Das sogenannte Begrüßungs-Wiehern ist kein typisch intensives Wiehern mit geöffnetem Maul, sondern ein tiefer, tremolierender Kehllaut, der gemeinhin auch als Grunz-, Grummel- oder Kollerlaut bezeichnet wird.
Bei Eddy habe ich vier Varianten dieser Kommunikationsform feststellen können:
Wenn Eddy mich zum ersten Mal an einem Tag sieht, er sich aber aufgrund meines Verhaltens nicht sicher ist, ob auch ich ihn gesehen habe, dann grummelt er laut vernehmlich einige Sekunden lang. Der Willkommensgruß besteht aus einigen aneinander gehängten Kollerlauten.
Wenn bei der ersten Begegnung am Tag sofort Blickkontakt hergestellt worden ist, signalisiert lediglich sein Kopf ein freundliches "GRÜß GOTT" - meine verbale Begrüßung "EDDY" wird aber mit zwei kurzen Knurrlauten quittiert.
Manchmal ist bei Sichtkontakt seine akustische Antwort so leise wie das Blubbern einer Stute, die ihr Fohlen beruhigen will. Es ist fast mehr das Kräuseln und Vibrieren der Nüstern als das Hören eines Tones.
Eine etwas andere Form von "HALLO, SCHÖN DICH WIEDER AM BODEN ZU SEHEN" verwendet Eddy, wenn ich nach einem für ihn interessanten Ritt absteige. Mit einem tremolierenden und laut vernehmlichen Grunzlaut, der dann aber in ein fast dumpfes Stöhnen übergeht, wird jedoch nur - wie bereits erwähnt - ein interessanter Ritt belohnt.
So ist absolut nichts zu hören, wenn ich mich nach einem harten Arbeitstag mehr oder weniger lustlos von ihm umhertragen lasse und dann absteige.
Eine ähnliche Bewertung meiner Reitweise hat bei meiner Ausbildung im Westernreiten durch die Warmblutstute Laska stattgefunden: Je unabhängiger mein Sitz und je harmonischer die Bewegungen gewesen sind, um so intensiver, sprich länger und lauter, ist beim Absteigen gegrunzt und gestöhnt worden.
Bei der Bedeutung "FUTTER" nimmt der Kehllaut fast bittenden Tonfall mit beigemischten Blubbergeräuschen an. Interessant ist, daß andere Pferde auf dieses Bub-Bub-Bub sofort reagieren, entweder mit einer Wiederholung der Lautäußerung oder aber zumindest mit einem raschen Blick in die Richtung, aus der das Futter kommen muß. In der Regel ist es so, daß ein Pferd die Botschaft "FUTTER" verkündet und dann die Antwort Bub-Bub-Bub der anderen wie im Chor folgt.
Manche Pferde, offenbar die weniger redseeligen, reagieren auf das Bub-Bub-Bub mit Tritten an die Boxentür unter dem Motto "ICH-WILL-AUCH-FUTTER".
Grundsätzlich weiß Eddy immer als erster, wenn ich mich auf dem Stallgelände befinde. Einige der anderen Pferde im Stall begrüßen mich mit entsprechendem Kollerlaut erst, wenn Sie mich die Stallgasse betreten sehen.
Interessant in diesem Zusammenhang ist, daß nahezu alle Pferde im Stall Begrüßungslaute ausstoßen, wenn Eddy nach Abwesenheit (Ausritt etc.) den Stall betritt. Fast wie im Chor "kollern" ihm die Laute entgegen. Sei es nun Ehrerbietung oder Respektbezeugung - irgendwie drängt sich mir ein Vergleich zum Militär auf, wenn z. B. ein Offizier den Raum betritt.
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