Desmond Morris schreibt, daß ein Röhren - und helles Schreien - mitunter zu hören ist, wenn Pferde ernsthaft miteinander kämpfen oder wenn sie sehr erregt sind - sei es aus Wut oder Angst. Bei domestizierten Pferden kämen diese Lautäußerungen aber kaum vor, höchstens in freilebenden Herden.
Andere Autoren berichten, daß sich in die Kampfschreie, in das schrille und laute Quieken, manchmal röhrende Untertöne mischen.
Bei anderen Hengsten habe ich selbst bisher nur Lautäußerungen der Erregung vernommen, die sich eher nach einer Mischung aus Wiehern und lautem Röcheln bzw. Schnorcheln angehört haben.
In Verbindung mit hengstigem Imponiergehabe gibt auch Eddy Laute von sich, die wie ein Stoß aus einer verstimmten Trompete klingen und sicher auch als Röhren bezeichnet werden könnten.
Kämpfe im namentlichen Sinne zwischen Eddy und anderen Hengsten habe ich nicht beobachten können, es sind immer nur Spiele, in denen er gekonnt seine Körperfülle eingesetzt hat. Auch bei einer etwas ernsteren Auseinandersetzung mit einem Pony-Hengst habe ich Eddy nicht schreien hören. Allerdings habe ich außer dem aggressiven Gesichtsausdruck auch die rötliche Glut in seinen Auge gesehen, als ich ihm befohlen habe, von dem kleinen Frechdachs abzulassen, der geglaubt hat, Eddy immer wieder ungestraft attackieren zu können.
Aber bei unseren Spaziergängen habe ich Eddy ab und an vor Aufregung oder Wut röhren hören. Einmal ist es ein junger Hirschbock in etwa hundert Meter Entfernung gewesen, der uns (wahrscheinlich aber nur Eddy) lautstark klar machen wollte, wem das Revier gehört. Eddy in Kampfstellung, dann mehr ein Brüller als ein Röhren, und weg ist er gewesen, der Hirschbock.
Ein anderes Mal sind wir auf den Fahrwegen zwischen den Wiesen unterwegs gewesen - auf dem ACKERWEG in Richtung WIESENWEG. Aus der Ferne haben wir sie kommen sehen, den Schäfer und seine Herde. Aber dann sind sie quer über jene Wiesenfläche gelaufen, die Eddy absolut nicht betreten darf. Vielleicht hat Eddy deshalb das Tun der Schafe ab und an in Hab-Acht-Stellung mit Argusaugen beobachtet.
Als jedoch die ersten Schafe "seinen," den ihm als WIESENWEG bekannten Weg betreten haben, ist es mit seiner Beherrschung vorbei gewesen: ein paar Sprünge, und Eddy hat auf "seinem" WIESENWEG gestanden, majestätisch, imponierend, die Vorderhufe in der Luft - aus meinem friedlich grasenden Pferd ist eine Bestie geworden, die gebrüllt hat, wie ich bis dato noch kein Pferd habe schreien hören.
Und im Umkreis von 20 Metern ist plötzlich kein erwachsenes Schaf mehr gewesen, nur noch ein "weinendes" Schafkind. Das Mutterschaf hat sich vor lauter (Ehr)Furcht nicht einmal getraut, ihr auf halbem Weg zurück gebliebenes blökendes Kind zu holen. Und der Hund, ein kleiner Mischling, hat mit eingeklemmtem Schwanz beim Schäfer gesessen. Für die Beteiligten scheint es offenbar eine Begegnung der anderen Art gewesen zu sein.
Während mich die mannigfaltigen Ausdrucksformen von Eddy eher erstaunen, scheinen sie bei unbedarften Zeitgenossen mitunter pure Angstgefühle auszulösen. Aber ich muss zugeben: Eddy ist schon eine beeindruckende Erscheinung, 800 kg schwer und auf den Hinterbeinen stehend mit ausschlagenden Vorderbeinen nahezu vier Meter groß. Und dann noch sein Kampfschrei!
|