 | | | Das Pferd mit den beiden Damen von links |  |  |  |
|  | | | Uni Bielefeld: keine Kunst am Bau |  |  |  |
|  | | | Das Pferd mit den beiden Herren von links |  |  |  |
|  | | | Das Pferd mit den beiden Herren von rechts |  |  |  |
| |  | | | Von links: City Hall, Unilever-Gebäude (Schmalseite), St. Paul's Cathedral, "Patrone" rechts, Blackfriars Bridge rot/weiß bemalt |  |  |  |
| Wenn ein großes Unternehmen ein neues Gebäude plant, das das zukünftige Wachstum fassen soll, dann soll es in der Regel auch repräsentative Funktionen übernehmen. Je leistungsfähiger, sprich vermögender ein Unternehmen ist, desto eher ist es auch geneigt, diese Tatsache nach außen zu signalisieren - ganz ähnlich wie bei Privatleuten.
Kunst ist ein vorzügliches Mittel, Vermögen zu verdeutlichen, und neben der reinen Architektur an sich, die natürlich schon sehr viel zeigen kann, dient Kunst am Bau dazu, sich darzustellen. Die deutsche Bank hat sich zum Beispiel mit den beiden Bürotürmen in Frankfurt ein Denkmal gesetzt, was der Größe der Bank angemessen scheint, und dann diese Gebäude mit Kunst verschönt, außen wie innen.
In der Bundesrepublik gibt es sogar gesetzliche Vorschriften, die zumindest die Bauherren im öffentlichen Raum dazu verpflichten sollen, einen bestimmten Prozentsatz der Gesamtsumme für Kunst am Bau auszugeben. In Zeiten knapper Kassen wird das natürlich ständig unterlaufen. Beispiel: Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde die Universität in Bielefeld gebaut, mit einer für damalige Verhältnisse sensationellen Bausumme von einer Milliarde Mark. Für die Kunst ist nichts übriggeblieben.
Das ist schlimm, denn in diesen Gebäuden müssen sehr viele Menschen täglich arbeiten, manche ihr Leben lang. Die Leute bei Microsoft haben es da besser. Als denen auffiel, daß die Flure und Räume kahl waren, durften die Angestellten Kunst kaufen (» Roots). Heute besitzt Microsoft eine sehr große Sammlung.
Bei Unilever wird die Kunst wahrscheinlich in der Vorstandsetage verhandelt; es ist eher unüblich, daß man die Sache popularisiert. Die Deutsche Bank z.B. hat das Ganze naturgemäß als Investment angesehen, Experten berufen und das Geld in sichere Werte verwandelt. Das macht ökonomisch durchaus Sinn, wenn es auch die Kunst und die Künstler nicht unbedingt weiterbringt. Insofern ist der Vorstoß von Microsoft ungewöhnlich, mutig und nachahmenswert.
Kunst am Bau wird man normalerweise nicht austauschen wollen und können. Es handelt sich also um eine langfristige Entscheidung, bei der der Architekt mit Sicherheit auch ein Wort mitzureden hat, denn schließlich steht die Kunst im Verhältnis zur Architektur: Er will sich ja nicht sein eigenes Kunstwerk kaputtmachen lassen. Im Falle des Unilever-Gebäudes ist die Kunst an und auf dem Gebäude angebracht, also eigentlich ein Teil des Gebäudes, im wahrsten Sinne des Wortes "Kunst am Bau".
Die Pferde und Menschen bestehen aus demselben Stein wie die Fassade. Die Integration der Kunst in die Architektur ist also vom Material her schon vorgegeben. Dieser Stein liegt offenbar nicht in hinreichend großen Blöcken vor, wie der Marmor, den Michelangelo verarbeitet hat. Dieser soll ja bekanntlich gesagt haben, die Kunst besteht darin, die im Stein verborgene Figur freizulegen.
Hier ist zunächst einmal aus einzelnen Steinen ein großer Block gemauert worden, aus dem die Figur dann wieder herausgearbeitet wurde. Vermutlich ist dieser Stein recht weich, denn der Bauch ist nicht freigelegt; der Bildhauer hat einfach in der Mitte eine Wand stehenlassen, die den Bauch trägt. Merkwürdigerweise stört das nicht sehr.
Die Symmetrie der beiden Figuren leuchtet ein: beide krönen jeweils einen Eingang. Der Haupteingang scheint sich in der Mitte zu befinden; dieser ist ebenfalls verziert, jedoch verhältnismäßig schlicht gehalten. Auf einer Führungsseite durch London fand ich das Baujahr des Gebäudes: 1932 (» Why Microsoft Collects), zusammen mit der falschen Angabe, daß die Skulptur, die ich eigentlich gesucht hatte, an diesem Gebäude steht. Immerhin war dort das Baujahr erwähnt: 1987, was wohl halbwegs hinkommt; die Plakette an der Skulptur behauptet: 1988. Vielleicht hat man ein Jahr lang gebraucht.
