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Bericht Zum Thema Irish Cob (Tinker) · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 185.02 der Pferdezeitung vom 12.10.02
 Menü Hauptartikel 185
 Wir gehen zur Spielwiese 
 Verständigung  Die Stimme des Menschen  Die Grundregeln
 Konsequenz  Leserresonanz
Inhaltsmenü
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Eddy und Norbert balgen sich...
©   Norbert Kaiser

    Wir gehen zur Spielwiese   
    Das Hörvermögen des Pferdes   
von   Norbert Kaiser

Teil 1:  Liebesverhältnis der besonderen Art

Teil 2:  Sprich mit deinem Pferd!
Teil 3:  Huch, Mietzekatze im Futter!
Teil 4:  Wie das Quieken von Schweinen


Vorbemerkung
Von   Werner Stürenburg
In der letzten Ausgabe haben wir bereits Fotoreihen gesehen. Zu dieser Ausgabe habe ich einen Bildschirmschoner produziert ( Tinker Eddy), der anders gebaut ist als sonst. Die Bilder werden nicht überblendet und sie stehen nicht 10 Sekunden, sondern nur eine. Damit kann man die Bewegungen ganz gut beobachten und nachvollziehen.


Kommunikation über eine spezielle Art wie beispielsweise über akustische Signale kann natürlich nur dann funktionieren, wenn auch die entsprechenden Sinnesorgane vorhanden sind, um die Botschaften auszuwerten.

Die Grundvoraussetzung für Schall-orientierte Verständigung ist durch das Vorhandensein der Ohren bei Equiden erfüllt. Wie gut ist aber das Hörvermögen und die Leistungsfähigkeit des Pferdegehirns, die Schallsignale zu verarbeiten?

Nach wissenschaftlichen Untersuchungen reicht das Hörvermögen der Equiden von niederfrequenten geophysikalischen Vibrationen (Frühortung von Erdbeben) bis zu Tönen im Bereich von 25 kHz.

Dank der beweglichen Ohrmuscheln, die einzeln von jeweils 16 verschiedenen Muskeln gesteuert um fast 180 Grad gedreht werden können, ist die Fernortung der Schallquelle erheblich schärfer als beim Menschen.

Umfangreiche Tests mit Pferden belegen außerdem, daß deren Gehör hochempfindlich und damit weit feiner und sensibler ist als das menschliche.

Außer den Hinweisen, daß ein Pferd freundlichen Worten auch freundlich lauscht und bei zu laut oder zu hart ausgesprochenen Anweisungen die Ohren verunsichert wegdreht, ist in der Literatur aber leider wenig zu finden.

Pferde verstehen nicht den Wortsinn infolge der Buchstabenkombination, sondern nur die darin verschlüsselte Botschaft anhand des Klangspektrums.

So werden sich viele Reitschüler an ihre Anfangsstunden zurück erinnern können, wo altgediente Schulpferde Befehle und zusammengesetzte Anweisungen des Reitlehrers so präzise ausgeführt haben, daß schon sehr frühzeitig der Irrglaube da gewesen ist, tatsächlich und selbständig reiten zu können.



Verständigung


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Eddy wendet auf der Hinterhand und sprinted los, die Herde bleibt ruhig
Eddy kann inzwischen etwa 100 meiner Worte erkennen und auch einfache Sätze verstehen. Es scheint das komplette Klangbild der Vokale eines Wortes zu sein, das für Eddy einen Sinn ergibt.

So kann er genau zwischen den Namen der von mir so getauften Lokalitäten unterscheiden: WIESENWEG, WIESENRAND, WALDWIESE, SPIELWIESE, obgleich überall das Wort Wiese enthalten ist.

Wenn ich z. B. zu Eddy sage: "WIR GEHEN ZUR SPIELWIESE", dann will er auf kürzestem Weg dorthin. Bei einem von mir bewußt gewählten kleinen Umweg fing die Diskussion an: "ES GEHT DOCH RECHTS ZUR SPIELWIESE".

Und meine Aufforderungen unterwegs "AUCH HIER DARFST DU FRESSEN" wurden immer nur mit deutlicher Hals-Kopf-Stellung und Blickrichtung "DORT DRÜBEN LIEGT DIE SPIELWIESE" beantwortet.

