|  |  | | Die alte Dame jagt den Frechling |  |  |  |
| Wir wollten Pit von seinem alten Zuhause aus zu unserer Weide führen und hatten uns das relativ einfach vorgestellt, weil es nicht besonders weit war und wir Feldwege und kleinere Straßen nutzen konnten.
Es stellte sich jedoch heraus, daß Pit wirklich überhaupt nicht mitspielen wollte. Er stieg oder rannte einfach los und gebärdete sich überaus widerspenstig. Anfassen lassen wollte er sich natürlich auch nicht. Es war eine einzige Katastrophe und nicht ungefährlich.
Als wir schließlich ankamen, waren wir völlig erledigt. Wir waren froh, ihn einfach laufen lassen zu können. Unsere Pferde waren natürlich sehr aufgeregt. Ähnlich aufgeregt, wie die Menschen, wenn sie eine neue Persönlichkeit kennenlernen.
Wir haben ja schon des öfteren ein neues Pferd ohne große Umstände einfach zu der bestehenden Herde geschickt und waren deshalb zuversichtlich, daß auch dieses Mal nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten bald Ruhe einkehren würde.
Außer meiner Familie waren nun auch noch meine Freundin Mara, die sich sonst um Dittchen kümmerte, und deren Familie dazu gekommen. Alle wollten unseren Neuzugang und seine erste Begegnung mit unserer Herde beobachten. Es verlief auch alles wie gewohnt. Die Pferde bestürmten Pit zunächst einmal von allen Seiten.
Pit zeigte aber ein dermaßen hengstiges und wenig unterwürfiges Verhalten, daß Smoky und Dittchen provoziert wurden und ihn erst einmal agressiv herumtrieben. So galoppierten sie denn ein paar Runden über die Weide, um Pit zu zeigen, was sich gehört. Nach einiger Zeit hatten sie aber diese Spielchen satt und es kehrte Ruhe ein. Die Pferde wandten sich wieder dem Grasen zu.
Wir warteten noch ein bißchen ab und fuhren dann entspannt nach Hause. Der bisherige Tag hatte schon an unseren Kräften gezehrt. Kaum angekommen, erreichte uns jedoch ein Anruf. Die Nachbarn der Weide hatten beobachtet, daß unser schöner Junghengst durch den Zaun gegangen war. Also mußten wir natürlich sofort wieder hin.
Pit war auf den umliegenden Feldern unterwegs, Gott sei Dank nicht in Richtung Straße. Wir liefen hinterher, um ihn wieder einzufangen. Kein leichtes Unterfangen. Wir trennten uns und versuchten, ihn in weitem Bogen zu umgehen. Schließlich hatten wir ihn eingekreist. Langsam pirschten wir uns von allen Seiten gleichzeitig an ihn heran - und konnten mit etwas Glück den Strick zu fassen bekommen.
|