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Bericht Zum Thema Lebensgeschichte · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 189.02 der Pferdezeitung vom 10.11.02
 Menü Hauptartikel 189
 Auf Reiterhöfen und im ... 
 Kinderspiele  Naturerleben  Gut und Böse
 Reitverein  Strukturen  Reitstunde  Prüfung  Leserresonanz
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Reitunterricht: Abteilungsreiten

    Auf Reiterhöfen und im Verein   
    Vom Naturerlebnis bis zum Kleinen Reitabzeichen    
von   Merle Stürenburg


Unsere Leidenschaft für Pferde machte vor nichts halt. Meine Schwester, meine Freundin Mara, die auch schon in Porta Westfalica gemeinsam mit uns Unterricht genommen hatte, und ich sammelten begeistert alles, was es rund ums Pferd zu sammeln gibt.

Auf sämtlichen Flohmärkten durchsuchten wir die Stände nach abgelegten Pferdeartikeln. Und was es da alles zu finden gab: Hufeisen, die in Form und Farbe ständig variierten (und man möchte ja von jedem eins haben), Poster, Aufkleber, Anhänger, Ketten und Ohrringe, Putzzeug, Halfter und Stricke, kleine Porzellanfiguren, Bücher und vielleicht sogar Reithosen oder Stiefel. Die Auflistung ließe sich beinahe endlos fortsetzen.

Den absoluten Höhepunkt bildete ein von Mara erstandener Sattel. Mit ihm konnten wir nun endlich die Steinbrüstung vor ihrem Haus einreiten. Wir verbrachten nämlich viel Zeit damit, auf imaginären Pferden zu reiten.

So veranstalteten wir zum Beispiel private Turniere im Garten. Jeder von uns mußte nicht nur eine Dressurprüfung ablegen, bei der wir die erlernten Bahnfiguren abritten, unsere Beine besonders hoch und kunstvoll schwangen und unseren Pferden gut zusprachen, sondern auch einen Parcours bewältigen, dessen Hindernisse unsere Sprungkraft forderten.

Oft gaben wir uns auch gegenseitig Unterricht. Der Lehrer in der Mitte durfte eine Peitsche halten und uns um sich herumscheuchen.


Kinderspiele


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Mit Handpferd (links vorn)
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Barbie-Bescherung
Wann immer eine Auto- oder Zugfahrt langweilig zu werden drohte, stellte ich mir einfach vor, ich würde neben der Fahrtstrecke auf meinem Traumpferd dahinfliegen (ich muß gestehen, daß ich mich auch heute noch gelegentlich damit beschäftige).

Die Felder und Wege bieten eine gute Gelegenheit für "mein Pferd", seine Beine mal richtig zu strecken. Zäune und kleine Straßen können wir einfach überspringen, und wenn die Asphaltierung kein Ende nimmt, schwingen wir uns zeitweise schon mal in die Lüfte, um die vom Menschen verschandelte Landschaft hinter uns zu lassen.

Wenn meine Schwester und ich mit unseren Eltern irgendwelche Schlösser, Gutshöfe oder Museumsdörfer besichtigten, malten wir uns aus, die Gebäude und das dazugehörige Gelände wären unser Eigentum, und wir besiedelten in Gedanken alles mit unseren Pferden. Sie durften sich überall frei bewegen und kamen auf unser Rufen hin angaloppiert, um mit uns auf ihrem bloßen Rücken durch die Natur zu laufen.

Auch die Auswahl unseres Spielzeugs ließ viele pferdebezogene Spiele zu. So konnten wir beispielsweise mit Playmobil einen eigenen Reiterhof aufbauen und uns tagelang mit dem dortigen Geschehen beschäftigen.

Auch die Ausstattung der Barbiepferde animierte uns immer wieder. Die Pferde sind jedoch ein bißchen zu glatt. Sie gleichen allesamt Vollblutarabern mit bodenlanger Mähne und Schweif.