Auch wenn wir sowieso schon auf Freßtour am Wiesenrand unterwegs sind, sobald das Stichwort "WALDWIESE" über meine Lippen kommt, schnellt der Kopf in die Höhe und Eddy tänzelt.

Wenn ich Eddy am Wegrand grasen lasse und dann irgendwann sage, daß er nur noch bis zum SCHILD (WEG/STRAßE/etc.) fressen darf, kommt zunächst keine Reaktion.

Je mehr wir uns aber dem genannten Gegenstand nähern, desto öfter schaut Eddy und um so langsamer wird er. Und so etwa 2 Meter vor dem Punkt X wird Eddy zum perfekten Rasenmäher, kein Halm bleibt stehen.

Einmal hatte ich Eddy leichtfertig als Belohnung in Aussicht gestellt, daß er sich selbst auswählen dürfe, wo wir anschließend hingehen.

Ja, Eddy wollte zu meiner Überraschung nicht spazieren und auch nicht fressen gehen - er wollte das tun, was er sonst nie darf; nämlich in fremde Boxen gehen.

Eddy hat den Stall komplett inspiziert: von fremden Boxen angefangen über die Futterkammer bis hin zur Sattelkammer - und mich beim Zögern sofort an mein Versprechen erinnert.

Mit diesen paar Beispielen will und kann ich nicht beweisen, daß Eddy ausschließlich auf meine akustischen Botschaften reagiert. Der fast tägliche Umgang mit Eddy zeigt mir aber, daß eine konsequente, eindeutige und verhältnismäßig kurze Stimmhilfen offensichtlich sehr gut verstanden und deshalb auch befolgt werden.

Deshalb hatte ich mich ursprünglich sehr darüber gewundert, warum Eddy die ihm vertrauten Stimm-Kommandos nicht ausführte, wenn sie von der ihm gut bekannten Western-Trainerin ausgesprochen wurden - zumal er auf ihre Schenkelhilfen doch auch sofort und perfekt reagierte.

Als meine Stimme einmal aufgrund einer Erkältung etwas heiser klang, hatte ich die Erklärung: Eddy sah mich, rannte auf mich zu - und lief plötzlich gegen eine unsichtbare Wand, als er mein gekrächztes EDDY hörte.

Ein paar Körperbewegung von mir, Eddy begrüßte mich - und sah mich wieder mit großen Augen an, als ich den nächsten "verzerrten" Laut von mir gab.

Die Auswertung akustischer Signale scheint bei Pferden also nach ganz strengen Kriterien zu erfolgen, fast schon wie bei einer Frequenzanalyse.

Fehlen bei dem gehörten Kommando beispielsweise irgendwelche Frequenzbereiche oder ist die Klangfarbe etwas anders, so wird es nicht sicher erkannt - und ggf. deshalb mißachtet.

Die Tonauswertung scheint sich aber im wesentlichen nur auf das Klangbild von Vokalen zu konzentrieren. Variationen bei Konsonanten werden beispielsweise nicht immer erkannt, insbesondere, wenn bewußt ähnlich betont wird (z. B. NEIN und FEIN).

Ein Pferd kann aber nicht nur das Klangbild akribisch auswerten, sondern auch - ähnlich wie wir Menschen - die Grundstimmung herausfiltern, also feststellen, ob Freude, Sorge, Wut, Selbstsicherheit oder andere Gefühle in der Botschaft mitschwingen.

Die Lautstärke von Umwelt-Geräuschen und von der menschlichen Stimme scheinen Pferde unterschiedlich zu bewerten: Der Verkehrslärm im Hintergrund oder die alltäglichen Geräusche im Stall werden weitgehend ignoriert, während das leise Rascheln im Gebüsch sofort Unruhe auslöst; eine leise und dunkle Menschenstimme dagegen wirkt beruhigend, eine lautere und hellere antreibend.

Bei höherem Lautstärkepegel wie beim Schreien wird eine ständig laute Gefühlsäußerung des Menschen jedoch mitunter dem Lärm gleichgestellt - sie wird einfach "überhört".

Zusammenfassend läßt sich also sagen, daß bei Pferden ausreichende Voraussetzungen gegeben sind, um sich mittels der menschlichen Sprache mit ihnen verständigen zu können.

