungen Füchsen ist absurd. Eine solche Situation gibt es nicht.

Das Bild ist natürlich eine Montage. Die Füchse gehören nicht in diese Landschaft, der Polospieler schon gar nicht. Es wird auch nicht Polo gespielt, denn Polo ist ein Mannschaftsspiel, das auf einem gepflegten Rasen vor Publikum gespielt wird, nicht mitten in der einsamen Landschaft.

Diese Montage wurde vorgenommen, um Empörung hervorzurufen, so viel war mir jetzt klar. Es ging um Tierschutz. Sollte sich die Botschaft gegen das Polospiel richten? Immerhin schaut das Pferd ziemlich panisch. Nach dem Motto: "Rettet die Pferde vor den Polospielern!"

Der Spieler fixiert sein Ziel, den Ball, und ist entschlossen, mit seinem Schlag zu treffen. Dort, wo der Ball sein sollte, sitzt ein junger Fuchs. Der dürfte bald einen ziemlich heftigen Schlag auf sein Hinterteil verspüren. Möglicherweise wird ihm dabei das Rückgrat gebrochen, zumindest dürfte er verletzt werden. Man möchte sich die Situation nicht weiter ausmalen.

Nun haben wir ja etwas von visueller Kommunikation gehört. Was wird hier kommuniziert? Die Bilder klären uns nicht weiter auf. Natur, Fuchskinder, Polospieler - so weit, so gut, nur ergibt das keinen Sinn, den wir entziffern könnten. Ein Polospieler würde niemals auf die Idee kommen, in der freien Natur mit Füchsen zu trainieren. Die Füchse würden natürlich auch nicht harmlos herumsitzen, wenn so ein Polospieler in vollem Galopp herangedonnert kommt.

Die visuelle Kommunikation findet also gar nicht statt, weil nichts kommuniziert wird. Kommunikation ist Austausch von Botschaften, die vom Sender als sinnvoll erachtet werden und vom Empfänger als sinnvoll dekodiert werden können. Wenn ein geistig verwirrter Mensch auch noch so lange redet, der Zuhörer kann ihn nicht verstehen, die Rede ergibt keinen Sinn, Kommunikation ist daher nicht möglich.

Dennoch soll dieses Bild etwas bewirken. Wer wird hier aufs Korn genommen? Sollen die Polospieler diffamiert werden? Wer hat was dagegen, daß die ihre Bälle durch die Gegend schlagen? Hat jemand davon gehört, daß die Füchse durch rücksichtslose Reiter gestört und in ihrer Entwicklung behindert werden? Geht es überhaupt um die Füchse? Müssen die Füchse geschützt werden? Sind die inzwischen ebenfalls bedroht und auf der Roten Liste?

Da entdeckte ich die spiralförmig angeordnete Schrift. Mit modernen Bildbearbeitungsprogrammen kann man so etwas leicht erzeugen. Diese Technik ist nicht besonders populär, denn eine solche Verformung reduziert die Lesbarkeit. Ich war denn auch überhaupt nicht in der Lage, den Spruch zu entziffern, ohne meinen Kopf entsprechend zur Seite zu legen.


Die Botschaft

Ausschnitt, gedreht · © 2008
 
Ausschnitt, gedreht
Die Schrift ist nicht nur spiralförmig angeordnet, sie wird auch größer, oder anders gesagt: sie fängt ziemlich klein an. Es ist dadurch kaum möglich, das erste Wort korrekt zu entziffern. Es lautet: Jäger.

Der ganze Spruch:

Jäger verwechseln Mord mit Sport.

Wieder wird Kommunikation eher verhindert als gefördert. Wenn ich eine wichtige Botschaft habe, sorge ich dafür, daß der Empfänger diese Botschaft möglichst leicht, vollständig und sinngemäß entziffern kann. Die weiße Schriftfarbe auf dem zartbraunen Hintergrund, die Anordnung der Buchstaben, die wechselnde Schriftgröße - alles Maßnahmen, die Lesbarkeit zu erschweren.

Inhaltlich war ich empört. Nicht in dem Sinne, den die Tierschützer gemeint hatten. Dieser Spruch ist flott, er reimt sich sogar, aber er ist genauso absurd wie das ganze Plakat. Meine Reaktion war: Was sagen die Jäger dazu? Ich dachte an einen ähnlichen Fall, wo jemand dafür belangt wurde, den Spruch "Soldaten sind Mörder" verbreitet zu haben.