Von unseren Eltern bekamen wir auch die jeweils aktuelle "Wendy". Hierbei handelt es sich um eine der Pferdezeitschriften für junge Mädchen. Wir lasen sie mit wahrer Begeisterung.

Einiges, was wir im Unterricht nicht lernten, konnten wir auf diese Art ergänzen, wie etwa die verschiedenen Pferderassen. Manches, wie zum Beispiel ein elektronisches Pferd, das in Gefahrensituationen seine Beine ausfahren kann, war natürlich auch ein bißchen utopisch.

Pferdebücher wurden von uns fast ebenso bestaunt wie die lebendigen Artgenossen. Wir stellten uns mit Vorliebe vor, die Tiere würden uns gehören. Wir beobachteten scharf die zur Auswahl stehenden Pferde und teilten sie demokratisch und nach Sympathie unter uns auf.

Mit etwa sieben Jahren zog ich mit meiner Familie in einen anderen Ortsteil der Stadt. Unsere dortigen Nachbarn hatten zwei Töchter, Nina und Jana; die eine etwa in meinem Alter, die andere in dem meiner Schwester.

Die beiden interessierten sich auch sehr für Pferde. Mit ihnen gemeinsam verbrachten wir zwei verlängerte Wochenenden auf Reiterhöfen der weiteren Umgebung.


Naturerleben


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Im Detmolder Freilichtmuseum auf dem Bock
Der erste Reiterhof lag in einem landschaftlich äußerst beeindruckenden Tal. Mit den dort lebenden Pferden machten wir auch Ausritte in die Natur.

Das Naturerleben ist eine an sich so faszninierende Erfahrung, daß es mich erstaunt und betrübt, daß so viele Reiter sich und ihren Pferden dies versagen. Die Natur ist zu jeder Tageszeit, in jedem Landstrich, egal ob im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, ein sich ständig wandelndes Wunder.

Besonders die Pferde scheinen dies zu begreifen. Wenn man beobachtet, wie aufmerksam sie ihre Umgebung betrachten, als könnten sie selbst in der ihnen eigentlich bekannten Landschaft immer wieder etwas Neues entdecken.

Und wenn man sich dieses Verhalten zum Vorbild nimmt und sich aufmerksam umschaut, erfährt man die Magie, die uns umgibt. Sollte man dabei glücklicherweise auch noch auf einem Pferd reiten, seine Freude am Leben also hautnah miterleben können, dann wird man den Zauber begreifen, der von diesen Tieren ausgeht.

Sie leben nur im Augenblick, für den Moment. Sie sind genügsam und geduldig, friedvoll gegen alle, die neben ihnen leben. Sie genießen mit all ihren Sinnen, vermitteln einem die pure Freude an der Bewegung und am Erleben im eigenen Körper.

Morgens, wenn noch die Kälte der Nacht einen streift, der Nebel über den Wäldern hängt und der Tau auf den Wiesen liegt, erwacht die Natur zum Leben. Die zahllosen Vögel beginnen zu zwitschern, die Menschen kommen aus ihren Häusern und gehen ihren verschiedenen Verpflichtungen nach, die Welt scheint wie frisch geboren und erwacht langsam aus ihrem Schlaf.

Die Pferde sind schon seit den ersten Sonnenstrahlen wach. Für sie spielt die Tageszeit eine weniger bedeutende Rolle als für den durchstrukturierten Terminplan des Menschen. Meist ruhen sie in der Nacht.

Sollte jedoch etwas Aufregendes passieren oder sie plötzlich der Hunger packen, dann sind sie jederzeit hellwach und aktiv. Sie sind immer stark an den Tieren interessiert, denen sie in ihrer Umgebung begegnen, sei es nun ein Fasan, eine Katze, eine Kuh, ein Frosch oder ein Mensch bei einer seiner seltsamen Aktivitäten: die Pferde bestaunen die Schöpfung ein Leben lang.

