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Bericht Zum Thema Irish Cob (Tinker) · Die Grundregeln
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 185.02 der Pferdezeitung vom 12.10.02
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Eine kleine Bewegung genügt und der Schimmel weicht, während der Braune unbeteiligt steht...
Ausschließlich "Schritt" denken und nur "SCHEE-TITT" sagen, ist der erste Voraussetzung für einen Erfolg!

Die zweite Voraussetzung ist, Kommandos dann und nur dann auszusprechen, wenn dies weitgehend emotionslos möglich ist.

Ein erregter Mensch mag vielleicht "Schritt" denken können, aber seine Stimme wird das Kommando im Extremfall entweder angstvoll hauchen oder wütend brüllen.

Und da Stimmungen von Pferden höher bewertet werden als die buchstabengetreue Botschaft eines Wortes, wird ein emotional geladenes Kommando keine oder gar die falsche Reaktion auslösen.

Einfach oder weitgehend emotionslos heißt nicht, daß mit Computerstimme oder in militärischem Ton mit Tieren gesprochen werden soll. Natürlich, freundlich, verständnisvoll und dennoch selbstbewußt sollte die Stimmungslage sein - ganz so, als ob zu einem Kind gesprochen wird.

Sicher, in der Manege steuert Fredy Knie 10 oder mehr rivalisierende Hengste gleichzeitig mit nur ganz knappen Stimmkommandos. Was der Zuschauer hier aber sieht und hört, ist das Ergebnis jahrelanger intensiver Pferdeausbildung. Und schließlich ist bei Horsemanship nicht unbedingt das Ziel, ein Zirkuspferd ausbilden zu wollen.

Einfach heißt ebenfalls nicht, daß die Sprache verniedlicht werden soll. "WADDE HADDE DU DE DA": Diese von Stefan Raab medienwirksam umgesetzte Kommunikation zwischen Mensch und Tier ist meiner Meinung nach eine Art, die auch nicht unbedingt so extrem praktiziert werden sollte.

Einfach heißt für mich, einfache Sätze nur mit solchen Sinn-tragenden Wörten zu bilden, die klanglich gut von Pferden zu differenzieren sind.

Die dritte Voraussetzung ist ungemein schwieriger als die anderen - sie setzt nämlich Unvoreingenommenheit voraus.

Der Mensch hat nämlich mitunter eine gewisse Perfektion erreicht, sogar sich selbst zu belügen. Entgegen der eigenen inneren festen Überzeugung kann er zwar auch andere Menschen täuschen, aber in der Regel keine Tiere.

Ein umfangreiches Beispiel mit Eddy mag verdeutlichen, was gemeint ist: In Irland sind meinem Tinker offenbar nie so seltsame Wesen wie Katzen, Hunde, Jogger etc. begegnet - sonst hätte er mich anfangs wohl nicht schnaubend auf das immer wieder neu in ständig anderer Form und Bewegung drohende Unheil aufmerksam gemacht.

Bei den meisten anzutreffenden Lebewesen war ich mir sicher, daß Pferde - und damit auch Eddy - keine Angst vor ihnen haben. Also erklärte ich Eddy in voller Überzeugung, daß das dahin schleichende Etwas eine "MIETZEKATZE" sei, vor der er nichts befürchten müsse.

Bei dem Kampfhund in Nachbars Garten war ich mir dagegen innerlich irgendwie sicher, daß Eddy wirklich Angst vor diesem Hund haben könnte. Diese "Angst" wollte ich ihm dadurch nehmen, indem wir uns gemeinsam zu Fuß diesen Wauwau genähert hätten und ich ihm dann erklären wollte, daß dies auch nur ein "WAUWAU" sei.

Wie auf Absprache erwartete uns der Hund bereits: ruhig, aber am Gartenzahn stehend - ich kam mit Eddy nur auf etwa 10 Meter Entfernung heran.

Erst sträubte sich Eddy mit allen Vieren gegen den Zug am Führstrick, schließlich stand Eddy in voller Höhe senkrecht neben mir. Kein gutes Zureden, kein Ziehen, kein Schieben - nichts brachte mein Pferd auch nur einen Meter näher an den "harmlos" am Zaun stehenden Hund heran.

Durch das Steigen und das Hufklappern waren die Hundebesitzer aufmerksam geworden und führten deshalb kurzentschlossen ihren Hund hinter das Haus - und schon ließ sich Eddy bis zum Zaun führen. Voreilige Schlußfolgerung - Verdacht bestätigt: Eddy hat Angst vor diesem Hund.

Zurück im Stall berichtete ich sofort, daß das Märchen, Eddy kenne keine Angst, absolut nicht stimmen würde. Daraufhin bat mich jene Dame, von der das Gerücht der "furchlosen" Tinker stammte, Eddy zu satteln. Ja, und dann ritt sie mit Eddy zu dem Grundstück hin, wo der Hund natürlich wieder am Zaun in Lauerstellung stand.

Eddy ließ sich ohne Gegenwehr bis zum Zaun mit dem Pflaumenbaum dahinter reiten - und zuckte mit keiner Wimper, als dieser Hund schier zur Bestie wurde, als just von seinem Pflaumenbaum Früchte vom Pferd aus geklaut wurden.

