| | |  | | Innenansicht: es ist kein Round Pen |  |  |  |
| Die Gestütsgebäude sind ganzjährig geöffnet; es gibt sogar richtige Öffnungszeiten. Güterstein war jedoch verlassen und leer. Im ersten Stock wohnt jemand, an der Klingel ist zu lesen: Werner Tautermann, Hauptsattelmeister. Es ist niemand zu Hause.
Hinter dem Brunnen steht noch ein Haus, in dem einmal jemand gewohnt hat. Es steht offenbar schon lange leer. Wo sind die Pferde? Vor dem Hauptgebäude, links vom Weg, ist ein neues Gebäude errichtet worden. Schon von weitem erkennt man, daß es sich um ein Rundgebäude handelt.
Sollte dies ein Round Pen sein, wie man ihn vom Westernsport her kennt? Sollte das "Handwerkszeug" eines Monty Roberts Eingang in die Praxis eines deutschen Landgestüts gefunden haben?
Das würde mich noch mehr wundern, wenn ich nicht vor einigen Jahren in der Tierklinik, bei der wir Kunde waren, versteckt unter Bäumen ebenfalls ein Round Pen gefunden hätte. Warum auch nicht? Wenn etwas gut ist, kann man es doch übernehmen!
Nun war dieses Gebäude erstaunlich massiv und groß. Da wollte ich doch einmal einen Blick hineinwerfen. Und siehe da: es war kein Round Pen. Denn ein solcher ist innen leer, wie eine Manege. Hier war die Mitte abgeteilt. Das Ganze sah eher aus wie ein Laufmaschine ohne Maschine.
Ich schaute rechts am Gebäude vorbei und erblickte am Waldesrand im Schatten der Bäume etwas, das mir wie ein weißes Pony aussah. Nanu? Ich hatte Hühner gesehen, Gänse, Enten - sollte man sich auch noch Ponies halten? Warum nicht? Wenn Kinder im Haus sind?
Dann schien mir, als blinke da noch ein weiteres Pony unter den Bäumen hervor. Ich beschloß, die Angelegenheit zu untersuchen. Wenn ich schon keine Fohlenherde zu Gesicht bekommen sollte, könnte ich vielleicht ein paar Ponies fotografieren.
Je weiter ich mich der Sache näherte, desto mehr Pferde konnte ich erkennen - bald wußte ich: ich hatte die Herde entdeckt. Das machte ja auch Sinn: Es war brütend heiß. Am Tage zuvor hatte ich Pferde fotografiert, die in der sengenden Sonne grasten (siehe Poster dieser Woche: Sommerhitze). Wenn eine Weide zur Hand war, die weitgehend Schatten bot - warum nicht in dieser extremen Wetterlage davon Gebrauch machen?
Um zu dieser Weide zu kommen, mußte ich einen Bachlauf überqueren. Glücklicherweise führte dieser wenig Wasser, es lagen auch genügend Steine in brauchbarer Größe herum, so daß ich ohne weiteres trockenen Fußes auf die andere Seite kommen konnte. Da standen die Pferde und schauten herüber, neugierig, wer sie da wohl besuchen wollte.
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