Der Sonnenuntergang zaubert jeden Abend aufs Neue ein unglaubliches Farbenspektakel an den Himmel. Die Wolken bilden beeindruckende plastische Gebirge in sich ständig wandelnden Formen. Die schneidende Kälte des Winters bietet ganz andere Erfahrungen als die sanfte Frische des Frühlings, die angenehme Hitze des Sommers oder die feuchte, erdige Luft des Herbstes.


Gut und Böse


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Kutschefahren auf Ameland
Auf diesem ersten Reiterhof, auf den wir mit Nina und Jana fuhren, gab es im Stall in der hintersten Ecke eine Box, die ganz mit einem Gitter umgeben war.

Das Pferd darin hatte, so erfuhr ich auf meine Frage hin, einem Menschen einen Finger abgebissen, als es ein Leckerli bekommen sollte. Ich konnte nicht glauben, daß ein Pferd aus purer "Boshaftigkeit" jemanden verletzen sollte.

Im Gegenteil, ich habe erlebt, wie ein Pferd darauf achtet, niemanden zu verletzen. Darin sehe ich einen Beweis für das unschuldige Gute, das ich immer in den Pferden zu erkennen glaube. Es passierte mit meinem ersten Pflegepony Donald.

Es gehörte der Freundin meiner damaligen Klavierlehrerin Susanne. Diese hatte sich schon als kleines Mädchen immer einen Araber gewünscht. Als sie dann im Erwachsenenalter endlich genug Geld gespart hatte, fuhr sie auf ein Arabergestüt und suchte sich dort ein Stutfohlen aus.

Diese Stute hat sie alleine eingeritten und ausgebildet. Auch für die Unterbringung und Versorgung ihres Pferdes sorgte sie selbständig gemeinsam mit ihrer Freundin. Sie hatten von Bauern der Umgebung verschiedene Weiden gepachtet, auf denen die beiden Pferde in ganzjähriger Offenstallhaltung lebten. Trotz der von manchen Leuten unterstellten Empfindlichkeit bekam dies auch dem Araber bestens.

Donald war ein braunes Pony mit schwarzem Langhaar. Er wurde immer ohne Sattel und mit einer Hackamore-Trense (der Reiter wirkt nicht durch ein Gebiß auf die Maulwinkel des Pferdes, sondern auf das Nasenbein) geritten. Meistens ließ er sich damit sehr gut lenken. Manchmal, wenn er wirklich Lust zu laufen hatte, konnte man ihn jedoch nicht halten.

Mit Nina zusammen verbrachte ich viele Wochenenden bei Susanne. Nina ritt lieber ein etwas ruhigeres Pferd und hatte sich auf den ersten Blick in die wirklich einmalig schöne Grauschimmel-Araberstute verliebt.

Ich verstand mich gut mit Donald, und so waren wir beide zufrieden und durchstreiften das umliegende Gelände. Manchmal packte Donald der Schalk und er galoppierte in vollem Tempo einen Berg hinunter oder er warf sich ohne Vorwarnung in das Laub und wälzte sich.

Einmal galoppierten wir gerade ein Stoppelfeld entlang, als Donald vor lauter Übermut ein bißchen buckelte. Das tat er öfters, und es machte mir auch meistens einfach nur Spaß, seine Freude am Galoppieren miterleben zu dürfen.

Diesmal machte ich jedoch eine falsche Bewegung und verlor das Gleichgewicht. Nina, die hinter mir ritt, konnte alles gut beobachten. Ich fiel direkt vor Donalds Vorderhufe. Obwohl es ein Ding der Unmöglichkeit schien, schaffte es Donald, noch über mich hinüber zu springen, anstatt auf mich zu treten und mich zu verletzen.

Dieses Beispiel ist typisch für das Verhalten der Tiere. Ein Pferd würde alles versuchen, um nicht auf etwas Lebendiges zu treten. Und so ein Wesen soll bösartig sein können und einem Menschen vorsätzlich einen Finger abbeißen?

