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Bericht Zum Thema Weihnachten · Die drei Weisen
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 196.02 der Pferdezeitung vom 29.12.02
 Menü Hauptartikel 196  Der Esel und der Heiland  Der kleine Esel  Der Kommende  Die frohe Botschaft
 Der Esel im Neuen ...  Die Bedeutung des Esels
 Die drei Weisen 
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Merian: Die Anbetung der Hirten
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Merian: Die Weisen aus dem Morgenland
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Matthäus macht um die Geburt kein Aufhebens, schildert aber dafür im Gegensatz zu Lukas die Episode mit den sogenannten "Heiligen Drei Königen" (Matthäus 2, 1-12); ich zitiere hier aus der Luther Bibel von 1545, in den Jahren 1625-1628 mit Kupferstichen illustriert von Matthäus Merian, 1704 mit Deckfarben von unbekannter Hand koloriert.

Merian würdigt ebenfalls Esel und Ochsen, wobei die Schnauze des Esels merkwürdigerweise fatal an die eines Schweines gemahnt. Den Weisen aus dem Morgenland spendiert er gewaltige Turbane, eine gebührende Dienerschaft und Kamele als Reittiere, die er vermutlich niemals in Natura gesehen hatte; sie erinnern denn auch ein bißchen an Drachen.

Da Jhesus geborn war zu Bethlehem im Jüdischenlande, zur zeit des königes Herodis, Sihe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem, vnd sprachen. Wo ist der newgeborne König der Jüden? Wir haben seinen Sternen gesehen im Morgenland, vnd sind komen, jn an zu beten.[...]

Vnd sihe, der Stern den sie im Morgenland gesehen hatten, gieng fur jnen hin. Bis das er kam, vnd stund oben vber, da das Kindlin war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfrewet, Vnd giengen in das Haus, vnd funden das Kindlin mit Maria seiner mutter, vnd fielen nider, vnd betten es an. Vnd theten jre Schetze auff, vnd schenckten jm Gold. Weihrauch vnd Myrrhen. [...]


Keine Rede also von Königen, Heiligen, oder gar einer Dreizahl. Das sind alles spätere Ausschmückungen, die aber heute ebenfalls zu unserem Kulturgut gehören und je nach Landschaft eine mehr oder weniger große Rolle im Jahreslauf spielen.

In katholischen Gegenden findet man den Brauch, die Häuser zu segnen durch die "Heiligen Drei Könige", die gewöhnlich von drei Jünglingen gespielt werden. Die Türen werden mit Kreide gekennzeichnet mit dem Symbol C+M+B, was landläufig gelesen wird als "Caspar Melchior Balthasar", welches die Namen der Weisen gewesen sein sollen.

Einer von ihnen soll sogar schwarz gewesen sein, was auf allen entsprechenden Abbildungen, so auch bei Merian, gebührend berücksichtigt wird; der spendiert dem Mohren auch einen schwarzen Diener. Einer der Jünglinge beim Segnen der Häuser ist natürlich auch schwarz angemalt.

Diese Einzelheit wird immer als Beleg dafür genommen, daß die schwarze Rasse der weißen keineswegs unterlegen ist, da diese ja einen Weisen hervorgebracht hat, der den Heiland aus der Ferne erkannt hat. Infolgedessen müsse die schwarze Rasse auch in den Genuß des durch diesen Heiland verkündeten Erlösungsweges kommen.

Tatsächlich steht C+M+B für "christus mansionem benedicat", also "Christus segne dieses Haus", was ja unmittelbar zutrifft und verständlich ist. Vermutlich geht dieser Brauch ebenfalls auf Urzeiten zurück und hat mit dem Christentum wenig zu tun; mir ist jedenfalls kein Zitat aus der Bibel bekannt, wo Jesus Häuser gesegnet hätte. Auch die Weisen aus dem Morgenland haben sich laut Matthäus um Häuser nicht gekümmert.

Auf die bei Matthäus erwähnten reichen Geschenke der Weisen aus dem Morgenland an das kleine Jesuskind soll der Brauch zurückgehen, sich gegenseitig unter dem Weihnachtsbaum zu beschenken. Der Weihnachtsbaum: wieder ein Symbol, das nicht in der Bibel vorkommt und vor allen Dingen bei uns seinen festen Platz hat, aber auch erst seit wenigen Jahrhunderten; dessen Geschichte kann man also recht gut rekonstruieren.

Zwar versucht manch einer regelmäßig, diesen ehrwürdigen Brauch des Schenkens und Beschenktwerdens zu unterbrechen, denn erstens hat bereits jeder alles, und zweitens spart man sich dadurch eine Menge Kopfzerbrechen, Zeit, Energie und Geld - aber es nützt alles nichts: wer unter dem Weihnachtsbaum mit leeren Händen dasteht, fühlt sich schlecht und macht einen schlechten Eindruck. Wieder so ein Ritual, das nicht wirklich abgeschafft werden kann und durchaus ein Eigenleben führt.

Die Bräuche sind übrigens überall verschieden. Wer viel in der Welt herumkommt und zu Weihnachten fern der Heimat ist, tut gut daran, sich eingehend zu erkundigen, wie es denn in der Ferne gehalten wird mit den Bräuchen und Ritualen, die an das biblische Heilsgeschehen angeklebt worden sind; vermutlich sind es dort ganz andere.

In den Niederlanden z. B., bei unseren unmittelbaren Nachbarn im Westen, sieht die Sache schon ganz anders aus: da beschenkt man sich zum Nikolaus und nicht zu Weihnachten. Das ist aber wieder eine ganz andere Geschichte, die mit unserem Esel nichts zu tun hat.



Quellen


  1.  Weihnachten im Stall, Buchbesprechung
  2.  Samariter, Galeriebeitrag
  3.  Herberge, Galeriebeitrag
  4.  Barmherzigkeit, Galeriebeitrag
  5.  Der Esel, Galeriebeitrag
  6.  Der Engel erscheint Josef, Galeriebeitrag
  7. Gunhild Sehlin: Marias kleiner Esel
    2. Aufl. München 1973, Deutscher Taschenbuch Verlag, dtv junior 7071, ISBN 3-522-10730-3
  8. Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach der deutschen Übersetzung D. Martin Luthers
    Neu durchgesehen nach dem vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß genehmigten Text, Taschenausgabe, privilegierte württembergische Bibelanstalt, Stuttgart 1951
  9.  Damensitz, Galeriebeitrag
  10. Pinchas Lapide: Ist die Bibel richtig übersetzt?
    4. Auflage, Gütersloh 1992, ISBN 3-579-01415-3
  11. Die Bibel in der deutschen Übersetzung von D. Martin Luther mit Kupferstichen von Matthäus Merian
    Dreieich 1986, ISBN 3-570-09943-1



Abbildungen

©  Werner Stürenburg


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