Erinnern Sie sich? Soldaten, das wissen wir, tragen manchmal Waffen, von denen sie zuweilen Gebrauch machen beziehungsweise machen müssen. Dabei kann es vorkommen oder sogar ausgesprochene Absicht sein, daß Menschen getötet werden. Dasselbe trifft übrigens auch auf Polizisten zu.

Ein Mörder ist jemand, der jemand anderen absichtlich ums Leben bringt, ohne daß dazu eine Notwendigkeit besteht. Wenn ich jemanden in Notwehr umbringe, bin ich kein Mörder. Wenn ein Polizist jemanden umbringt, ohne daß dazu eine Notwendigkeit besteht, ist er ein Mörder und wird entsprechend belangt. Dasselbe trifft auf Soldaten zu.

Jäger bringen Tiere um, das ist unbestritten. Besteht dazu eine Notwendigkeit? Die Jäger behaupten: ja. Wie man am Beispiel der Mustangs in Amerika sieht, muß der Mensch unter Umständen den Bestand einer Tierpopulation kontrollieren, weil sonst das Gleichgewicht der Natur durcheinandergerät.

Oder genauer gesagt: Da sich die Natur immer ins Gleichgewicht bringt, würde die Natur sich in eine Richtung verändern, die wir Menschen nicht gutheißen können. Da die Pferde in Amerika keine natürlichen Feinde haben, würden sie sich unbeschränkt vermehren. Dadurch wiederum würde die Flora irreparablen Schaden leiden und die Landschaft auf Dauer zunächst versteppen, sich dann in eine Wüste verwandeln (wenn ich das richtig verstanden habe; siehe dazu  Wild Horse Annie,  Das Pferd kehrt zurück,  Spanisches Erbe - bunt gemixt).

Entsprechend würden bei uns Wildschweine, Rehe, Hirsche, Damwild sich so stark vermehren, daß Forst- und Landwirtschaft enorm beeinträchtigt wären. So jedenfalls lautet die landläufige Erklärung der Jäger. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen, aber es erscheint mir plausibel.

In den ersten Jahren haben wir unsere Pferde auf einer Wiese gehalten, die der Besitzer zu einer Obstwiese umwandeln wollte. Daraus wurde leider nichts. Dafür haben nämlich die Pferde gesorgt. Die jungen Bäume wurden allesamt von den lieben Pferden umgebracht. Im Wald müssen die jungen Bäume durch Zäune vor den lieben Wildtieren geschützt werden, denn sonst wird daraus ebenfalls nichts.


Mörder

Winterlandschaft, Ton in Ton, 21.2.2003<br> Originalfoto vom Eßzimmerfenster · © 2008
 
Winterlandschaft, Ton in Ton, 21.2.2003
Originalfoto vom Eßzimmerfenster
Ausschnitt: spielende Hasen · © 2008
 
Ausschnitt: spielende Hasen
Von meinem Schreibtisch aus kann ich zuweilen Hasen und Rehe beobachten; Wildschweine, Füchse und anderes Großgetier, das in dieser Gegend leben mag, habe ich noch nicht gesehen. Diese Tiere haben sich an den Menschen gewöhnt.

Was wäre, wenn es immer mehr davon gäbe? Ganz klar: die Landschaft würde sich drastisch verändern. Es gäbe bald keinen Wald mehr. Dann würden die Tiere sich noch mehr an den Kulturpflanzungen vergreifen.

Ich bin kein Jäger und könnte unter normalen Umständen auch nie einer sein. Ich möchte keine Tiere umbringen. Ich könnte ohne Übung und ohne Überwindung tote Tiere auch nicht aufschneiden.

Das weiß ich genau, weil ich vor mehr als 30 Jahren einmal tote Fische geschenkt bekommen habe, die frisch geangelt waren; ich mußte sie selbst ausnehmen. In dieser Nacht hatte ich einen Alptraum.

Ich weiß aber, daß ich sentimental bin, und ich kann es mir leisten. Dieses Leben besteht aus Fressen und Gefressenwerden. Ich habe nur aufgrund unserer modernen Lebensumstände mit dem Töten von Tieren direkt nichts zu tun: ich überlasse das anderen Leuten. Sollen die sich doch mit diesen unangenehmen Dingen befassen!