Trotzdem sollte - insbesondere am Anfang - die Stimme nur als unterstützendes, nicht als alleiniges Kommunikationsmittel eingesetzt werden.

Zu groß ist sonst die Gefahr, dass entweder ein eingleisiger Dauermonolog entsteht, bei dem das Pferd nur noch die passive Rolle eines stummen Zuhörers einnimmt, oder dass die verbalen Äußerungen des Menschen nur noch Kommandos darstellen, die das Pferd zu befolgen hat.

Damit ein Dialog entstehen kann, muss auch das Pferd Gelegenheit haben, zu antworten. Und da Pferde ihre Gefühle in der Regel lautlos mitteilen, sollte ein Mensch die Körpersprache der Pferde kennen, um erfassen zu können, was sie sagen.

Wenn wir in unserer Lautsprache zu Pferden reden, so brauchen wir eine mehrsinnige Wahrnehmung, um deren Antwort mit einem horchenden Blick empfangen, und zusätzlich einen wachen wie unvoreingenommenen Verstand, um diese Antort auch interpretieren zu können.


Die Stimme des Menschen


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Schön überkreuz!
Vorbemerkungen
Der Begriff Kommunikation bedeutet: Austausch von Informationen zwischen zwei Lebewesen, in diesem Fall zwischen Eddy und mir.

Equiden sind sehr viel weniger stimmorientiert als wir Menschen - sie kommunizieren hauptsächlich über Körpersprache miteinander. Ein Pferd benutzt seine Stimme nur sehr selten: es äußert sich akustisch in der Regel nur bei bestimmter Gemütslage der positiven, negativen oder sexuellen Erregung.

Aus diesem Grunde könnte ein Pferd einen Menschen durchaus für ein schizophrenes Herdenmitglied halten, wenn dieser zuviel redet - oder anders formuliert: ständiges Quasseln ist Gift für Pferdeohren, sie werden taub für die menschliche Stimme.

Es ist also die Qualität, nicht die Quantität, die für eine erfolgreiche verbale Kommunikation mit Tieren notwendig ist.

Bei der menschlichen Konversation wissen wir, daß nicht nur dem gesprochenen Wort für sich allein eine Bedeutung zukommt, sondern erst die Betonung, die Lautstärke und insbesondere der Kontext den Sinn präzisieren.

Der Lehrmeinung aus Managerseminaren "Der Mensch kann nicht nicht-kommunizieren" kommt entgegen bayrischer Ausdrucksweise hier die Bedeutung im wahrsten Sinne der Worte zu und zwar deshalb, weil Tiere noch stärker als wir Menschen auf Körpersignale reagieren, der Kontext also weit mehr als nur die anderen akustischen Reize mit einschließt.

Demnach ist insbesondere bei der Kommunikation mit Pferden wichtig, jene Signale, die Stimmbänder und Körper gleichzeitig aussenden, weitgehend zu synchronisieren oder zumindest zu harmonisieren.

Das Grundprinzip der akustischen Kommunikation mit Pferden

Versuchen wir anhand von Beispielen aus der Komando-Sprache die simple Formel zu entschlüsseln, die ich für die Kommunikation mit Eddy verwende:

Denke und handle einfach, gerecht und konsequent.


Unser Denken hat meines Erachtens einen enormen Einfluß auf die Kommunikation, denn der menschliche Körper strahlt unbewußt über Haltung, Mimik - und auch über Geruch wie Angstschweiß - ständig Botschaften aus.

Und genau anhand dieser menschlichen Körpersignale kann ein Pferd die Wünsche und Ängste des Menschen entschlüsseln. Wenn die Gedanken eines Menschen also irgendwo herumkreisen, dann wird dies durch die Körpersprache derart signalisiert, daß ein Pferd entsprechend irritiert sein wird und deshalb wahrscheinlich selbst ein Stimmkommando wie z. B. "SCHEE-RITT" nicht befolgt.


Die Grundregeln


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Eine kleine Bewegung genügt und der Schimmel weicht, während der Braune unbeteiligt steht...
Ausschließlich "Schritt" denken und nur "SCHEE-TITT" sagen, ist der erste Voraussetzung für einen Erfolg!

Die zweite Voraussetzung ist, Kommandos dann und nur dann auszusprechen, wenn dies weitgehend emotionslos möglich ist.