In einem meiner Pferdebücher mit beeindruckenden Hochglanzfotos habe ich die Geschichte gelesen, wie ein Springpferd seinem Reiter das Leben rettete. Es blieb in einer ca. zwei Meter hohen Hecke mit einem Bein hängen. Dann versuchte es, den Aufprall auf dem Boden für den Reiter irgendwie abzudämpfen und brach sich bei diesem Versuch das Bein. Das Bild des völlig deformierten Beines und der Gedanke an das sinnlos verschwendete Pferdeleben verfolgen mich noch heute.


Reitverein


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Springprüfung, Kleines Reitabzeichen, Merle
Von dem zweiten Reiterhof, auf dem meine Schwester und ich gemeinsam mit Nina und Jana ein verlängertes Wochenende verbrachten, blieb für mich vor allem eine Erinnerung haften.

Ich hatte von meiner Oma edle Lederreitstiefel geschenkt bekommen (natürlich verbesserte das mein Ansehen im Reitverein). Sie waren mir zwar noch ein bißchen zu groß, aber dadurch konnte ich sie auch länger tragen.

Die Reitlehrerin auf diesem Hof lobte ständig meine ausgesprochen vorbildliche Fußhaltung. Nach ein paar Tagen kam sie jedoch dahinter, daß bloß die Hacken meines Stiefels so weit unten saßen. Da habe ich mich doch ein wenig geschämt.

Mit Mara und ihrer Familie verbrachten wir im Laufe der Jahre einige Urlaube auf einem Bauernhof in der Nähe von Kiel an der Ostsee. Auch dort fanden wir einen Reiterhof.

Um den Pferden etwas Gutes zu tun, standen wir morgens früh auf und pflückten ganze Tüten voll Gras. Man darf den Pferden nämlich keinen Schnitt vom Rasenmäher geben. Die chemischen Prozesse, die durch die Hitze der Maschine in Gang gebracht werden, können leicht zu einer Kolik führen. Daher rupften wir die einzelnen Grasbüschel mit den Händen ab und freuten uns über den Genuß, mit dem die Pferde sich darüber her machten.

Mit etwa 11 Jahren wechselten meine Schwester, meine Freundin und ich den Reitstall. Ich glaube, es gab dafür keinen spezifischen Grund. Vielleicht hatten wir aber auch einfach das Gefühl, auf diesem Hof nichts mehr lernen zu können.

Nun begann unsere Ausbildung in einem "richtigen" Reitverein. Zur Anlage gehörte eine große Reithalle mit integrierten Boxen, eine kleinere, eigentlich ausrangierte Halle und ein Sandplatz. Weiden gab es nicht.

Im Reitverein lebten meiner Erinnerung nach nur Großpferde. Der Hof war sehr gepflegt und machte einen guten Eindruck. Es herrschte immer reger Betrieb. Nicht nur Reitschüler tummelten sich dort, sondern auch Privatpferde-Besitzer und etliche Menschen, die wohl auch irgend etwas mit Pferden zu tun hatten. Diese beobachteten oft von einem angrenzenden Café aus das Geschehen in der Halle.

Wir kamen uns anfangs ein wenig ausgeschlossen vor. Die Reiter waren eine eingeschworene Gesellschaft. Um sich diese Gemeinschaft vorstellen zu können, muß ich eine Kategorisierung vornehmen.


Strukturen


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Springprüfung, Kleines Reitabzeichen, Leevke
Da gab es einmal die Organisatoren, also die Machtinhaber, die oft selbst gar nichts mehr mit der aktiven Sportausübung zu tun hatten. Sie sind unschwer zu erkennen an ihrer auffällig deplazierten Kleidung und ihrem aufdringlich selbstbewußten Gebaren. Meist tun sie ihre Meinung zu allem lautstark kund. Oft umgibt sie auch eine Schar Untergebener.

