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Drittens besaßen alle diese Leute Pferde, mit denen man repräsentieren konnte, die also schick und feurig waren, dabei aber so brav, daß das Pferd mit leichter Hand zu lenken war, damit der Herr die wichtigen Angelegenheiten von Pferd zu Pferd erörtern konnte.

Das ist verständlich: schließlich geht es um das Geschäft. Das Pferd wird ein Aspekt des Gesamteindrucks gewesen sein, der die gesellschaftliche Stellung und den Rang bezeichnet hat. Die Mode spielt eine große Rolle: damit kann man sehr gut Signale vermitteln. Hinzu kommen die Haltung, die Ausstrahlung, das Benehmen.

Nun stelle man sich mal vor, einer dieser wichtigen Menschen hätte Probleme mit seinem Pferd. Er würde sich doch lächerlich machen. Wenn er noch nicht einmal sein Pferd beherrscht, was will er dann?

Auf der anderen Seite darf er sich natürlich auch keinen lahmen Zossen leisten. Er muß schon wissen, was gut ist, das Pferd darf auch gern etwas kosten, vielleicht muß es sogar viel kosten, es sollte aber auf jeden Fall den Rang des Besitzers reflektieren und unterstreichen.

Eine endlose Reihe von Soldaten säumt die rechte Seite der Brücke. So soll es sein: Die Königin nimmt die Parade ab. Die Soldaten haben ihre Bajonette aufgepflanzt, der Kommandant zu Pferd steht frei davor, das Publikum dahinter: die Leute dürften kaum was gesehen haben.

Die Pferde der Militärs gehen selbstverständlich im Gleichschritt, um nicht zu sagen im Stechschritt. Sie heben die Knie ziemlich hoch. Außerdem tragen sie die Hälse und Köpfe erhaben, zeigen aber dennoch individuellen Ausdruck, sind also keineswegs stumpfe Maschinen, die kein Eigenleben mehr haben.

Die Königin fährt sechsspännig à la Daumont, also ohne Kutscher - die Kutsche hat gar keinen Bock. Sie wird "vom Sattel" gefahren, wobei die Pferde links von der Deichsel geritten werden. Diese heißen die Sattelpferde, die anderen die Stangenpferde.

Die ganze Angelegenheit ist ebenfalls ein Ausdruck der gesellschaftlichen Repräsentation, des Machtanspruchs, der Rangordnung. Je mehr Pferde, desto größer der Anspruch.

Um die vier Damen auf dieser glatten, ebenen Brücke ziehen zu können, bedarf es vermutlich nur eines einzigen Pferdes gleich welcher Rasse - auch ein Shettlandpony könnte die Aufgabe erledigen.

Daß die Herren alle reiten und nicht etwa ebenfalls Kutsche fahren, hat vermutlich mit diesem Anspruch zu tun. Wenn sie denn fahren dürften, dann keinesfalls mit sechs Pferden, vielleicht mit vier oder gar nur zwei.

In Machtangelegenheiten muß man sehr vorsichtig sein und die Konventionen gut verstehen. Man kann leicht in ein Fettnäpfchen treten. In gewisser Weise kann man meines Erachtens diese Signale vergleichen mit den Rangspielen, die innerhalb einer Pferdeherde zu beobachten sind. Dort genügt bekanntlich eine winzige Bewegung mit dem Ohr, um Überlegenheit oder Distanz zu signalisieren.

Diesen feinen Ritualen stehen wir Menschen doch in gar nichts nach, im Gegenteil, bei uns ist die ganze Sache entsprechend differenzierter und komplizierter. Zusätzlich zur Körpersprache verfügen wir über die gesprochene Sprache und eine Fülle von weiteren Mitteln, mit denen wir kommunizieren.

Hierzu gehören die Mode und sämtliche anderen Accessoires, Pferde inbegriffen. Was wären die ungarischen Nationalhelden, wenn sie zu Fuß daherkämen ( Árpád und seine Stammesbrüder)?





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