Ein erregter Mensch mag vielleicht "Schritt" denken können, aber seine Stimme wird das Kommando im Extremfall entweder angstvoll hauchen oder wütend brüllen.

Und da Stimmungen von Pferden höher bewertet werden als die buchstabengetreue Botschaft eines Wortes, wird ein emotional geladenes Kommando keine oder gar die falsche Reaktion auslösen.

Einfach oder weitgehend emotionslos heißt nicht, daß mit Computerstimme oder in militärischem Ton mit Tieren gesprochen werden soll. Natürlich, freundlich, verständnisvoll und dennoch selbstbewußt sollte die Stimmungslage sein - ganz so, als ob zu einem Kind gesprochen wird.

Sicher, in der Manege steuert Fredy Knie 10 oder mehr rivalisierende Hengste gleichzeitig mit nur ganz knappen Stimmkommandos. Was der Zuschauer hier aber sieht und hört, ist das Ergebnis jahrelanger intensiver Pferdeausbildung. Und schließlich ist bei Horsemanship nicht unbedingt das Ziel, ein Zirkuspferd ausbilden zu wollen.

Einfach heißt ebenfalls nicht, daß die Sprache verniedlicht werden soll. "WADDE HADDE DU DE DA": Diese von Stefan Raab medienwirksam umgesetzte Kommunikation zwischen Mensch und Tier ist meiner Meinung nach eine Art, die auch nicht unbedingt so extrem praktiziert werden sollte.

Einfach heißt für mich, einfache Sätze nur mit solchen Sinn-tragenden Wörten zu bilden, die klanglich gut von Pferden zu differenzieren sind.

Die dritte Voraussetzung ist ungemein schwieriger als die anderen - sie setzt nämlich Unvoreingenommenheit voraus.

Der Mensch hat nämlich mitunter eine gewisse Perfektion erreicht, sogar sich selbst zu belügen. Entgegen der eigenen inneren festen Überzeugung kann er zwar auch andere Menschen täuschen, aber in der Regel keine Tiere.

Ein umfangreiches Beispiel mit Eddy mag verdeutlichen, was gemeint ist: In Irland sind meinem Tinker offenbar nie so seltsame Wesen wie Katzen, Hunde, Jogger etc. begegnet - sonst hätte er mich anfangs wohl nicht schnaubend auf das immer wieder neu in ständig anderer Form und Bewegung drohende Unheil aufmerksam gemacht.

Bei den meisten anzutreffenden Lebewesen war ich mir sicher, daß Pferde - und damit auch Eddy - keine Angst vor ihnen haben. Also erklärte ich Eddy in voller Überzeugung, daß das dahin schleichende Etwas eine "MIETZEKATZE" sei, vor der er nichts befürchten müsse.

Bei dem Kampfhund in Nachbars Garten war ich mir dagegen innerlich irgendwie sicher, daß Eddy wirklich Angst vor diesem Hund haben könnte. Diese "Angst" wollte ich ihm dadurch nehmen, indem wir uns gemeinsam zu Fuß diesen Wauwau genähert hätten und ich ihm dann erklären wollte, daß dies auch nur ein "WAUWAU" sei.

Wie auf Absprache erwartete uns der Hund bereits: ruhig, aber am Gartenzahn stehend - ich kam mit Eddy nur auf etwa 10 Meter Entfernung heran.

Erst sträubte sich Eddy mit allen Vieren gegen den Zug am Führstrick, schließlich stand Eddy in voller Höhe senkrecht neben mir. Kein gutes Zureden, kein Ziehen, kein Schieben - nichts brachte mein Pferd auch nur einen Meter näher an den "harmlos" am Zaun stehenden Hund heran.

Durch das Steigen und das Hufklappern waren die Hundebesitzer aufmerksam geworden und führten deshalb kurzentschlossen ihren Hund hinter das Haus - und schon ließ sich Eddy bis zum Zaun führen. Voreilige Schlußfolgerung - Verdacht bestätigt: Eddy hat Angst vor diesem Hund.

Zurück im Stall berichtete ich sofort, daß das Märchen, Eddy kenne keine Angst, absolut nicht stimmen würde. Daraufhin bat mich jene Dame, von der das Gerücht der "furchlosen" Tinker stammte, Eddy zu satteln. Ja, und dann ritt sie mit Eddy zu dem Grundstück hin, wo der Hund natürlich wieder am Zaun in Lauerstellung stand.