Von da an änderte sich meine innere Einstellung und damit auch Eddy's Verhalten Hunden gegenüber drastisch. So blieb Eddy auch ganz cool (ohne Führstrick) stehen, als uns drei frei laufende Hunde überfielen und wie Indianer eine Wagenburg kläffend umrundeten.

Und der Hundebesitzer wußte auf meine Fangfrage, wessen Tier(e) denn nun besser erzogen sei(en), nur die Antwort Pferd zu sagen - und dabei war es nicht einmal Sache der Erziehung, sondern einzig des Vertrauens und letztendlich meiner eigenen inneren Einstellung.

Mit anderen Worten zusammengefaßt: Wenn ein Reiter z. B. Angst vor dem Springen hat und er außerdem innerlich überzeugt ist, dass das Pferd Probleme haben könnte, dann wird dieses Paar Hindernisse wahrscheinlich nur mit Schwierigkeiten überwinden - oder vielleicht gar nicht.

Die Stimme kann ein Pferd genauso wie eine Gerte strafen - sie sollte deshalb zum Tadeln äußerst gefühlvoll eingesetzt werden. So wie eine Peitsche in der Pferdeausbildung nur zum Touchieren verwendet werden sollte, so sollte auch die Stimme gefühlvoll, sprich fair, zum Korrigieren eingesetzt werden.

Ein scharfes "NEIN" ohne Zusatzinformation empfindet Eddy mitunter als unverstandene, sprich ungerechte Strafe aus Sicht eines Tinkers.

Beispiel: Um Eddy das Springen beizubringen, hatte ich eine Stange etwa 30 cm hoch auf Eimer gelegt - die er beim ersten Durchgang trotz meines Kommandos "HÜPF" heruntergewarf.

Aufgrund meines scharfen "NEIN" wollte er gar nichts mehr tun - verunsichert, um nicht zu sagen stur, stand er in der Halle. Also legte ich die Stange auf, warf sie selbst herunter und kommentierte dies gleichzeitig mit einem "NEIN".

Wieder legte ich die Stange auf, sprang selbst darüber und bewertete mein erfolgreiches Tun lautstark mit "GUUUT". Nun munterte ich Eddy auf, es auch noch einmal zu versuchen.

Ein gekonnter Sprung über die erneut aufgelegte Stange, gelobt mit einem "GUUUT" - und schon schien Eddy verstanden zu haben, um was es mir ging, jedenfalls "spielte" er wieder eifrig mit und machte "HÜPF".

Und am Ende der Übung bereitete es Eddy offenbar ein tierisches Vergnügen, die Stange mit dem Kopf "abzuräumen".

In dieser wie in vielen anderen Situationen ist mir aufgefallen, dass bei Eddy - vielleicht auch bei anderen Tinkern - das Verhalten mitunter rasch ins gegensätzliche Extrem umschlägt, beispielsweise von Leistungsbereitschaft in augenscheinliche Sturheit.

Als ich mich beispielsweise beim "Fang-mich-Spiel" unfairerweise hinter einem Hinternis verschanzte, fingen Eddy's Augen plötzlich an zu funkeln, er warf aufgewühlt den Kopf hin und her und tänzelte mit den Vorderfüßen wie ein Hengst kurz vor dem Angriff.

Aus dem Spiel war für ihn plötzlich Ernst geworden, aus Gutmütigkeit aggresive Kampfbereitschaft. Also ließ ich mich fangen - und Eddys Welt war wieder in Ordnung und sein Verhalten wieder normal. Tinker scheinen demnach einen sehr ausgeprägten Sinn für Fairness und Gerechtigkeit zu haben.

Doch zurück zur verbalen Kommunikation: Gerecht heißt meines Erachtens letztendlich auch, bei der Ausbildung nicht nur die menschliche Sprache, sondern zusätzlich oder gar vorrangig artgerechtere Kommunikationsmittel einzusetzen.

So wird das Lob "GUUUT" in der Regel von einem zustimmenden Kopfnicken begleitet, bei einem "SUUUPER" wird zusätzlich mit Streicheleinheiten belohnt und bei einem "BRAAAV" für außergewöhnliche Leistungen gibt es außerdem ein Karottenstückchen oder ein Lekkerlie.

Positive Rückmeldungen (friedly game) gehören für mich grundsätzlich zur Kommunikation dazu. Ich verstehe Lob nicht als Ausbleiben von Strafe (Strafe = negative Verstärkung). Gedenk der Worte von Pat Parelli, lege ich mein Herz in meine Hände und streichle mein Pferd.

Ergänzend sei angemerkt, daß Eddy die meisten akustischen Begriffe so nebenbei beim oder durch Spielen erlernt hat.

Wenn mich nämlich Eddy mit gespitzten Ohren, erhobenem Kopf und fixierendem Blick gefragt hat "WAS IST DORT?", dann habe ich selbst deutlich in diese Richtung geschaut und ihm erklärt: "EIN ... WAUWAU".





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