 |  | | Im Detmolder Freilichtmuseum auf dem Bock |  |  |  | Der erste Reiterhof lag in einem landschaftlich äußerst beeindruckenden Tal. Mit den dort lebenden Pferden machten wir auch Ausritte in die Natur.
Das Naturerleben ist eine an sich so faszninierende Erfahrung, daß es mich erstaunt und betrübt, daß so viele Reiter sich und ihren Pferden dies versagen. Die Natur ist zu jeder Tageszeit, in jedem Landstrich, egal ob im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, ein sich ständig wandelndes Wunder.
Besonders die Pferde scheinen dies zu begreifen. Wenn man beobachtet, wie aufmerksam sie ihre Umgebung betrachten, als könnten sie selbst in der ihnen eigentlich bekannten Landschaft immer wieder etwas Neues entdecken.
Und wenn man sich dieses Verhalten zum Vorbild nimmt und sich aufmerksam umschaut, erfährt man die Magie, die uns umgibt. Sollte man dabei glücklicherweise auch noch auf einem Pferd reiten, seine Freude am Leben also hautnah miterleben können, dann wird man den Zauber begreifen, der von diesen Tieren ausgeht.
Sie leben nur im Augenblick, für den Moment. Sie sind genügsam und geduldig, friedvoll gegen alle, die neben ihnen leben. Sie genießen mit all ihren Sinnen, vermitteln einem die pure Freude an der Bewegung und am Erleben im eigenen Körper.
Morgens, wenn noch die Kälte der Nacht einen streift, der Nebel über den Wäldern hängt und der Tau auf den Wiesen liegt, erwacht die Natur zum Leben. Die zahllosen Vögel beginnen zu zwitschern, die Menschen kommen aus ihren Häusern und gehen ihren verschiedenen Verpflichtungen nach, die Welt scheint wie frisch geboren und erwacht langsam aus ihrem Schlaf.
Die Pferde sind schon seit den ersten Sonnenstrahlen wach. Für sie spielt die Tageszeit eine weniger bedeutende Rolle als für den durchstrukturierten Terminplan des Menschen. Meist ruhen sie in der Nacht.
Sollte jedoch etwas Aufregendes passieren oder sie plötzlich der Hunger packen, dann sind sie jederzeit hellwach und aktiv. Sie sind immer stark an den Tieren interessiert, denen sie in ihrer Umgebung begegnen, sei es nun ein Fasan, eine Katze, eine Kuh, ein Frosch oder ein Mensch bei einer seiner seltsamen Aktivitäten: die Pferde bestaunen die Schöpfung ein Leben lang.
Der Sonnenuntergang zaubert jeden Abend aufs Neue ein unglaubliches Farbenspektakel an den Himmel. Die Wolken bilden beeindruckende plastische Gebirge in sich ständig wandelnden Formen. Die schneidende Kälte des Winters bietet ganz andere Erfahrungen als die sanfte Frische des Frühlings, die angenehme Hitze des Sommers oder die feuchte, erdige Luft des Herbstes.
|