Nun folgen die Turnierreiter. Sie tragen saubere, teure Reitkleidung. Vom blank gewienerten Lederstiefel über Ganzleder-Reithosen in der jeweils zu ihrer Oberbekleidung passenden Farbe bis hin zur gepflegten Frisur machen sie nicht den Eindruck, als würden sie sich mit den schmutzigen Pferden beschäftigen.

Aber das tun sie ja auch gar nicht. Die Boxen und die Stallgasse wurden täglich von der Pferdepflegerin gereinigt und die Tiere hatten nicht viel Gelegenheit, sich dreckig zu machen.

Eine Sprosse tiefer stehen die Privatpferde-Besitzer, die ihr Pferd zwar in einem ordentlichen Verein untergebracht haben, jedoch nicht ehrgeizig oder gut genug sind, sich auf Turnieren zu beweisen.

Die Reitschüler nehmen natürlich den untersten Rang ein. Aber auch hier gibt es Abstufungen. Dabei geht es nach der Zeit, die man schon Mitglied im Reitverein ist, dem Alter, der Qualität der Ausstattung (ob man zum Beispiel Lederstiefel trägt wie die Turnierreiter oder nur Gummireitstiefel), dem reiterlichen Können und (nicht zu vergessen) der Fähigkeit, sich in die bestehenden sozialen Strukturen einzufügen.

Wir sind in den zwei Jahren, die wir dort Unterricht bekamen, nicht sehr hoch gestiegen.

Auch hier ritten wir einmal in der Woche in der Halle. Ich kann mich an zwei Gelegenheiten erinnern, zu denen wir draußen auf dem Sandplatz unterrichtet wurden. Beide Male waren die Pferde so aufgekratzt und vergleichsweise unkontrolliert, daß der Reitlehrer schnell wieder davon Abstand nahm.

Die Stunden verliefen eigentlich immer gleich. Nachdem der Reitlehrer die Pferde verteilt hatte (wir ritten fast jedes Mal ein anderes), mußten wir diese ausgiebig putzen.

Dann mußten wir satteln und trensen, eventuell Martingal, Stoßzügel, Ausbinder oder sonstige Hilfsmittel befestigen und durften schließlich in einer geordneten Reihenfolge (beim Betreten der Halle "Bahn frei!" nicht vergessen!) die Pferde auf der Mittellinie aufstellen.


Reitstunde


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Springprüfung, Kleines Reitabzeichen, Merle
Dort gurteten wir nach und saßen auf. Die ersten paar Minuten konnte jeder im Schritt einige Bahnfiguren reiten, dann wurde eine Abteilung gebildet.

Die ganze Abteilung ritt nun eine ständig variierende Aneinanderreihung von Bahnfiguren in den unterschiedlichen Gangarten. Ab und zu durfte auch jeder einzeln galoppieren.

Dazu mußte die Abteilung anhalten und der jeweils Erste der Gruppe durfte anreiten, an einem vom Reitlehrer bestimmten Punkt antraben und angaloppieren und sich dann wieder der Gruppe anschließen.

Die Pferde klebten so sehr an ihren Artgenossen, daß wir meistens nur eine Runde galoppieren konnten, da sie nicht an der Abteilung vorbei liefen, sondern sich selbständig wieder hinten anschlossen.

Die Pferde nahmen den Reitschülern überhaupt vieles ab. Sie kannten den Ablauf einer Stunde, und solange sie nicht am Anfang der Abteilung liefen, trotteten sie einfach hinter den anderen her.

Die letzten Minuten ritten wir im Schritt am langen Zügel, damit das Pferd den Hals strecken und der Schweiß trocknen konnte.

Im Laufe der Zeit änderte sich diese Struktur ein wenig. Wir durften immer mehr auch einzeln durch die Halle reiten und der Reitlehrer korrigierte uns beim Seitwärts- oder Rückwärtsrichten, beim Schenkelweichen oder der Vorhandwendung.