Nun esse ich sehr wenig Fleisch, verschmähe es aber nicht grundsätzlich, und auf Käse oder Eier möchte ich nicht verzichten. In letzter Konsequenz bin ich also, ebenso wie die Jäger, in den Augen der Leute, die sich diese Kampagne ausgedacht haben, ein Mörder.

Da muß ich energisch protestieren! Es ist eine Notwendigkeit, daß ich meinen Körper erhalte. Daher muß ich essen. Zu diesem Zweck müssen Pflanzen und Tiere getötet werden. Es handelt sich nicht um Mord.

Hier wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Ich will die ganze Argumentation nicht noch einmal wiederholen, aber Sentimentalität ist in dieser Frage fehl am Platze ( Tierschutz oder Tierrecht?). Die Katze frißt die Maus, weil die Natur das so eingerichtet hat. Wenn ich mich vegetarisch ernähre, töte ich Pflanzen - natürlich wieder nicht direkt, weil ich die Pflanzen nicht selber anbaue, aber indirekt; man kann also sagen, daß ich andere Leute damit beauftrage: ein Schreibtischtäter.

Pflanzen sind Lebewesen. Wo ist da der Unterschied? Ich meine natürlich nicht den Unterschied im Detail, sondern den Unterschied im Grundsatz. Es handelt sich hier um philosophische Fragen. So weit wollen diese Tierschützer aber vermutlich nicht gehen. Sie wollen nicht so tief nachdenken. Sie verhetzen eine Gruppe in unserer Gesellschaft, und das, ohne Argumente zu geben.

Das Kleingedruckte auf dem Plakt, ebenso schlecht lesbar, lautet:

Jährlich sterben in Deutschland über 5 Millionen Wildtiere aus purer Lust am Töten der Sportjäger. Kopfschütteln hilft nicht. Spenden schon. Spendenkonto: PGA Berlin, Kontonummer xxx, Bankleitzahl zzz, www.noah.de

Wer will diese 5 Millionen Wildtiere jährlich anderweitig aus der Welt schaffen? Oder sollen die etwa alle am Leben bleiben und damit das Gleichgewicht in unserer künstlichen Natur, der Kulturlandschaft, durcheinanderbringen? Diesen Fragen stellt sich die Tierschutzorganisation leider nicht.


Preispolitik

Der Satz ist übrigens sprachlich gesehen eine Katastrophe. "Jährlich sterben in Deutschland über 5 Millionen Wildtiere aus purer Lust am Töten der Sportjäger." Die Wildtiere sterben natürlich nicht aus purer Lust. Schon gar nicht haben sie Lust, die Sportjäger zu töten. Und die Wildtiere sterben auch nicht an der Lust, die sie empfinden, wenn sie die Sportjäger töten.

Gemeint ist natürlich: Die Jäger, hier Sportjäger genannt (diesen Begriff kenne ich gar nicht), töten aus purer Lust, und zwar Wildtiere.

Es handelt sich also, wenn ich das richtig verstehe, nach Auffassung der Tierschützer um Lustmorde. Lustmorde kommen vor, wie wir wissen. Und es sind Männer, die aus Lust morden (soweit ich weiß) - junge Frauen natürlich oder Mädchen, vielleicht auch Jungen. Hier wird die Lust am Töten pauschal den Jägern angedichtet.

Das wird zum Anlaß genommen, die Jagd auf die Jäger zu eröffnen. Aber halt - soweit sind wir noch nicht. Das Plakat fordert uns nicht auf, die Hatz auf die Jäger aufzunehmen. Die Hetze soll uns dazu animieren, unseren Geldbeutel zu zücken. Da bin ich aber erleichtert! Wir sollen keine Jagdveranstaltungen stören, Hochsitze ansägen, Jägern auflauern. Die Sache ist ganz harmlos, es geht nur um Geld. Da stellte sich mir die Frage: Wieviel hatte dieser Spendenaufruf gekostet?

Gleich nebenan wurde ebenfalls zum Spenden aufgefordert, in diesem Fall zum Blutspenden. Diese Aktion kostet natürlich auch. Bekanntlich verkauft das Deutsche Rote Kreuz die Blutspenden an die Krankenhäuser und verdient damit Geld, was dann zum Teil wieder für solche Werbeaktionen draufgeht.

