 |  | | Buchtitel (Celestino Piatti) |  |  |  |
| | Der kleine Esel gehört einem reichen Mann und wird von einem seiner Knechte betreut, der auch nicht viel von ihm hält. Wie es sich fügt, müssen die beiden öfter Wasser vom Brunnen holen, eine Arbeit, die normalerweise von Frauen erledigt wird: der Esel ist ein Tragtier. Die Illustratorin Heide Kurz, verantwortlich für die Innenzeichnungen, arbeitet mit wenigen, einfachen Strichen; meistens gelingt es ihr, Stimmung und Aussage prägnant und treffend herauszuarbeiten.
Am Brunnen begegnet der kleine Esel einer jungen Frau namens Maria, die erstmals auf ihn aufmerksam wird und seine Schönheit erkennt. Obwohl er so dreckig ist, krault sie ihm die Ohren, was dem kleinen Esel natürlich sehr gut gefällt, weshalb er Maria gleich in sein Herz schließt.
Maria ist mit Josef verheiratet, und dieser ist sehr besorgt, als er sieht, wie erschöpft sie ist, wenn sie von ihrem morgendlichen Brunnengang zurückkehrt. Diese Seite ist illustriert mit einer sehr schönen Strichzeichnung, die eine Frau von hinten zeigt, den Kopf mit einem Tuch bedeckt, einen großen Krug darauf, mitten im schwingenden Gang.
Josef arbeitet Zuhause, hat eine Werkstatt und hobelt darin, ist also wohl Tischler oder so ähnlich. Er würde Maria gern einen Esel kaufen, um ihr das Leben leichter zu machen, kann es sich aber nicht leisten. So kommt er auf die Idee, morgens eine Stunde früher aufzustehen, dadurch mehr zu schaffen, mehr zu verdienen und etwas zu sparen.
Der Plan geht auf, das Geld reicht aber nur für einen kleinen, häßlichen Esel, der wiederum Maria vollkommen entzückt - es ist natürlich der kleine Esel, den wir schon kennen. Die beiden freuen sich aneinander, der Esel hilft Maria gerne bei allen Arbeiten, und wir lernen dabei Maria kennen und sehen, daß sie wirklich wunderbar sanft und lieb ist. Jetzt verstehen wir den Titel des Buches: "Marias kleiner Esel".
Die anderen Tiere, Schafe, Ziegen, sind ebenfalls sehr klug und freundlich und freuen sich alle schon auf das kleine Kind, das Maria erwartet. Da kommt eine unerfreuliche Nachricht: auf Befehl des Kaisers müssen sich Maria und Josef sofort nach Bethlehem begeben, weil Josef aus dieser Stadt stammt. Das ist unangenehm, denn das Kind kann jeden Tag kommen.
Hier ist nun der Esel der Retter, weil er alles Nötige tragen kann und zur Not noch Maria dazu. Die Tiere diskutieren die Notlage untereinander und erklären ihren Tierkindern die Schwierigkeiten, so daß auch die Kinder, die zuhören, alles verstehen, ohne nachfragen zu müssen oder sich dumm vorzukommen.
Auf dem Weg nach Bethlehem gibt es ein großes Problem: ein Fluß ist reißend geworden, die Reisenden können ihn nicht überqueren. Da erscheint ein Engel, den nur der Esel sehen kann, und dieser führt den Esel über den Fluß.
Damit wird eine neue Dimension eingeführt. Zwar ist Maria immer fröhlich und voller Gottvertrauen, also an sich schon eine beeindruckende Persönlichkeit, aber hier greifen höhere Mächte direkt ein. Im Gegensatz zu Josef hat Maria gar keine Angst, denn sie kann sich die Sache nur dadurch erklären, daß Gottes Engel direkt eingegriffen hat - was ja auch der Fall war.
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