Eine andere Seite, die sich speziell mit Skulpturen auf diesem Ufer des Flusses beschäftigt, erwähnt ausdrücklich nur eine der beiden Skulpturen, die wir betrachtet haben, als sei es die einzige, und behauptet außerdem, daß es sich um ein Pferd und ein Mädchen handele:
| | Along the Embankment by Blackfriars are a string of impressive buildings, of which two have good architectural sculpture. The first, with a great sweep of arches going round the corner, is Unilever House, with very big stone sculptures as part of the decoration. The best is on one corner - a massive horse with girl (1931), very vigorous, by William Reid Dick [...].(» Route 3: The South Bank) | | |
Hm, mit den Quellen ist es offenbar so eine Sache! Das erinnert mich an den Spruch: "Ich traue nur den Statistiken, die ich selber gefälscht habe." Ich war da, ich habe es gesehen, ich habe es fotografiert, und so gut kann ich gar nicht fälschen, daß Sie mir nicht trauen können: Beide Skulpturen sind gleichwertig in der Qualität, und beide Pferde haben jeweils zwei menschliche Vertreter ihres Geschlechtes zur Seite. Ist ja auch logisch: So wie die ziehen, müßte das Pferd sonst sofort seinen Kopf hergeben.
Was sich der Bildhauer und die Unilever-Auftraggeber dabei gedacht haben, bleibt mir rätselhaft. Was drücken diese Skulpturen aus? Was wollte uns der Künstler sagen, was sagen die Skulpturen selbst?
Vermutlich mußte der Bildhauer seine Idee verkaufen, und vielleicht gibt es sogar auch noch Aufzeichnungen darüber, was er seinerzeit über seinen Entwurf gesagt oder geschrieben hat. Das ist aber nicht im Internet zu finden. Genauso wenig klärt uns Unilever darüber auf, warum die riesige Skulptur, die vorübergehend die Maschinenhalle des ehemaligen Kraftwerks ausgefüllt hat, gefördert worden ist.
Wo dieses Ding wohl geblieben ist? Kann man das zusammenlegen? Ich stelle mir vor, daß man die drei riesigen Ringe, die jeweils den Abschluß gebildet haben, zerlegen kann; die Haut kann man vermutlich zusammenfalten. Trotzdem: eine Garage reicht bestimmt nicht aus, um das Material aufzunehmen. Wird man die Skulptur jemals wieder zusammensetzen (können)?
So gesehen hat der Schöpfer der Pferdeskulpturen mehr Glück: Seine Figuren sind jederzeit weithin sichtbar, wenn sie sich auch nicht besonders deutlich von der Fassade abheben, weil sie ja aus demselben Material gearbeitet sind. Vielleicht macht sich sogar einmal jemand die Mühe, sie nachts passend anzustrahlen. Ich denke mir, daß man das ursprünglich wohl vorhatte, aber im Gegensatz zu den Säulen und Standfiguren in diesem Falle Schiffbruch erlitten hat. Ist vermutlich nicht ganz einfach.
Wer wohl da hinguckt? Außer mir, natürlich! Das ist bei Kunst immer die Frage. Architektur kann man nicht übersehen, wenn sie nur groß genug ist. Die große "Patrone" z.B. wird erst nächstes Jahr fertig, ist aber bereits jetzt eine Attraktion und ästhetische Bereicherung für die ganze Stadt. Davon haben alle Touristen etwas, von den Einwohnern ganz zu schweigen.
Die Bauherren und Architekten tragen also eine entsprechende Verantwortung. Schließlich wird man sich den Anblick ziemlich lange gefallen lassen müssen. Die Verantwortlichen von Unilever haben damals das Beste unternommen, was zu der Zeit möglich war, scheint mir. Und die Lichtkünstler von heute haben ihr Übriges dazugetan.
PS: Man muß nur lange genug suchen (bzw. mit den richtigen Suchbegriffen)...
Nun wissen wir also, warum die Menschen die Pferde mit Macht im Griff zu halten versuchen: Die dicken Pferde symbolisieren die Energie, ganz klar, und der Mensch kann die kontrollieren. Es macht zwar Mühe, aber es geht, selbst Frauen können das. Die Bildsprache ist einleuchtend, wenn man des Rätsels Lösung kennt.
Nicht mehr online, aber noch im Cache von Google:
| | You can stop here for a drink before passing Unilever House designed by Lomax Simpson with John Burnet in 1932. The sculptor of the statues was William Reid Dick. Note the lamps which flank the entrance, the motif which shows two birds on palms, the figures pouring grain into sacks, the figure climbing a palm, a Hercules-like figure confronting snakes and draped in a lion skin. There are many such details. The facade is built in Portland Stone with several bronze features. » A River Thames Guide | | |
Quellen / Verweise
Abbildungen
© › Werner Popken
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