 |  | | Unterwürfigkeit: ich bin ganz klein... |  |  |  | In meiner direkten Gegenwart habe ich Eddy noch nie gähnen sehen, obgleich ich ihn zu den unterschiedlichsten Tages- und Nachtzeiten besuche, um mit ihm zu arbeiten oder zu spielen.
Andere Pferde, insbesondere jene, die tagtäglich mehr oder weniger nur ein Standardprogramm ausführen, habe ich in Gegenwart von ihren Reitern häufiger gähnen sehen, ganz so, als ob Gähnen auch bei Equiden ein Ausdruck von Langeweile ist.
Mit einem dem Gähnen sehr ähnlichen Bewegung des Unterkiefers signalisiert mir Eddy, daß er eine Diskussion nicht vertiefen möchte. Eddy sucht nicht die Konfrontation, er bietet so etwas wie eine Entschuldigung an, er bittet um Versöhnung - jedoch ohne jede Demutshaltung.
Anders als das Versöhnungs-Gähnen zeigt eine Kaubewegung bei weniger weit geöffnetem Maul - etwa im Sekundentakt ausgeführt - immer die Unterwürfigkeit gegenüber einem Ranghöheren an. Insbesondere bei Fohlen und Jungtieren ist dieses Verhalten zu sehen, wenn sie Sanktionen von ranghöheren Tieren fürchten.
Weitere akustische Signale
Zur akustischen Kommunikation gehören meines Erachtens auch jene hörbaren Signale, die ein Pferd bewußt oder unbewußt verursacht, um damit etwas mitzuteilen.
Ein typisches Signal für eine Art Langweile oder Ungeduld ist beispielsweise das Scharren mit den Vorderhufen. Auch Eddy scharrt auf dem Putzplatz, wenn es seiner Meinung nach zu lange dauert, bis wir endlich mit der Arbeit anfangen.
Durch bewußt kurzfristig hartes Auftreten versucht Eddy meine Aufmerksamkeit ihm gegenüber zu erhöhen. Manchmal habe ich bei der Bodenarbeit mit Eddy auch den Eindruck, daß dieses Stampfen eine Art Trotzreaktion ist unter dem Motto, "ICH MACH JA WAS DU WILLST, ABER ..."
Eine andere Art, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ist das Klopfen mit dem Huf an die Boxenwand - ein typisches Spiel, wenn das Futter nicht schnell genug in den Trog kommt.
Eddy tritt zwar nicht mit dem Huf an die Boxentür, aber er stemmt sich ab und an rhythmisch mit der Brust dagegen, was dann auch einen entsprechenden Lärm verursacht. Und als offenbar jemand Eddy einmal geneckt hat (Futter gezeigt, aber nicht gegeben), ist er einfach durch die geschlossene Boxentür durchgelaufen: eine Hälfte hing an den Scharnieren, die andere am Schloß - so die Bilanz des Schadens.
Mit dem geräuschvollen Um- oder Herunterwerfen von Gegenständen verfolgen Pferde meines Erachtens keine andere Absicht als die reine Befriedigung ihres Spieltriebes. Mitunter erschrecken sie selbst mehr über ihr Tun als die Umwelt.
Bei verspannter Muskulatur, z. B. beim Übergang von Schritt in Trab, ist bei Wallachen mitunter ein dumpfes Schmatzen des Hodenbeutels zu hören. Ein männliches Pferd signalisiert durch dieses Schmatzen des Hodenbeutels auch nach längerem Trab seine "negative" Gemütsstimmung - weit vor einem pferdetypischen Schweifschlagen.
Bei Wallachen ist deren Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation aufgrund von Muskelverspannungen bei schneller Gangart offenbar hörbar.
|