Eddy ließ sich ohne Gegenwehr bis zum Zaun mit dem Pflaumenbaum dahinter reiten - und zuckte mit keiner Wimper, als dieser Hund schier zur Bestie wurde, als just von seinem Pflaumenbaum Früchte vom Pferd aus geklaut wurden.

Von da an änderte sich meine innere Einstellung und damit auch Eddy's Verhalten Hunden gegenüber drastisch. So blieb Eddy auch ganz cool (ohne Führstrick) stehen, als uns drei frei laufende Hunde überfielen und wie Indianer eine Wagenburg kläffend umrundeten.

Und der Hundebesitzer wußte auf meine Fangfrage, wessen Tier(e) denn nun besser erzogen sei(en), nur die Antwort Pferd zu sagen - und dabei war es nicht einmal Sache der Erziehung, sondern einzig des Vertrauens und letztendlich meiner eigenen inneren Einstellung.

Mit anderen Worten zusammengefaßt: Wenn ein Reiter z. B. Angst vor dem Springen hat und er außerdem innerlich überzeugt ist, dass das Pferd Probleme haben könnte, dann wird dieses Paar Hindernisse wahrscheinlich nur mit Schwierigkeiten überwinden - oder vielleicht gar nicht.

Die Stimme kann ein Pferd genauso wie eine Gerte strafen - sie sollte deshalb zum Tadeln äußerst gefühlvoll eingesetzt werden. So wie eine Peitsche in der Pferdeausbildung nur zum Touchieren verwendet werden sollte, so sollte auch die Stimme gefühlvoll, sprich fair, zum Korrigieren eingesetzt werden.

Ein scharfes "NEIN" ohne Zusatzinformation empfindet Eddy mitunter als unverstandene, sprich ungerechte Strafe aus Sicht eines Tinkers.

Beispiel: Um Eddy das Springen beizubringen, hatte ich eine Stange etwa 30 cm hoch auf Eimer gelegt - die er beim ersten Durchgang trotz meines Kommandos "HÜPF" heruntergewarf.

Aufgrund meines scharfen "NEIN" wollte er gar nichts mehr tun - verunsichert, um nicht zu sagen stur, stand er in der Halle. Also legte ich die Stange auf, warf sie selbst herunter und kommentierte dies gleichzeitig mit einem "NEIN".

Wieder legte ich die Stange auf, sprang selbst darüber und bewertete mein erfolgreiches Tun lautstark mit "GUUUT". Nun munterte ich Eddy auf, es auch noch einmal zu versuchen.

Ein gekonnter Sprung über die erneut aufgelegte Stange, gelobt mit einem "GUUUT" - und schon schien Eddy verstanden zu haben, um was es mir ging, jedenfalls "spielte" er wieder eifrig mit und machte "HÜPF".

Und am Ende der Übung bereitete es Eddy offenbar ein tierisches Vergnügen, die Stange mit dem Kopf "abzuräumen".

In dieser wie in vielen anderen Situationen ist mir aufgefallen, dass bei Eddy - vielleicht auch bei anderen Tinkern - das Verhalten mitunter rasch ins gegensätzliche Extrem umschlägt, beispielsweise von Leistungsbereitschaft in augenscheinliche Sturheit.

Als ich mich beispielsweise beim "Fang-mich-Spiel" unfairerweise hinter einem Hinternis verschanzte, fingen Eddy's Augen plötzlich an zu funkeln, er warf aufgewühlt den Kopf hin und her und tänzelte mit den Vorderfüßen wie ein Hengst kurz vor dem Angriff.

Aus dem Spiel war für ihn plötzlich Ernst geworden, aus Gutmütigkeit aggresive Kampfbereitschaft. Also ließ ich mich fangen - und Eddys Welt war wieder in Ordnung und sein Verhalten wieder normal. Tinker scheinen demnach einen sehr ausgeprägten Sinn für Fairness und Gerechtigkeit zu haben.

Doch zurück zur verbalen Kommunikation: Gerecht heißt meines Erachtens letztendlich auch, bei der Ausbildung nicht nur die menschliche Sprache, sondern zusätzlich oder gar vorrangig artgerechtere Kommunikationsmittel einzusetzen.

