 |  | | Der Ochse ist durch das Schaf ersetzt |  |  |  |
Der Esel und der Heiland Das prominenteste Huftier der westlichen Kultur von Werner Stürenburg |
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In der Buchbesprechung der letzten Ausgabe habe ich die Rolle des Pferdes in der Geschichte "Weihnachten im Stall" von Astrid Lindgren zu würdigen versucht. Dabei war aufgefallen, daß der traditionelle Esel durch ein Pferd ersetzt worden ist.
Auch in den Arbeiten von Rembrandt zum Thema "Der barmherzige Samariter" hatten wir gesehen, daß Rembrandt den Begriff "Reittier" meistens mit einem Pferd illustriert hatte; nur einmal hatte er einen Esel gezeichnet ( Samariter, Herberge, Barmherzigkeit, Der Esel).
Zu einer Krippe gehören traditionell eine Kuh und ein Esel; anstelle der Kuh könnte es auch ein Ochse sein. Die Krippe, die ich für das Titelblatt fotografiert habe, hat den Ochsen durch ein Schaf ersetzt; der Esel bleibt aber im Regelfall ein Esel und kann nicht ersetzt werden durch ein Pferd (das Kamel gehört zu den Weisen aus dem Morgenland).
Nun gilt der Esel in unserer Kultur traditionell als störrisch, bockig, schwierig, wenig liebenswert; zwar findet man den Esel in Streichelzoos, darüber hinaus aber gilt er nicht als besonders anziehend, er löst im Gegensatz zum Pferd kaum Begeisterung aus und spielt deshalb heutzutage eine sehr kleine Rolle in der Szene der Einhufer-Freunde.
Zur Weihnachtsausgabe 2001 habe ich im Galeriebeitrag bereits ein wenig über den Esel und die Krippe sinniert. Heute ist mir ein Büchlein aus dem Jahr 1973 in die Hände gefallen, dessen Held ein kleiner Esel ist (Gunhild Sehlin: Marias kleiner Esel).
Das Buch ist 1962 in Schweden entstanden. Die Autorin Gunhild Sehlin ist Lehrerin und lebt in einem kleinen schwedischen Dörfchen, wie der Klappentext verrät. Ähnlich wie Astrid Lindgren in ihrem Buch, das im selben Jahrzehnt entstanden sein dürfte, versucht sie, dem modernen Kind die Weihnachtsgeschichte nahezubringen.
Dazu benutzt sie den Esel. Natürlich braucht sie einen besonderen Esel und erfindet deshalb eine Rahmengeschichte, in der sie zunächst einmal den Esel einführt: "Der faulste Esel von ganz Nazareth". Aus dramaturgischen Gründen ist dieser Esel ganz am Ende der Hackordnung in der Herde des Besitzers, hat aber einen hübscheren Gang und trägt den Kopf am höchsten.
Das macht ihn natürlich unter den anderen Eseln nicht gerade beliebter. Die Esel reden nämlich genauso wie wir und verhalten sich auch wie die Menschen. Auf diese Weise kann die Autorin ihre Botschaft und die Handlung auch über die Tiere weiterbringen.
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