Dank Internet hat sich die Sache mit der Finanzierung der Anti-Jäger-Aktion sofort aufgeklärt. Auftraggeber ist ein Verein (» NOAH Menschen für Tiere e.V.), dessen dreiköpfiger Vorstand sich namentlich vorstellt, zwei davon sogar mit Foto (» Das NOAH-Team). Als Tierschützer führen sie noch einen Hund als viertes Vorstandsmitglied auf. Der Hund wird ebenfalls per Foto vorgestellt. Damit sind die Verantwortlichkeiten klar.

Der Verein veröffentlicht seine Finanzen (» Kassenbericht). Es stellt sich heraus, daß die bewegten Summen durchaus moderat sind. Das verwundert insbesondere in Anbetracht der Aktionen und wird dadurch erklärt, daß die Beteiligten ohne Honorar arbeiten. So zum Beispiel die Werbeagentur, die für dieses Plakat verantwortlich ist (» Jung von Matt).

Die Werbeagentur hat für dieses Plakat sogar einen Preis bekommen ("Award des Art Directors Club Germany, der wichtigste Award für kreative Werbung in Deutschland": » 3. April 2003: NOAH gewinnt ADC-Awards). Ich wundere mich. Schlechtes beziehungsweise falsches Deutsch wird also ausgezeichnet. Weit sind wir gekommen!

Die Leute, die diese Preise vergeben, denken offenbar auch nicht nach. Die Sitten sind bereits sehr verroht. Nach meinem Dafürhalten müßte diese Anzeigenkampagne im Gegenteil genauso geächtet werden wie seinerzeit die berüchtigte Anzeigenkampagne von Benetton (» Benetton-Satire).

Es wird polemisiert, auf Argumente kann man verzichten (» Pressemitteilung):

Die Argumente der Jagdlobby, mit der sie unermüdlich ihren sinnlosen Zeitvertreib zu rechtfertigen versucht, sind so alt wie falsch. Von angewandtem Naturschutz ist da die Rede, als würden Fauna und Flora ohne die zärtliche Fürsorge bewaffneter Landschaftsgärtner aus dem Gleichgewicht geraten. Leider ist das genaue Gegenteil der Fall. Auch die Behauptung, Jagen sei lediglich sportlicher Ausdruck eines im Menschen tief sitzenden Untriebs, ist unhaltbar. "Uns ist kein Sport bekannt, dessen Ziel es ist, Leben auszulöschen", sagt Martin van de Loo, Vorsitzender der Tierschutzorganisation. NOAH sieht das daher gar nicht sportlich und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die verherrlichende Selbstdarstellung der Jäger etwas zu entzerren.

Zu dieser Scheinargumentationskette nur eine kleine Überlegung: Es ist im Gegenteil ganz offensichtlich, daß die meisten Sportarten direkt oder indirekt zum Zweck der Tötung des Feindes entwickelt worden sind: Speerwerfen, Diskuswerfen, Bogenschießen, Reiten ( Steppenreiter unter sich), Fechten, Boxen, die ganze Latte der Kampfsportarten usw. Selbst die Beispiele sind in Südamerika zunächst mit den Köpfen der Feinde veranstaltet worden.

Die Argumentation und das klare Denken sind anscheinend nicht die Stärke der Tierschützer. Sie wundern sich, warum der Gesetzgeber die Sache nicht so simpel sieht wie sie selbst. Vielleicht sollten sie sich einmal etwas näher mit der Materie befassen.

Die eingangs gestellte Frage, was die Jäger zu dieser Anzeigenkampagne sagen, beantwortet sich vielleicht dadurch, daß die Jäger von dieser noch nichts mitbekommen haben, weil die Kommunikationsexperten ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Kommunikation findet nicht statt.



Quellen / Verweise


  1.  Wild Horse Annie, Hauptgeschichte
  2.  Das Pferd kehrt zurück, Hauptgeschichte
  3.  Spanisches Erbe - bunt gemixt, Hauptgeschichte
  4.  Tierschutz oder Tierrecht?, Hauptgeschichte
  5. » NOAH Menschen für Tiere e.V.
  6. » Das NOAH-Team
  7. » Kassenbericht
  8. » Jung von Matt
  9. » 3. April 2003: NOAH gewinnt ADC-Awards
  10. » Benetton-Satire
  11. » Pressemitteilung
  12.  Steppenreiter unter sich, Hauptgeschichte


Fotos
Wie angegeben, ggfs. unter Berufung auf das Zitatrecht (Fair Use).





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