|  | | Der Stock weist den Pferdehändler aus |  |  |  |
| |  | | Der schaut dem Pferd ins Maul |  |  |  |
| Die meisten Menschen würden viel lieber privat kaufen als bei einem Händler. Das erscheint so selbstverständlich, daß man vermutlich gar nicht darüber nachdenkt. Aber ist das wirklich so selbstverständlich?
Ich habe mich darüber immer gewundert. Wenn eine Privatperson ein Pferd verkauft: welche Motive stecken dahinter? Kommt diese Person mit dem Pferd nicht mehr klar? Hat dieses Pferd Mängel, so daß es nicht mehr brauchbar ist? Soll über diese Mängel hinweggetäuscht werden, damit der Kauf zustandekommt?
Mit anderen Worten: Wieso sollte eine Privatperson vertrauenswürdiger sein als ein Händler? Im Gegenteil: ein Händler dürfte vertrauenswürdiger sein, weil er vom Handel lebt. Würde er mit gezinkten Karten spielen, wäre das direkt geschäftsschädigend - in ziemlich kurzer Zeit wäre sein Ruf ruiniert.
Astrid Lindgren schildert das sehr einfühlsam in der Szene, wie Michel sein Pferd Lukas auf dem Markt in Lönneberga bekommt: Der Pferdehändler muß zu seinem Wort stehen, sonst hätte er sich unter den Bauern unmöglich gemacht (siehe Michel aus Lönneberga).
Dabei ist ein Händler in einer wesentlich schlechteren Situation als ein Züchter. Der Züchter kann die Qualität seines Produktes in einem gewissen Maße beeinflussen, die Erziehung und die Ausbildung sogar ziemlich gut.
Der Händler dagegen kennt die Vorgeschichte der Pferde, die er kauft, im Regelfall nicht. Er muß sich also vor allen Dingen auf seine Erfahrung stützen, damit er seinerseits nicht hereingelegt wird und problematische Pferde ankauft, die er nur mit einem gewissen Risiko verkaufen kann.
Der Privatmann kann in der Regel eine solche Erfahrung nicht entwickeln, weil er zu selten Pferde kauft. Er läßt sich vielleicht auch vom Gefühl leiten und übersieht Anzeichen, die dann später dazu führen, daß er seinen Fehler erkennt und sich unbedingt von diesem Pferd wieder trennen will, vielleicht sogar trennen muß. Der Händler ist wesentlich weniger in dieser Gefahr, weil er ständig kauft und verkauft und sein Gefühl deshalb meistens unbeteiligt ist.
Vergleichen wir die Sache doch einmal mit dem Autokauf: Ein Händler sollte das Auto, das er verkauft, zuverlässiger beurteilen können als der durchschnittliche Laie, der alle paar Jahre einmal ein Auto kauft.
Der Privatverkäufer versteckt seine Absichten im Regelfall hinter seiner Unwissenheit und behauptet, von Autos rein gar nichts zu verstehen und deshalb auch keine Aussage über die Qualität des angebotenen Fahrzeuges machen zu können. Bei ihm sei das Auto immer absolut zuverlässig gelaufen. Wer ist noch nicht beim Autokauf übers Ohr gehauen worden?
Die entsprechenden Kaufverträge sehen denn auch normalerweise vor, daß eine Gewährleistung ausgeschlossen ist: "wie besichtigt und probegefahren". Wenn am nächsten Tag der Auspuff abfällt, hat der Käufer Pech gehabt. Das hätte er vielleicht sehen können. Ein Händler hätte das sehen müssen und er hätte es auch gesehen, schon um sich den Ärger zu ersparen und seinen guten Ruf zu schonen.
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