|  | | Gibt es hier etwas Leckeres? |  |  |  |
| | | Besonders hungrig schienen die Pferde nicht zu sein, aber trotzdem taten sie das, was Pferde nun einmal den ganzen lieben langen Tag tun, wenn sie nicht gerade dösen: fressen. Zwar war der obere Teil der Wiese, wo ich die "Ponies" entdeckt hatte, ziemlich zertrampelt, aber sonst gab es eine Fülle von kleinen Gewächsen und vor allen Dingen Brennesseln, diese vornehmlich jenseits des Zauns im Wald.
Und genau diese Brennesseln schienen die Pferde zu interessieren. Das fand ich bemerkenswert. Ich hatte in der Vorwoche nämlich Pit (das Pferd meiner Tochter Merle) erstmals dabei beobachtet, wie er sich freiwillig und ausgiebig an frischen Brennesseln gütlich tat (siehe Poster Brennesseln).
Früher hatte ich schon festgestellt, daß unsere Pferde gern Brennesseln fressen, wenn sie abgeschnitten worden sind. Es dauert nach meiner Beobachtung ungefähr zehn Minuten, bis sie heranschlendern und sich über die Brennesseln hermachen. Auf jeden Fall ist am nächsten Morgen von den Brennesseln nichts mehr zu sehen. Um frische Brennesseln schienen sie immer einen großen Bogen zu machen.
Überhaupt hatte ich mich sehr gewundert. Es war in der letzten Woche schon sehr heiß, aber im Tal der Wiese am Wiehengebirge, wo Pit und Smoky (das Pony meiner Tochter Leevke) jetzt stehen, war noch genug Feuchtigkeit - normalerweise ist es dort sogar leicht sumpfig. Es gab daher auf der ganzen Wiese reichlich Stellen, wo schmackhaftes Gras wuchs.
Statt dessen trieben sich Pit und Smoky auf einer vollkommen abgegrasten Ecke herum, wo ohnehin nicht viel gestanden hatte, und suchten dort offensichtlich nach trockenem Zeug ( Rätsel). Smoky habe ich längere Zeit dabei beobachtet und fotografiert, wie er mit großem Appetit trockene Stengel frißt ( Trockenfutter).
Und nun hier in Güterstein dasselbe. Merkwürdig. Zwischendurch knabberten die Pferde natürlich an den vielen Kräutern und Bäumen - ganz entspannt und zufrieden. Wer Durst hatte, schlenderte einfach die paar Schritte hinunter zum Bach und labte sich an dem frischen Quellwasser.
Selten einmal mußte eines der Pferde einem anderen signalisieren, daß es eine Verhaltensgrenze überschritten hatte. Es wurde nicht gegiftet, es wurde nicht gejagt, es wurde nicht einmal gespielt. Nur eine kleine Bißwunde habe ich entdeckt, kaum der Rede wert.
Daraus konnte ich schließen: Diese Herde kannte sich genau, sie war stabil, die Rangordnung war geklärt und wurde nicht in Frage gestellt. So konnten sich die Pferde wohlfühlen und sich in aller Ruhe entwickeln. Wenn man auch später viel mit diesen Pferden vorhatte: dies war eine Zeit, in der der Mensch nur wenig eingriff, in der die Pferde sich selbst sozialisieren sollten.
Ich erinnerte mich an das Interview mit dem Islandpferdezüchter Kollmeyer ( Zuchterfolge). Bei dem kam das Jungvolk natürlich auch zusammen in größeren Gruppen auf die Weide.
| Bei uns lernt das Fohlen den Menschen von Anfang an kennen, aber es lebt in der Herde, und da lernt es, sich unterzuordnen. Mit so einem Fohlen haben Sie später wenig Probleme. | Dieses Gestüt geht offenbar genauso vor und nutzt die Mechanismen der Natur. Ist das ein Luxus? Welcher Züchter kann seinen Pferden so etwas bieten?
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