Manchmal baute er sogar Hindernisse auf und wir übten das Springen. Wir durften nun auch andere Pferde reiten. Auch bei den Tieren einer Reitschule gibt es nämlich eine Hierarchie.

Die Sanftesten werden immer von den Anfängern geritten und sind natürlich nach kurzer Zeit abgestumpft. So stören sie sich nicht daran, wenn der Reiter ihnen die falschen Hilfen gibt (vielleicht sollte man die Tiere mal nach diesem Thema befragen).

Je besser man reiten kann, um so besser ist auch das Pferd, auf dem man reiten darf (das heißt, es reagiert feinfühliger auf die Hilfen des Reiters).

Die Tiere, die sich noch ein bißchen Eigensinn und Temperament bewahrt hatten, wurden nur von den Fortgeschrittenen geritten. Der Reitverein mußte natürlich auch dafür Sorge tragen, daß die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls möglichst gering gehalten wurde.


Prüfung


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Springprüfung, Kleines Reitabzeichen, Leevke
In einem dieser Jahre durften wir in den Herbstferien das kleine Reitabzeichen machen. Wir konnten jeden Tag im Reitstall verbringen und bekamen sowohl Dressur- und Spring- als auch Theorieunterricht.

Ich genoß die Tage in vollen Zügen. Wir durften auch morgens beim Füttern und Stallausmisten helfen. Ich liebe das Geräusch der mahlenden Pferdezähne, das gelegentliche Prusten und Stampfen und die scheinbar allumfassende Ruhe, die man zu dieser Zeit im Stall genießen kann. Ich konnte mir ausmalen, ich würde selbst als Pferdepfleger dort arbeiten und so den ganzen Tag mit den Pferden verbringen können.

Meine Schwester, die mal wieder die kleinste war, tauschte während dieser Woche mit einer Erwachsenen das Pferd. Diese traute sich, nachdem sie einmal mitten im Hindernis gelandet war, nicht mehr, es zu reiten. Leevke hatte keine Bedenken, und obwohl sie mit den Beinen nur etwa zur Hälfte des Pferdebauches reichte, hatten sie und das Tier auch keine Probleme miteinander.

Es ist schon von Vorteil, in jungen Jahren mit dem Reiten zu beginnen. Man macht sich einfach nicht um jede Eventualität Gedanken.

Am Ende der Woche mußten wir eine Prüfung in allen drei Bereichen ablegen. Was hatten wir für ein Lampenfieber! Jeder wurde einzeln abgefragt zu Pferdepflege und -fütterung, Giftpflanzen, Knochenbau, unterschiedlichen Zäumungen, Schrittfolge der verschiedenen Gangarten, Funktionen und Anwendung der Hilfen und vielem mehr.

In der Dressurprüfung wurde nicht nur auf die Haltung des Reiters geachtet, sondern auch auf die des Pferdes, auf den Abstand zum Vordermann und natürlich das korrekte Reiten der Bahnfiguren.

Am schlimmsten aber war die Nervosität vor der Springprüfung. Wir ritten die Pferde in der kleinen Halle ab, damit sie warm wurden, und mußten dann (natürlich in weißer Reithose und weißem Hemd) einzeln in der großen Halle vor den strengen Augen der Richter den Hindernisparcours bewältigen.

Ich war so aufgeregt, daß ich fast gar nichts mehr von meinem Durchlauf weiß. Was ich weiß, ist, daß wir allesamt bestanden und die Richter sich wahrscheinlich köstlich über die nervösen kleinen Gestalten amüsierten. Wir nahmen diese Prüfungen auch vielleicht ein bißchen zu ernst.

