Falls Sie in dieser Zeit mit der "Admiral of Scandinavia" von Amsterdam nach Newcastle gefahren sind, hat vielleicht Jürgen Schiller das Kommando gehabt. Gut, das gibt es, aber: Wie kommt ein Kapitän vom Schiff aufs Pferd? So ein Kapitän hat acht Tage Dienst und acht Tage frei: "Ich bin immer ein halbes Jahr zu Hause gewesen, aber natürlich oft zur falschen Zeit." Und dann habe ich etwas über die Laufbahn eines Seemanns gelernt. Jürgen Schiller hat angefangen als Schiffsjunge, war dann Leichtmatrose, Jungmaat, Matrose - wenn ich das nicht durcheinanderbringe - jedenfalls nennt man diese Ausbildungsstufen die "Ausbildung vor dem Mast". Dann kam die Ausbildung zum Offizier. "Die Organisation auf einem Schiff ist streng hierarchisch." Als Offizier fängt man normalerweise als dritter Offizier an, aber aus irgendwelchen Gründen wurde Jürgen Schiller gleich zweiter Offizier, machte sein Kapitänspatent in Lübeck, wo alle Patente gemacht werden, wurde dann erster Offizier und schließlich Kapitän. "Das wird natürlich nicht jeder, so viele Schiffe gibt es gar nicht." Das nennt man die nautische Laufbahn. Jürgen Schiller wundert sich, wie das gehen kann, daß er als Nichttechniker einem leitenden Ingenieur Anweisungen erteilt. "Man steht ja einem hochtechnisierten Betrieb vor. Vermutlich liegt das am Tonfall." Das denke ich auch. Es geht um Menschenführung, auf einem Schiff und bei einer Jagd. Mit Demokratie und Abstimmungen kommt man in beiden Fällen vermutlich nicht sehr weit. Und wie kam er zu seinem Bauernhof? "Den habe ich gekauft. Wir hatten zu Hause 43 Hektar, und jetzt habe ich sechs Hektar, das reicht für die Pferde. Als 17jähriger habe ich mir schon ausgemalt, daß ich einmal wenigstens einen Resthof haben möchte." Jürgen Schiller also hat die Petersfelder Herbstjagd geprägt und wird das vermutlich auch noch eine Reihe von Jahren tun. Und dann? "Ich bin jetzt 67, Jochen Seismann ist zehn Jahre jünger, der übernimmt das jetzt langsam. Der ist hier geboren, der kennt Gegend und Leute viel besser als ich." Genau: Wie macht man das, wenn man Straßen sperrt? Was sagen denn die Behörden dazu? "Ach wissen Sie, wenn man sich mit dem Feuerwehrhauptmann duzt, dann sagt man: Klaus, wie ist das? Und schon läuft es. Es ist ja nur eine Straße, die Pferde überqueren die geschlossen zu Paaren. Wir haben nur einmal Probleme gehabt: Meistens schauen die Leute sich das Spektakel an und freuen sich, und wer keine Zeit hat, dreht einfach um und fährt andersrum. Nur einmal hatten wir Streß, ausgerechnet mit einer Frau aus dem Reitstall, die mit ihrem dicken Geländewagen immer näher an den Feuerwehrhauptmann ranfuhr, doch der wich nicht. Bevor es aber zur Kollision kam, waren die Pferde schon alle über die Straße."
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