So wird das Lob "GUUUT" in der Regel von einem zustimmenden Kopfnicken begleitet, bei einem "SUUUPER" wird zusätzlich mit Streicheleinheiten belohnt und bei einem "BRAAAV" für außergewöhnliche Leistungen gibt es außerdem ein Karottenstückchen oder ein Lekkerlie.

Positive Rückmeldungen (friedly game) gehören für mich grundsätzlich zur Kommunikation dazu. Ich verstehe Lob nicht als Ausbleiben von Strafe (Strafe = negative Verstärkung). Gedenk der Worte von Pat Parelli, lege ich mein Herz in meine Hände und streichle mein Pferd.

Ergänzend sei angemerkt, daß Eddy die meisten akustischen Begriffe so nebenbei beim oder durch Spielen erlernt hat.

Wenn mich nämlich Eddy mit gespitzten Ohren, erhobenem Kopf und fixierendem Blick gefragt hat "WAS IST DORT?", dann habe ich selbst deutlich in diese Richtung geschaut und ihm erklärt: "EIN ... WAUWAU".


Konsequenz


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Eddy spielt Fußball
Kommen wir nun zur Klärung des letzten Wortes aus meiner Formel, zu konsequent:

Eigentlich ist es logisch, dass für die Übermittlung einer bestimmten Aussage auch immer der gleiche Begriff verwendet wird. Aber genauso wichtig wie der Begriff selbst ist eine vergleichbare Lautstärke und ein gleichbleibender Tonfall.

Wenn ich mit Eddy über einen "WAUWAU" rede, so verwende ich zwar mitunter zusätzlich das Adjektiv GROß oder KLEIN, aber ich werde nie das Wort Hund gebrauchen oder gar versuchen, meinem Pferd die Unterschiede in den Hunderassen nahe zu bringen.

Eddy kennt das Bewegungsmuster eines Hundes als "WAUWAU", also verwende ich konsequent diesen und nur diesen Begriff, unabhängig, ob es nun ein Schäferhund, ein Collie oder ein Tier aus einer anderen Rasse ist.

Genauso konsequent wie die Wortwahl der Begriffe sollte auch die Wortwahl für den Kontext sein.

Ein Pferd versteht nicht den buchstabengetreuen Inhalt einer Aussage, sondern reagiert ausschließlich auf die Klangfarbe und Harmonie des Gehörten. Als Mengenangabe verwende ich nur "EIN ...", "ZWEI ..." oder "VIELE MANN", ohne jedoch einen echten Plural wie Männer zu bilden.

Begriffe oder Kommandos können beliebig gewählt werden, sollten aber dann fester und unveränderlicher Bestandteil des Vokabulars im Umgang mit dem Pferd sein. Wichtig bei der Definition ist lediglich, daß sich das Klangbild der Worte insbesondere für Pferdeohren deutlich unterscheidet.

Wenn ich mit Eddy rede und er selbst Gegenstand des Gespräches ist, verwende ich grundsätzlich seinen Namen und nicht das für ihn sicherlich unverständlichere Du. Wenn ich ihn also z. B von der Koppel in die Box schicke, sage ich: "EDDY GEHT IN SEINE BOX".

Wenn Eddy und ich etwas gemeinsam unternehmen, ist das "WIR" fester Bestandteil der Kommunikation, "WIR GEHEN SPAZIEREN", "WIR..." Dass Eddy den Unterschied zwischen "WIR" und den Namen der Western-Trainerin kennt, kann ich aus seinen Reaktionen deutlich entnehmen.

So hatte ich einmal gerade den Sattel aufgelegt und im Satz "HEUTE ARBEITEN EDDY UND JUDITH" kaum den Namen Judith ausgesprochen, als Eddy 5 Schritte weglief, den Sattel abschüttelte und sich mit verdrießlichem Gesichtsausdruck wieder neben mich hinstellte.

Eddy hatte offenbar erwartet, daß "WIR" gemeinsam arbeiten und so sein Mißfallen zur Situation zum Ausdruck gebracht.

