Die Königin und der König sitzen sich gegenüber und haben eine goldene Krone auf. Der König hält sein Zepter in der Hand, als wollte er auch auf der Ausfahrt seine Regierungsgewalt nicht aus der Hand geben.
Der Kutscher hat eine Uniform an, der König einen Purpurmantel mit Hermelinbesatz. Die Krone bedeckt sein gesamtes Haupt und überragt es auf dramatische Weise: Wer jetzt nicht kapiert, wer hier der König ist, hat gar nichts begriffen. Eine solche Krone ist mit Sicherheit nicht bequem. So hat der König auch nichts zu lachen, er schaut ernst, sogar ein wenig grimmig.
Die Tatsache, daß dem Kutscher die Nase fehlte, durfte nicht dazu verleiten, dies als charakteristisch für den Mann anzusehen. Auch der König und die Königin müssen auf dieses wertvolle Organ verzichten. Das Gesicht des Königs ist im Vergleich zu dem des Kutschers weniger differenziert, das der Königin noch weniger.
Ich nehme an, daß das auch damit zusammenhängt, daß die entsprechenden Köpfe in der Größe jeweils abnehmen. Irgendwann ist es auch einem kleinen Jungen nicht mehr möglich, genug Einzelheiten in der Fläche unterzubringen.
Die Königin trägt ein himmelblaues, langes Kleid, verziert mit einer violetten Bordüre, und ebenfalls eine gewaltige Krone, die jedoch ein bißchen schlanker ist. Wie es sich für eine Königin gehört, hat sie lange blonde Haare.
Beide Kronen zeigen drei Zacken. Da es sich um eine Seitenansicht handelt, dürften die Kronen jeweils vier Zacken haben, aber vermutlich ist es so gemeint, daß es insgesamt sechs Zacken sein sollen, da man ja die Hälfte nicht sieht.
Die Königin sitzt auf einem purpurnen Polster. Dieses Polster wiederholt sich beim König, aber dort kann diese Form nicht als Polster gelesen werden. Tatsächlich muß ich rätseln. Wie sitzt überhaupt dieser König?
Es scheint keine Beine zu haben. Der Sitz läßt überhaupt nicht zu, daß man die Beine herunterbaumeln läßt. Immerhin ist der Sitz klar und deutlich gezeichnet, man könnte ihn sofort nachbauen. Eine Einzelheit, die ich nicht ohne den Künstler aufklären kann.
Der König sitzt übrigens etwas höher als die Königin. Diese schaut ihren Gemahl an und streckt ihm die Arme entgegen. Für die Hände und die Einzelheiten das Gesicht hat es offenbar nicht gereicht. Das fällt besonders deshalb auf, weil ja der Kutscher und der König feine Hände haben.
Insgesamt aber treten die königlichen Herrschaften im Bild deutlich zurück: der Kutscher steht viel mehr im Mittelpunkt, ist größer und vollständiger. Das Königspaar ist eher Staffage.
Bis auf den Hintergrund sind alle Flächen sorgfältig angelegt, eine Unmenge von Details berücksichtigt, so z.B. die Tür in der Kutsche und der Griff in der Tür. Die Prinzessin ritt von links nach rechts, eine positive Richtung, dynamisch, frisch und frei.
Die Kutsche fährt von rechts nach links, eine problematische Richtung, es geht ins Ungewisse, Bedrohliche, und entsprechend erschrocken schaut das Pferd. Was vor ihm liegt, ist ihm gar nicht geheuer. So stehen denn auch die Hinterbeine festgewurzelt in der Erden; nur der vordere Teil des Pferdes will laufen. Dieser Vorwärtsdrang ist aber gebrochen, denn das Pferd hat die Ohren panikartig aufgestellt und die Augen ängstlich aufgerissen.
Der Ausdruck des Kutschers trägt ebenfalls nicht dazu bei, die Stimmung zu heben. So wirkt das gesamte Blatt denn etwas ungemütlich, als ob bald Unerfreuliches, wenn nicht gar Schlimmes zu gewärtigen wäre.
Quelle / Verweis
Fotos © › Werner Popken
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