|  | | Baulücke, Gestüt im Hintergrund |  |  |  |
| |  | | Alles ein bißchen kleiner |  |  |  |
| Julia Loose hat schon immer für Isländer geschwärmt und da besonders für Palominos. Eines Tages beschloß sie, nach Österreich in Urlaub zu fahren, und zwar in ein Hotel, dessen Eigentümer zugleich das größte Island Pferde-Gestüt und den größten Urlaubsreitbetrieb von Österreich besitzen: das » Reitzentrum Hausruckhof in Ampflwang.
Das » Reiterdorf Ampflwang macht Werbung mit dem Slogan "Das Dorf der 607 Pferde" - ein wenig kühn, wenn ich mir vorstelle, daß diese Pferde sich ja auch vermehren, sterben und verkauft werden.
Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, daß die Seite, die wie eine offizielle Seite des Ortes daherkommt, wohl ein Unternehmen von vier Reitbetrieben ist. Die Inhaber des Reitzentrums Hausruckhof bezeichnen sich zugleich als Begründer des Reiterdorfes. Vielleicht sind die Isländer über die Braunkohle nach Ampflwang gekommen, vielleicht auch nicht: wir werden nicht aufgeklärt, obwohl eine Informationsseite im Internet doch Informationen liefern sollte.
Immerhin erfahren wir, daß die Braunkohlenindustrie seit der Mitte des letzten Jahrhunderts in Schwierigkeiten ist und stirbt. Der Tourismus soll es bringen. Das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas, der Hausruckwald, mit 380 km Reitwegen sollte doch die Einwohner ernähren. Der Hausruckhof hat sich auf Isländer spezialisiert und bietet sämtliche Dienstleistungen rund um das Pferd bis hin zu mehrtägigen Ausritten.
Kein Wunder, daß Julia Loose sich 1996 verlocken ließ. Besser kann man Isländer nicht kennenlernen. Und da sie es nun auf Palominos abgesehen hatte, wurde sie unter den mehreren 100 Pferden auch fündig. Sie suchte sich einen Isabell-Wallach aus, der damals als 5jähriger gerade angeritten wurde. Drei Monate später kaufte sie ihn.
Der Hausruckhof hat ständig 250 Pferde im Angebot. Julia Loose nannte eine Gesamtzahl von 600-700 Isländern, von denen man die meisten aber nicht sieht, weil das Gelände so weitläufig ist und die Pferde sich in den Tälern verlieren. Die Kombination von Urlaubsbetrieb und Gestüt ging im Falle von Julia Loose auf: die Urlauberin wurde zur Käuferin. Der Transport von Ampflwang nach Bielefeld dauerte zehn Stunden, und das war natürlich für alle Beteiligten eine Strapaze, besonders für das Pferd, das seitdem nicht mehr gerne auf den Hänger geht.
Wenn man Schwierigkeiten hat, wird man erfindungsreich. Heute dauert es höchstens 15 Minuten, bis der Wallach auf den Hänger geht, weil Julia Loose einen besonderen Trick hat: sie benutzt ein Stromband als Komm-Mit. Das leuchtete mir unmittelbar ein, und ich wunderte mich, daß ich davon noch nie gehört hatte (siehe auch Tipp Körperband).
Der Hausruckhof wirbt damit, daß die Pferde exzemfrei sind. Drei Jahre lang war der Wallach auch gesund, aber dann ging es los (siehe auch Hilfe - Ekzem!), bis hin zum Verlust der Mähne. Gabi Kollmeyer vom Islandpferdegestüt Sonnenhof half mit den Rat und Tat: Ökozon hat gut angeschlagen (siehe auch Der Sonnenhof). Die Kur kostet etwa 230 EUR/Jahr, aber sie hilft. Zunächst wird täglich für zwei Wochen eine Spritze ins Maul gegeben, dann jeden zweiten Tag, dann einmal pro Woche. Mit einem speziellen Shampoo, einer milden Lotion und Leckerlis wird dem Pferd das Leben wieder erträglich gemacht.
Der Isländer ist schnell: Julia Loose hat schon eine Fuchsjagd gewonnen und bei einem Ponyrennen den zweiten Platz gemacht. Mit ihm hat sie das Tölten gelernt; das konnte er von alleine. Traben konnte er nicht, das mußte sie ihm erst beibringen. Ein Dreivierteljahr dauerte es, seither trabt er viel und töltet weniger. Er macht auch gerne lange Strecken und hat eine Veranlagung zum Renn-Paß.
Die Andalusierstute ist natürlich schneller. Für beide Pferde hat Julia Loose mehrere Reitbeteiligungen, die sich zu Freundschaften entwickeln. So gerät sie nicht in Streß und kann sich in aller Ruhe den Mini-Pferden widmen.
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