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Galeriebeitrag Ausgabe 176.08 · Bildungsbürgertum
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Copyright wie angegeben
Seite 29
Comics galten einmal als unschick. Wer so etwas las, hatte keinen Schulabschluß und keinen Beruf, er war zumindest kulturell ein Analphabet.

Mit Asterix hat sich die Situation grundlegend geändert. Seit Asterix lesen auch Hochschulprofessoren Comics und finden das sogar schick. Ende der sechziger Jahre standen die französischen Originalausgaben in der mathematischen Bibliothek der Universität, an der ich studierte.

Das war für die Intellektuellen eine Entdeckung. Die Anspielungen an Bruchstücke des überlieferten Bildungskanons dienten der Rechtfertigung für das Lesevergnügen, was sich überwiegend durch die Bilder einstellt. So witzig sind die lateinischen Einsprengsel nun auch wieder nicht. Den Vergleich mit Ulysses hält Asterix auf keinen Fall aus.

Die Grundkonstruktion entspricht der Wirkung der Gegensätze: Dick und Doof, Pat und Patterchon, Don Quixote und Sancho Pansa, Hadschi Halef Omar und Kara Ben Nemsi und so weiter und so fort. Nun also Asterix und Obelix. Machen wir den einen klein und dünn und den anderen groß und dick, den einen schlau, den anderen dumm. Und der Dicke kriegt noch ein besonders winziges Hündchen, dem er mit Affenliebe anhängt - das muß doch witzig sein, oder?

Ein paar Elemente tauchen immer wieder auf und ergeben eine Kontinuität, die den Leser erfreut, wie zum Beispiel die ständige Präsenz des Hundes, der etwa das Temperament eines Terriers hat, aber keinesfalls stört und auch meistens keine Rolle spielt. In diesem Falle beschnuppert der Hund das Pferd, welches - Kuriosität am Rande - offenbar beschlagen ist. Diese Episode spielt aber keine Rolle, wie auch das Pferd keine Rolle spielt.

Das Pferd dient lediglich dazu, die Umstände etwas glaubhafter zu machen. Der Druide ist nämlich, so der Plot, verreist zur jährlichen Versammlung der Druiden, und irgendwie muß er ja da hinkommen. Er könnte per Pedes reisen, macht das auch zuweilen mit seinem Bündel am Stock, aber hier soll er den großen Kessel mitbringen, was am Stock etwas unbequem wäre.

Denn natürlich ist er der Weltmeister der Druiden, der Kessel seine Trophäe. Also brauchen wir vorübergehend ein Pferd und einen Wagen. Wo das Pferd herkommt und wer sich darum kümmert und wo das Pferd bleibt, muß offenbar nicht geklärt werden. Der Leser nimmt das einfach so hin und freut sich am Klepper, der ebensowenig Würde hat wie alle anderen Figuren.





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