Abbildungen
©  Werner Popken


Leserresonanz


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2 Leserresonanzen zu Ausgabe 189 vom 10.11.02


Leserbrief  1041 zu Ausgabe  189
 
Kommentar zu Seite  http://www.pferdezeitung.com/Tipp/189/


11.09.2003 10:47:01

meine Stute

ich bin jetzt seit über drei jahren stolze besitzerin einer besonders "stutigen" stute. bekommen habe ich sie, als sie gerade 4 jahre alt geworden ist.

damals war sie noch im totalen pflegelalter (und das eher auf der hengstigen basis!), ihr bester freund war ein 16jähriger wallach, den sie immer wenn es möglich war geärgert hat. dieser betrachtete die ganze sache eher mit "ja ja du kücken".

die ersten zwei jahre meines pferdebesitzer daseins konnte ich noch nicht mal die rossigkeit bei meiner stute feststellen, sie hat sich weder regelmäßig im wesen verändert, noch die rosse in der stallgasse verteilt. als meine stute 6 jahre alt wurde veränderte sich das scheinbar schlagartig. mittlerweile war ihr bester freund (wobei ich heute der festen überzeugung bin, dass sie ihn eher als lebenspartner bzw. ihren mann sieht) ein 9jähriger wallach, der aber vermutlich sehr spät gelegt wurde und in seinem verhalten auch sehr hengstig ist.

seit nunmehr über einem jahr habe ich das gefühlt, dass meine stute rossig wird, sobald "ihr mann" in der nähe ist (und das ist sehr sehr oft, da beide in einem stalltrakt stehen und die besitzerin eine sehr gute freundin von mir ist, wir somit also auch oft zusammen reiten und auch oft nebeneinander putzen). sie dreht ihm mit vorliebe ihr hinterteil zu und rosst vor seiner nase ab. einmal war es sogar so schlimm, dass meine stute während des reitens immer versuchte vor ihm zu sein und wenn sie das geschafft hatte stehen blieb um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass sie jetzt doch gerne besprungen werden würde.

ich kann nur von dem verhalten meiner stute ausgehen, aber ich bin mir ziehmlich sicher, das kvinta sehr viel spaß am sex hätte, wenn sie denn dürfte ;o))

grüßchennadine

 nadine.lubos@stadtkultur-online.de


Leserbrief  1045 zu Ausgabe  189
 
Kommentar zu Seite  http://www.pferdezeitung.com/Tipp/189/


15.09.2003 11:54:17

Stuten und Sex

Ich kann Herrn Stürenburg und Nadine nur zustimmen:

Sehr wohl haben Stuten Lust und zeigen auch ganz deutlich den Frust, wenn sie nicht das bekommen, was sie sich in der Rosse wünschen. Und zickig wie pubertierende Mädchen können sie auch sein.

Meine Bella war extrem rossig, zumindestens in den ersten 8 Jahren, in denen ich sie hatte. Danach, in schon etwas gesetztem Alter, wurde sie ruhiger und war dann mit einer "normalen" Stute vergleichbar.

Abgeschlossen hatte sie mit dem Thema dann im Alter von über 20 Jahren: Sie kam mit einem jüngeren, recht hengstigen Wallach auf die Weide. Wir wollten den beiden ihren Spaß ermöglichen, weil sie in der Zeit so unausgeglichen und nervig waren. Sie hat ihn tagelang umworben und so gequietscht, daß die Nachbarn kamen und fragten, ob dem Pferderl was weh täte. Leider konnte der Wallach nicht, es blieb nur beim wollen und nach ein paar Tagen war ihm das ganze Thema Stute nur noch lästig. Und dabei blieb es, zumindestens die Monate, in denen ich Bella noch in diesem Stall hatte. Auch Bella hatte nach diesem "Urlaub" abgeschlossen: Sie wurde danach nie wieder rossig.

So viel zum Thema Lust und Frust bei Pferden
...

Herzliche Grüße

Stefan Hölzl

 sthoelzl.at.web.dot.de



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Bericht Zum Thema Lebensgeschichte · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 189.02 der Pferdezeitung vom 10.11.02
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Der Herausgeber ist nicht verantwortlich für Leserbeiträge und die Inhalte externer Internetseiten.
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©1999-2002 · ISSN 1437-4528 · Statistik:  Übersicht
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