 | | | Kriegsdenkmal in Hüllhorst, Ausschnitt |  |  |  |
| | | Wie konnten die Menschen in Hamburg 1930 die Greuel des verlorenen Großen Krieges so schnell vergessen haben? Und warum brauchten sie ein Kriegs-Denkmal?
Ein Barlach-Relief an einer Stele: das kann nur ein Denkmal zur Erinnerung an die Toten des Ersten Weltkriegs gewesen sein - wo immer dieses Denkmal geblieben ist, darüber schweigt sich der Text aus.
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, daß Denkmäler für die Toten der beiden Weltkriege in praktisch jeder Stadt zu finden sind? Selbst in London bin ich darauf gestoßen, und in der Gegend, in der ich lebe, stehen diese Denkmäler meistens am besten Platz, den der Ort zu vergeben hat.
Und in allen Fällen, in denen ich mir die lange Liste der Namen angeschaut habe, wurde deutlich, daß diese Denkmäler nach dem Ersten Weltkrieg errichtet worden sind und später diese Listen um die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erweitert worden sind.
Es ist nicht einfach, den Krieg bzw. das dadurch verursachte Leid mit den Mitteln der Kunst zu erfassen. So manches Mal war ich erschüttert durch die Kraft des Ausdrucks, den die meist anonymen oder zumindest unbekannten Bildhauer in ihre Werke zu legen vermochten.
Das sind ebenfalls Auftragsarbeiten, die nicht unbedingt als politische Aussagen gedacht waren, die aber die Empfindungen der Leidtragenden zum Ausdruck bringen sollten und damit unversehens eine politische Dimension gewannen.
Bei diesen Figuren habe ich meistens den Eindruck, als blickten diese Krieger ihrem eigenen Tod bereits in die Augen - angesichts des Zweckes durchaus angemessen. Schließlich ging es um die Ehrung derjenigen, die ihr Leben lassen mußten.
Die Wilhelm-Skulpturen sind im Gegensatz dazu durchgängig heroisch und unterstützen die "Wir sind wieder wer"-Mentalität der Untertanen des Deutschen Reiches. Das Standbild in Hamburg ist auf die Bündelung vaterländischer Emotionen hin ausgerichtet.
Wir schauen hinauf zu unserem Kaiser, der mit Pickelhaube auf einem nervigen Hengst sitzt. Wenn man an der richtigen Stelle steht, hat man den Eindruck, der Kaiser schaue einen direkt an.
Nun hat unser Kaiser etwas Väterliches an sich, etwas Beruhigendes, aber dennoch Forderndes. Auch dieser Herrscher nimmt in die Pflicht, in Anspruch, ohne Rücksicht auf persönliche Schicksale, zum höheren Ruhm seiner selbst und des Vaterlandes.
Das Pferd entbehrt nicht gewisser übertreibender Züge. Es will so gar nicht als Kriegsroß durchgehen, wirkt etwas extravagant, so als sollte es besonders schick sein. Dieser Kontrast des langbeinigen Pferdemodels zum derben Kaiser bringt eine gewisse distanzierte Note hervor, die vom Künstler bestimmt nicht beabsichtigt war.
Die anderen Figuren sind ebenfalls interessant, haben jedoch mit Pferden überhaupt nichts zu tun und stehen in keinem für mich erkennbaren Zusammenhang mit der zentralen Figur.
Insofern ist für mich verständlich, daß die Stadtväter auf die Idee kommen konnten, das gesamte Ensemble auseinanderzureißen. Selbstverständlich haben auch diese Figuren etwas zu bedeuten, der Sinn hat sich mir jedoch nicht unmittelbar erschlossen. Immerhin fand ich witzig, daß der Künstler den Versuch gemacht hat, die modernsten Errungenschaften mit der Ästhetik der alten Griechen zu verbinden: einer der griechischen Jünglinge spielt mit einem Telefon.
Quellen / Verweise
Fotos © › Werner Popken
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