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Galeriebeitrag Ausgabe 96.10 · Sentimentalität
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Gerade das Wenden des Kopfes und die Tatsache, daß es sich um einen Schimmel handelt, bringen zusätzliche sentimentale Züge in dieses Bild, abgesehen von der Darstellung des stilisierten Todes.

Das Bild ist übrigens insgesamt sehr konstruiert. Die starke Diagonale von links unten nach rechts oben springt gewaltsam ins Auge, gewisse Einzelheiten wie die Hände und die Kleidung sind sehr deutlich behandelt, andere Stellen wiederum sind so summarisch, daß man den Eindruck hat, hier solle man glauben, daß der Künstler es richtig hätte machen können, wenn er nur gewollt hätte.

Die Erde rechts unten, die immerhin einen sehr großen Teil des Bildes einnimmt, ist vollkommen unglaubhaft, nicht nur in Bezug auf die Detailbehandlung, sondern auch künstlerisch. Eine riesengroße schwache Stelle. Nun ist das allein nicht besonders erwähnenswert. Bei den meisten Malern gibt es schwache Stellen, auch bei Rembrandt.

Aber hier ist die schwache Stelle nicht nur sehr groß, sondern der gesamte Acker ist so gemalt, als hätte der Künstler noch nie einen frisch gepflügten Acker gesehen. Und besonders die heiße Stelle, wo der Bauer zusammengebrochen ist, wo man nun wirklich sehen will, wie er über seinem Pflug hängt, ist einfach nur unklar. Man kann es sich nicht vorstellen.

Dabei ist so ein Pflug ein sehr konkretes Ding, mindestens so konkret wie die beiden Leinen, die sehr schön von den dicken Hintern der Pferde herunterhängen und durch einen Ring zusammengehalten werden. Den Ring kann man quasi anfassen.

So etwas hatte ich noch nie gesehen. Ich bin auf dem Lande aufgewachsen, als die Bauern alle noch Pferde hatten, aber so einen Ring hatte niemand. Ob das eine englische Besonderheit ist?

Der Schimmel hat Scheuklappen - soweit ich weiß, haben Bauern niemals Scheuklappen benutzt, selbst beim Kutschefahren war das nicht unbedingt die Regel, sondern eher ein Zeichen des Snobismus - aber vielleicht war das in England anders.

Diese Leine läuft noch sehr schön durch die eine Hand, aber dann wird es unklar. Irgendwie vermutet man, daß die Leine über den Rücken des Bauern läuft und mit dem anderen Ende zusammenhängt, wie es Sinn machen würde und wie ich es kenne, denn schließlich braucht der Bauer beide Hände, um den Pflug zu führen. Aber davon ist nichts zu sehen.





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