Wahrscheinlich interessiert den Leser, wie ich auf solche Handlungen von Eddy reagierte: Nun, erstens muß ein hochwertiger Sattel einen Sturz aushalten, zweitens hätte ich Eddy anbinden können und drittens wußte Eddy zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass eine solche Handlung "NEIN" bedeutet - wieso sollte ich also ein Pferd, das freiwillig wieder zu mir herkommt, für "meinen Fehler" bestrafen? Meine Aktion - seine Reaktion!

Konsequent sein heißt letztendlich auch, alles dem Pferd gegenüber einzuhalten, was ihm verbal (oder wie auch immer) versprochen worden ist.

So erwartet Eddy von mir, dass nur WIR beide uns "gegenseitig" beschäftigen, wenn es heißt: "WIR GEHEN IN DIE HALLE ARBEITEN". Wenn mich z. B. Zuschauer etwas fragen und ich mich geistig in Richtung Tribüne abwende, so versucht Eddy sofort, meine Aufmerksamkeit wieder zu erhalten: Er kommt näher und schiebt seinen Kopf behutsam zwischen mich und Störenfried, er zeigt unaufgefordert Zirkuslektionen oder aber - was immer hilft - er geht zum Tor und öffnet es mit dem Maul. Er weiß, dass ich sofort reagiere, ihn davon abzuhalten, die Halle allein zu verlassen.

Eine Unterhaltung mit Eddy ist aufgrund seiner fast arroganten und unnachgiebigen Art mitunter nicht einfach - schließlich werde ich als Mensch von einem Tier scheinbar bevormundet.

Trotzdem: Die Kommunikation mit Eddy ist immer wieder irgendwie schön - und interessant!


Quellen


  1. » Hacienda Los Andes, The Colonial Style Outdoor Company
  2.  Liebesverhältnis der besonderen Art, Kommunikation mit Eddy
      Ausgabe 178 · Teil 1
  3.  Sprich mit deinem Pferd!, Verstand eines Kindes
      Ausgabe 179 · Teil 2
  4.  Huch, Mietzekatze im Futter!, Die Augen des Pferdes
      Ausgabe 182 · Teil 3
  5.  Wie das Quieken von Schweinen, Die Lautäußerungen des Pferdes
      Ausgabe 184 · Teil 4

Abbildungen
  Norbert Kaiser
Bearbeitung der Fotosequenzen: Media-Design Mätzschker (Grafik- und Animationsstudio)


Leserresonanz


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1 Leserresonanz zu Ausgabe 185 vom 12.10.02


Leserbrief  839 zu Ausgabe  185
14.10.02


nur zur info ...

Norbert Kaiser

Sehr geehrter Herr Kaiser,

Ihre Artikel in der Pferdezeitung lese ich gerne und oft. Sie haben mir schon so manche Tage geholfen mit unseren 3 Pferden (2 Haflinger, 1 Reitpony) zu arbeiten. Wir haben unsere 3 noch nicht so lange (2 1/2 Monate) und können daher noch nicht super mit ihnen kommunizieren. Sie kennen uns noch nicht und wir sie nicht. Obwohl wir jeden Tag mindestens 2 Stunden bei ihnen auf der Weide verbringen und mit ihnen arbeiten, spielen oder nur schmusen ist die Zeit einfach noch zu gering um eine gute gegenseitige Kommunikation zu haben. Wir verstehen uns zwar schon besser wie am anfang und es wird jeden Tag besser, aber Ihr jetziger Artikel hat mich beindruckt. Mich würde wahnsinnig interessieren, wie lange Sie mit Eddy daran gearbeitet haben. Auch für meinen Mann, der ein absoluter Neuling auf dem Gebiet Pferde ist, helfen Ihre Artikel, seinen Henry besser zu verstehen und im Umgang lockerer zu werden.

Ich danke Ihnen für Ihre tollen Artikel und hoffe auf viele weitere.

Beste Grüße
Christina La Rue



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Bericht Zum Thema Irish Cob (Tinker) · Gesamttext
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Es ist jetzt der 02.12.2008, 02:00, GMT +01:00
Konsequent in alter Rechtschreibung - ausgenommen Fremdautoren.
Der Herausgeber ist nicht verantwortlich für Leserbeiträge und die Inhalte externer Internetseiten.
Tip: Deutsch/Englisch-Übersetzung: » dict.cc


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