Unbekannt, China Pferdekopf, Terrakotta, Ausschnitt Lebensgroß, Foto 6.9.03 Moorweide, Bahnhof Dammtor, Hamburg
In der letzten Woche habe ich in dieser Reihe über meinen Besuch in der Ausstellung › Körperwelten in Hamburg berichtet; dazu gab es einige Leserreaktionen, die mich veranlaßt haben, einen weiteren Abschnitt hinzuzufügen (› Nachtrag).
Vorher habe ich eine andere höchst interessante Ausstellung besucht, die vermutlich niemandes Gefühle verletzen wird, obwohl mit dieser Ausstellung indirekt Gemetzel, Mord und Totschlag verbunden ist. Das wird jedoch nicht dargestellt.
Gezeigt werden Repliken der berühmten Terrakottaarmee, die im Frühjahr 1974 durch chinesische Bauern entdeckt wurde und als die größte archäologische Sensation des 20. Jahrhunderts bezeichnet wurde.
Weit über 8.000 lebensgroße Terrakotta-Krieger und Pferde sollten das Grabmal des ersten chinesischen Kaisers (Qin Shi Huang Di, 259-210 v.Chr.) beschützen und diesem nach seinem Tode zur Verfügung stehen.
Ein Teil davon ist inzwischen von Archäologen freigelegt worden und kann in China besichtigt werden. Doch wer wird dahin reisen können? Zwei Deutsche hatten die Idee, Nachbildungen anfertigen zu lassen und diese in einer Wanderausstellung zu präsentieren (» Die Terrakotta-Armee).
Kommentar · 21.09.2003 Von › Werner Popken
 | | Ansicht von links Knotenhalfter moderne Zutat |  |  |  |
| Diese Idee finde ich grandios! Puristen darf man das nicht erzählen; die wollen Originale sehen. Wenn man aber an die Originale nicht herankommt?
Diese Einstellung ist eigentlich snobistisch und durchaus neu. Wir können uns diese Haltung nur deshalb leisten, weil wir normalerweise relativ leicht Zugang zu den Originalen bekommen können. Wer die Mona Lisa sehen will, reist einfach schnell mal nach Paris. Heutzutage ist das kein Akt. Das war nicht immer so.
Nachbildungen sind in der europäischen Kunstgeschichte früher an der Tagesordnung gewesen. Wie viele Kopien der Mona Lisa gibt es? Keine Ahnung, aber ich habe eine dunkle Erinnerung, daß ich in einem Buch einmal fünf davon allein aus der Zeit des Leonardo gesehen habe.
Goethe z.B. war sehr stolz auf seine Sammlung von Abgüssen und Drucken, die es ihm ermöglichten, sich an die Originale zu erinnern, die er in Italien gesehen hatte. Immerhin war es ihm vergönnt, Florenz und Rom zu sehen. Die Reise war ein für uns Heutige unvorstellbares Abenteuer und konnte schon aus Zeitgründen keinesfalls wiederholt werden. Überhaupt kamen nur die ganz Reichen in den Genuß einer Bildungsreise.
Bücher wurden erst sehr spät erfunden, Abbildungen in Büchern waren bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinein ein großes Problem. Reproduktionstechniken wie Kupferstich, Holzschnitt, Radierung, Lithographie wurden benutzt, um einer größeren Menge von Personen einen Eindruck der Originale zu vermitteln.
|