Kommen wir nun zur Klärung des letzten Wortes aus meiner Formel, zu konsequent:
Eigentlich ist es logisch, dass für die Übermittlung einer bestimmten Aussage auch immer der gleiche Begriff verwendet wird. Aber genauso wichtig wie der Begriff selbst ist eine vergleichbare Lautstärke und ein gleichbleibender Tonfall.
Wenn ich mit Eddy über einen "WAUWAU" rede, so verwende ich zwar mitunter zusätzlich das Adjektiv GROß oder KLEIN, aber ich werde nie das Wort Hund gebrauchen oder gar versuchen, meinem Pferd die Unterschiede in den Hunderassen nahe zu bringen.
Eddy kennt das Bewegungsmuster eines Hundes als "WAUWAU", also verwende ich konsequent diesen und nur diesen Begriff, unabhängig, ob es nun ein Schäferhund, ein Collie oder ein Tier aus einer anderen Rasse ist.
Genauso konsequent wie die Wortwahl der Begriffe sollte auch die Wortwahl für den Kontext sein.
Ein Pferd versteht nicht den buchstabengetreuen Inhalt einer Aussage, sondern reagiert ausschließlich auf die Klangfarbe und Harmonie des Gehörten. Als Mengenangabe verwende ich nur "EIN ...", "ZWEI ..." oder "VIELE MANN", ohne jedoch einen echten Plural wie Männer zu bilden.
Begriffe oder Kommandos können beliebig gewählt werden, sollten aber dann fester und unveränderlicher Bestandteil des Vokabulars im Umgang mit dem Pferd sein. Wichtig bei der Definition ist lediglich, daß sich das Klangbild der Worte insbesondere für Pferdeohren deutlich unterscheidet.
Wenn ich mit Eddy rede und er selbst Gegenstand des Gespräches ist, verwende ich grundsätzlich seinen Namen und nicht das für ihn sicherlich unverständlichere Du. Wenn ich ihn also z. B von der Koppel in die Box schicke, sage ich: "EDDY GEHT IN SEINE BOX".
Wenn Eddy und ich etwas gemeinsam unternehmen, ist das "WIR" fester Bestandteil der Kommunikation, "WIR GEHEN SPAZIEREN", "WIR..." Dass Eddy den Unterschied zwischen "WIR" und den Namen der Western-Trainerin kennt, kann ich aus seinen Reaktionen deutlich entnehmen.
So hatte ich einmal gerade den Sattel aufgelegt und im Satz "HEUTE ARBEITEN EDDY UND JUDITH" kaum den Namen Judith ausgesprochen, als Eddy 5 Schritte weglief, den Sattel abschüttelte und sich mit verdrießlichem Gesichtsausdruck wieder neben mich hinstellte.
Eddy hatte offenbar erwartet, daß "WIR" gemeinsam arbeiten und so sein Mißfallen zur Situation zum Ausdruck gebracht.
Wahrscheinlich interessiert den Leser, wie ich auf solche Handlungen von Eddy reagierte: Nun, erstens muß ein hochwertiger Sattel einen Sturz aushalten, zweitens hätte ich Eddy anbinden können und drittens wußte Eddy zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass eine solche Handlung "NEIN" bedeutet - wieso sollte ich also ein Pferd, das freiwillig wieder zu mir herkommt, für "meinen Fehler" bestrafen? Meine Aktion - seine Reaktion!
Konsequent sein heißt letztendlich auch, alles dem Pferd gegenüber einzuhalten, was ihm verbal (oder wie auch immer) versprochen worden ist.
So erwartet Eddy von mir, dass nur WIR beide uns "gegenseitig" beschäftigen, wenn es heißt: "WIR GEHEN IN DIE HALLE ARBEITEN". Wenn mich z. B. Zuschauer etwas fragen und ich mich geistig in Richtung Tribüne abwende, so versucht Eddy sofort, meine Aufmerksamkeit wieder zu erhalten: Er kommt näher und schiebt seinen Kopf behutsam zwischen mich und Störenfried, er zeigt unaufgefordert Zirkuslektionen oder aber - was immer hilft - er geht zum Tor und öffnet es mit dem Maul. Er weiß, dass ich sofort reagiere, ihn davon abzuhalten, die Halle allein zu verlassen.
Eine Unterhaltung mit Eddy ist aufgrund seiner fast arroganten und unnachgiebigen Art mitunter nicht einfach - schließlich werde ich als Mensch von einem Tier scheinbar bevormundet.
Trotzdem: Die Kommunikation mit Eddy ist immer wieder irgendwie schön - und interessant!
Quellen
Abbildungen
Norbert Kaiser Bearbeitung der Fotosequenzen: Media-Design Mätzschker (Grafik- und Animationsstudio)
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