Womit sich auch gleich die Antwort ergibt: Wenn Sie sich lange genug mit einem bestimmten Gegenstandsbereich beschäftigt haben, ist es sehr wahrscheinlich, daß Sie ein Qualitätsbewußtsein in Bezug auf diesen Gegenstandsbereich entwickeln.
Sie wissen dann ganz genau, ob etwas gut ist, und zwar unabhängig davon, ob Sie Ihr Urteil begründen und erklären können oder nicht. Und Sie sind sich mit allen anderen Fachleuten einig, ohne daß Sie sich erst lang und breit darüber auseinandersetzen müssen.
Für einen Laien mag sich beispielsweise die eine Dressur wie die andere darstellen; für Sie aber ist es ein himmelweiter Unterschied! Eine bestimmte Bewegung ist phantastisch und eine andere, die sehr ähnlich aussieht, unmöglich.
So auch in der Malerei. Wenn sich Ihnen bei der Betrachtung dieses Bildes nicht der Magen umdreht, sollten Sie sich einfach mehr mit Malerei beschäftigen. Alles andere ergibt sich dann von selbst. So machen es die Jugendlichen mit der Musik: Durch intensive Berieselung entwickelt sich das Qualitätsbewußtsein weiter. Manche Sachen kann man sich dann einfach nicht mehr anhören. Da gibt es nichts zu diskutieren, die Sache ist von sich aus klar.
Sie werden sicherlich erkennen, daß das vordere Fohlen wie eine Marionette erscheint und gar nicht auf seinen vier Füßen steht. Ich habe dieses Fohlen als das vordere bezeichnet, weil das andere sehr viel kleiner dargestellt ist. Damit sollen wir glauben, daß das andere Fohlen weit entfernt ist. Seine Füße befinden sich aber etwa auf der Höhe des linken Hinterfußes des vorderen Fohlens, was ein visueller Widerspruch ist.
Und so könnte man noch weiter über dieses Bild sinnieren und Hinweise dafür aufzählen, warum es so ein merkwürdiges Gefühl hinterläßt. Aber wir wissen ja schon, was der Maler (oder der Vorlagenmaler) uns sagen wollte: Das weiße Pferd bäumt sich auf als Symbol der Freiheit und Wildheit, die Fohlen spielen auf der grünen Wiese als Sinnbild der unbeschwerten Jugend.
Oder so ähnlich... immerhin - ohne Bild wäre der Giebel recht trist. Seien wir Auftraggeber und Maler also dankbar für eine etwas verunglückte Vision dessen, wofür Pferde stehen (können).
Quellen / Verweise
Fotos © › Werner Popken
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