|  | | Ein wunderschönes Gespann |  |  |  |
| | Es ist mit Sicherheit nicht üblich, eine Probezeit mit Rückgaberecht zu vereinbaren, auch nicht beim Gebrauchtwagenkauf. Es geht immer um den Gefahrenübergang: Als Verkäufer habe ich keinen Einfluß auf die Ware, wenn der Erwerber sie übernommen hat. Wie mag der wohl mit dem Auto umgehen? Und wenn dann etwas kaputtgeht? Wieso sollte der Verkäufer dafür geradestehen müssen?
Wieviel mehr muß das beim Verkauf lebender Tiere gelten? Man kann die Frage aber auch umgekehrt stellen: Würde der Verkäufer das Tier jedem beliebigen Käufer anvertrauen? Privatleuten und Züchtern ist es in der Regel nicht egal, in welche Hände das Tier kommt. Zuweilen vergewissern sie sich, daß es die Pferde gut haben und behalten sich vor, den Kauf rückgängig zu machen, wenn sie Bedenken haben (siehe Das Geschäft).
Ist es einem Händler egal, wer das Pferd kauft? Vermutlich schon eher, da er die Tiere nur kurzzeitig in seinem Besitz hat und einfach viel zu viele durch seine Hände gehen müssen, als daß er sich um jedes einzelne besondere Gedanken machen könnte.
Aber das war ja nur eine Randbemerkung, eigentlich ging es um den Niedergang des Marktes. Die Klage des alten Mannes, der der früheren Blüte des Marktes nachtrauerte, wurde von praktisch Jedermann mit diesen oder jenen Worten wiederholt. Diese Klagen waren auch für jemanden wie mich, der zum erstenmal auf diesen Markt war, gut nachzuvollziehen. Es war nicht zu übersehen, daß mindestens doppelt so viele Pferde gut Platz gehabt hätten.
Die Besucherzahlen hätten ebenfalls gern um ein Vielfaches größer sein können, noch dazu, wo es keinen Eintritt kostet. In Kaunitz wird Eintritt verlangt, wenn auch nur wenig. Die Frage liegt also auf der Hand: Warum geht es mit dem Markt abwärts? Manche meinten sogar, lange könne es nicht mehr so weitergehen.
Viele Theorien wurden entwickelt, aber in einem war man sich einig: der Pferdepaß hat den Markt ruiniert. Der Pferdepaß ist schuld, daß nicht nur der Markt in Hamm leidet, die ganze Branche ist am Ende. Diese Klage hörte ich schon am Eingang, wo jemand indianischen Schmuck feilbot. Diese Klage wiederholte der Händler, dem das Pferd gehörte, in das sich die Frau verguckt hatte.
Genauer gesagt: es hatte ihm gehört, er hatte es gerade verkauft. Den Preis wollte er nun nicht mehr nennen: " Die Karten werden neu gemischt." Dafür wollte er mir das Haus verbieten, er sei im Vorstand der Interessengemeinschaft, von den Journalisten habe er die Nase voll, ich dürfe hier nicht berichten und schon gar nicht fotografieren. Damit hatte ich nun gar kein Problem. Ich wollte dem guten Mann etwas über Pressefreiheit, Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit und Informationspflicht der Journalisten erzählen, aber er ereiferte sich immer mehr, so daß ich mich zunächst einmal seinem Zorn widmen mußte.
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