 |  | | Mit Handpferd (links vorn) |  |  |  |
| | Wann immer eine Auto- oder Zugfahrt langweilig zu werden drohte, stellte ich mir einfach vor, ich würde neben der Fahrtstrecke auf meinem Traumpferd dahinfliegen (ich muß gestehen, daß ich mich auch heute noch gelegentlich damit beschäftige).
Die Felder und Wege bieten eine gute Gelegenheit für "mein Pferd", seine Beine mal richtig zu strecken. Zäune und kleine Straßen können wir einfach überspringen, und wenn die Asphaltierung kein Ende nimmt, schwingen wir uns zeitweise schon mal in die Lüfte, um die vom Menschen verschandelte Landschaft hinter uns zu lassen.
Wenn meine Schwester und ich mit unseren Eltern irgendwelche Schlösser, Gutshöfe oder Museumsdörfer besichtigten, malten wir uns aus, die Gebäude und das dazugehörige Gelände wären unser Eigentum, und wir besiedelten in Gedanken alles mit unseren Pferden. Sie durften sich überall frei bewegen und kamen auf unser Rufen hin angaloppiert, um mit uns auf ihrem bloßen Rücken durch die Natur zu laufen.
Auch die Auswahl unseres Spielzeugs ließ viele pferdebezogene Spiele zu. So konnten wir beispielsweise mit Playmobil einen eigenen Reiterhof aufbauen und uns tagelang mit dem dortigen Geschehen beschäftigen.
Auch die Ausstattung der Barbiepferde animierte uns immer wieder. Die Pferde sind jedoch ein bißchen zu glatt. Sie gleichen allesamt Vollblutarabern mit bodenlanger Mähne und Schweif.
Von unseren Eltern bekamen wir auch die jeweils aktuelle "Wendy". Hierbei handelt es sich um eine der Pferdezeitschriften für junge Mädchen. Wir lasen sie mit wahrer Begeisterung.
Einiges, was wir im Unterricht nicht lernten, konnten wir auf diese Art ergänzen, wie etwa die verschiedenen Pferderassen. Manches, wie zum Beispiel ein elektronisches Pferd, das in Gefahrensituationen seine Beine ausfahren kann, war natürlich auch ein bißchen utopisch.
Pferdebücher wurden von uns fast ebenso bestaunt wie die lebendigen Artgenossen. Wir stellten uns mit Vorliebe vor, die Tiere würden uns gehören. Wir beobachteten scharf die zur Auswahl stehenden Pferde und teilten sie demokratisch und nach Sympathie unter uns auf.
Mit etwa sieben Jahren zog ich mit meiner Familie in einen anderen Ortsteil der Stadt. Unsere dortigen Nachbarn hatten zwei Töchter, Nina und Jana; die eine etwa in meinem Alter, die andere in dem meiner Schwester.
Die beiden interessierten sich auch sehr für Pferde. Mit ihnen gemeinsam verbrachten wir zwei verlängerte Wochenenden auf Reiterhöfen der weiteren Umgebung.
|