| ![]() SRC='http://www.pferdezeitung.com/img/trans.gif' WIDTH='5' HEIGHT='5' BORDER='0'> |  |  |  | | Ponyhengst |  |  |  |
| Wie hätte ich dieses Zitat ohne das Internet und ohne Google finden können? Es belegt nach meiner Ansicht einmal mehr, daß die Künstlerin gänzlich unpolitisch war und auch kunstpolitisch unbedarft: Renée Sintenis war keine Avantgarde-Künstlerin, deren Werk Zersetzungskraft hätte haben können. Man braucht sich dazu nur ihre Arbeiten anzuschauen.
Und da finde ich es endlich auch, auf einer furchtbar kaputten Web-Seite, bei der man Glück hat, wenn etwas funktioniert (» Renée Sintenis, Normansetzung: Sintenis, Renée):
| 1934 als "nichtarisch" ausgeschlossen. 1937 diffamiert als "entartet", Entfernung ihrer Werke aus öffentlichen Sammlungen. |
Es ist also wohl doch wahr, daß die Nazis diese harmlosen Tierchen gefährlich für die deutsche Kultur eingestuft haben. Oder wollten sie nur das Zeug beschlagnahmen, um es im Ausland zu verhökern? So viel bringen diese Sachen nun doch nicht ein.
Es will mir nicht in den Kopf, wieso sie sich ausgerechnet durch die Arbeiten von René Sintenis bedroht gefühlt haben. Die sind doch mindestens genauso harmlos wie die von Werner Gürtner, und der wurde schließlich nicht belangt.
Noch etwas fällt mir auf, wo ich die lange Liste der Künstler mit dem Anfangsbuchstaben "S" im "Bildarchiv der Kunst" sehe: Es gibt wahnsinnig viele Künstler, es gab zu jeder Zeit und in jedem Land sehr viele, Männer und Frauen, eine unglaubliche Konkurrenz.
Renée Sintenis hat es fertiggebracht, sich unter allen diesen einen Namen zu machen und es zu Weltberühmtheit zu bringen, und zwar ausgerechnet mit Tierkindern, vorzüglich Fohlen. Wie stellt man das an?
Die Legende will es, daß die Qualität sich überall durchsetzt: Der geniale Künstler hat zwangsläufig früher oder später den Erfolg, der ihm gebührt. Das ist selbstverständlich naiv. Ein beliebiges Beispiel: Rembrandt hatte eine sehr wechselhafte Karriere, war in den letzten Jahren seines Lebens sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich ein Außenseiter, nach seinem Tode für mehrere Jahrhunderte vergessen.
Im Falle der Renée Sintenis wurde ich in Bezug auf eine Vokabel aufmerksam; vielleicht liegt das daran, daß der Text von den erfolglosen Akademikern verfaßt worden ist, die in dieser Hinsicht sensibilisiert sind. Die schreiben:
| In der Folgezeit etablierte sie sich in Kunstkreisen und gewann einflußreiche Freunde. [...] Nach dem Krieg konnte sie sich jedoch bald wieder im Kunstbetrieb etablieren, nicht zuletzt durch den langjährigen Freund und Kollegen Karl Hofer. |
Die Vokabel lautet: "etabliert". Man macht also Kontakt mit den richtigen Leuten, die einem dann schon die richtigen Türen öffnen. Das leuchtet mir ein. Rätselhaft erscheint nur, wie sich dieser Mechanismus auch nach dem Tode aufrechterhalten läßt: Kann man dann noch Kontakte machen?
Natürlich nicht, aber dann ist man ja bereits etabliert. Die Arbeiten sind in der Welt, tauchen im Kunsthandel, auf Messen und Auktionen wieder auf und sorgen dafür, daß die Leute sich weiterhin mit Werk und Künstler auseinandersetzen, so wie Sie und ich das jetzt getan haben. Hoffentlich steigen die Preise, dann stabilisiert sich die ganze Sache von alleine.
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