|  | | Hauptsattelmeister Werner Tautermann |  |  |  |
| | |  | | Zärtliches Spiel oder soziale Interaktion? |  |  |  |
| Bis auf wenige Ausnahmen trugen alle Pferde Halfter. Ein Halfter war kaputt. War das erst kürzlich passiert? Es fehlte der Karabinerhaken. Danach hätte ich den Hauptsattelmeister Tautermann fragen können. Der war inzwischen nämlich zurückgekehrt - in der Stille konnte man das Auto nicht überhören.
Freundlicherweise erklärte sich Herr Tautermann zu einem Gespräch bereit. Wie ich mir schon gedacht hatte, standen die Pferde nicht ohne Grund auf der schattigen Wiese, auf der wegen der schlechten Lichtverhältnisse sonst kaum Gras wuchs.
Sie sollten auch bald in den Laufstall geholt werden, weil es selbst auf der Waldwiese inzwischen zu warm wurde. Spät abends sollten Sie dann auf eine normale Wiese kommen und dort die Nacht verbringen.
Im Laufstall werden die Pferde angebunden, damit sie ihren Hafer und ihr Mineralfutter ungestört fressen können. Sie werden dann auch geputzt.
Deshalb gibt es die vielen Anbindevorrichtungen im Laufstall. Die Tafeln an der Wand bezeichnen die Plätze der einzelnen Tiere.
Auf der Wiese war es gar nicht so einfach gewesen, sich einen Überblick zu verschaffen. Ich hatte mehrfach gezählt und war auf 24 gekommen; Werner Tautermann wußte es natürlich genau: 26 Pferde sind derzeit in seiner Obhut.
Normalerweise arbeitet Tautermann mit einem Kollegen zusammen, nur am Wochenende ist die Besatzung reduziert. Niemals sind die Pferde ohne Aufsicht; dazu liegt das Gut zu einsam. Wenn er mal nicht zu Hause ist, übernachtet sein Kollege dort.
Ein Teil der Herde sind Pflegepferde. Die Produktion des Hauptgestüts schwankt natürlich. Manchmal gibt es mehr Hengstfohlen, manchmal mehr Stutfohlen; im allgemeinen sind es zwischen 10 und 20 Stutfohlen.
Güterstein kann bis zu 30 Stutfohlen aufnehmen. Die freien Plätze werden durch Pflegepferde aufgefüllt, die im ersten Lebensjahr stehen und Ende August bis Anfang Oktober angeliefert werden müssen (» Fohlenpension). Im Laufe der Jahre gibt es natürliche Abgänge, so daß sich die Gruppestärke vermindern kann.
Der tägliche Ablauf ist wohlgeregelt und wird nur selten abgewandelt. Wenn die Haferration verzehrt ist, werden die Pferde losgebunden. In der Mitte des Laufstalls werden 8-10 Ballen Heu verteilt, eventuell auch Silage.
Im Winter kommen die Pferde ins Rondell, damit man den Laufstall säubern kann und die Pferde mal was anderes sehen. Daher also dieses merkwürdige Gebäude, das seinem Nutzungszweck offenbar vollkommen angepaßt ist.
Eine Wiese wäre im Winter zu schade; sie wäre schnell ruiniert. Anders sieht es aus, wenn Frost herrscht und Schnee liegt. Dann kommen die Pferde auch im Winter auf die Weide. Tautermann weiß, daß Kälte den Pferden nichts anhaben kann: "Nur Zugluft ist schädlich." Deshalb interessiert mich, wie die Aussage von Herzog Karl Eugen zu verstehen ist, der "fand, daß es im Gütersteiner Tal für die Pferde zu kalt sei".
Der Hauptsattelmeister hält es für möglich, daß es heute im Winter nicht mehr so kalt ist wie damals. Er vergleicht die Verhältnisse seiner Kindheit mit denen der letzten 20 Jahre, als es keine richtigen Sommer und keine richtigen Winter mehr gegeben hatte. Heutzutage ist die Kälte jedenfalls kein Thema mehr.
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